Die KSC-Fans hatten in den vergangenen Jahren wenig zu lachen. Da erinnert man sich gerne an das 7:0 gegen Valencia am 2. November 1993. | Foto: Marvin Guengoer

25 Jahre nach Valencia-Spiel

Murgtäler erinnern sich an das „Wunder vom Wildpark“

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7:0? 7:0! Heute vor 25 Jahren rieben sich 25 000 Zuschauer im Karlsruher Wildparkstadion verwundert die Augen. An einem elektrisierenden Europapokal-Abend demütigte der KSC den spanischen Tabellenführer FC Valencia. Die Fußball-Sensation ließ europaweit aufhorchen und gilt bis heute als das größte Spiel der Karlsruher Vereinsgeschichte. Ein Mann machte sich an diesem Abend unsterblich: Edgar Schmitt. Nur eine Woche, nachdem er sich bei einem schweren Autounfall mehrfach überschlagen hatte, schoss der Angreifer vier Tore. Weil die aktuelle Drittliga-Tristesse den blau-weißen Glanz vergangener Tage längst verdrängt hat, erinnern die BNN in dieser Ausgabe noch einmal an das „Wunder vom Wildpark“. Bekannte Murgtäler erzählen, wie sie das Spiel erlebt haben – und blicken voraus in eine ungewisse KSC-Zukunft.

Niemand hat damit gerechnet.

Toni Huber

Toni Huber (Bürgermeister von Weisenbach): „An das Spiel habe ich nicht zuletzt deshalb lebhafte Erinnerungen, weil es zwischen den beiden Wahlgängen meiner ersten Bürgermeisterwahl in Weisenbach stattfand. Ein wenig Ablenkung tat mir damals also ganz gut. Niemand hat damit gerechnet, dass der KSC gegen diese Klasse-Mannschaft aus Valencia so hoch gewinnen würde. Deshalb war der Sieg umso schöner. Ich muss gestehen: Eigentlich bin ich vor allem Bayern-Fan. Aber ich drücke immer auch unseren badischen Fußballklubs aus Karlsruhe und Freiburg fest die Daumen. Leider ist die Kluft zwischen dem KSC und den etablierten Bundesligisten inzwischen sehr groß geworden, gerade finanziell. Aus meiner Sicht kann sich der Verein glücklich schätzen, wenn er wieder ein stabiler Zweitligist wird. Ich hoffe, dass das neue Stadion dazu beiträgt.“

Ich stand wie in Trance im Block.

Andreas Ullrich

Andreas „Ullske“ Ullrich (Gründungsmitglied des KSC-Fanclubs „Gaggenauer Löwen“): „Schon vor dem Anpfiff war ich optimistisch: Ich bin gemeinsam mit Valencia-Fans zum Stadion gelaufen. Als ich denen gesagt habe, dass sie heute verlieren, haben die nur gelacht. Nach dem Spiel sicher nicht mehr. Mit einem 7:0 habe aber auch ich nicht gerechnet. Die Stimmung war fantastisch: Ich stand wie in Trance im Block D1. Das beste Heimspiel, das ich in 40 Jahren als Fan erlebt habe. Den großen europäischen Fußball wird es im Wildpark wohl nicht mehr geben, ich brauche ihn aber auch nicht. Da ist zu viel Geld im Spiel, das ist mir heute alles zu abgehoben. Aber irgendwann wieder erste Liga wäre toll! Mein Herz hängt an diesem Verein. Sogar so sehr, dass ich meiner Frau den Heiratsantrag im Stadion gemacht habe.“

 

Die Euphorie im Stadion war riesig.

Heidrun Haendle

Heidrun Haendle (Leiterin des Gaggenauer Kulturamtes): „Das 7:0 gegen Valencia war eine fußballerische Sternstunde – unvergesslich. Ich saß auf der Haupttribüne, die Euphorie im Stadion war riesig. Ich erinnere mich, dass die Valencianer zu Beginn viel Druck gemacht haben und Oliver Kahn den KSC mit tollen Paraden im Spiel gehalten hat. Dann wurden die Jungs von Winnie Schäfer immer stärker und Euro-Eddy Schmitt war nicht zu stoppen. Damals waren wir oft beim KSC, mittlerweile weniger. Leider sind viele gute Spieler später nach München gegangen und der Verein hat sich nie wieder richtig gefangen.“

Ich habe noch an das Wunder geglaubt.

Christof Florus

Christof Florus (Oberbürgermeister von Gaggenau): „Das Spiel habe ich damals live im Wildparkstadion  gesehen. Ich hatte das Glück, Karten über einen Freund zu bekommen. Wir hatten einen Stehplatz, weit oben, wo man allerdings nicht jedes Tor gesehen hat. Auch nach dem verlorenen Hinspiel habe ich noch immer an ein Wunder im Wildpark geglaubt. Der damalige Trainer Winfried Schäfer und Stürmer Edgar Schmitt haben ihren Beitrag dazu geleistet. Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert: Es wird immer schwieriger, aufzusteigen, da die Ablösesummen für gute Spieler heutzutage unerschwinglicher werden. Deshalb ist der Schritt von der dritten zurück in die erste Bundesliga immens.“

Kinners, ich war dabei.

Rupert Felder

Rupert Felder (Vorstandsmitglied der Heidelberger Druckmaschinen AG und der CDU Gernsbach): „Ich war auf Einladung im Stadion und war zunächst eher an der Kulinarik interessiert, also auf einen eher müden Pflichttermin eingestellt. Aber irgendwann waren Wurst und Bier egal: Man merkte, dass da etwas passierte. Das war wie eine Welle, die das ganze Stadion in die Luft hob. Alles war möglich, alle waren elektrisiert. Wie mit einer Stimme wurde gefeiert und gelacht. Die Tore fielen spielerisch, eines ums andere, es hörte gar nicht mehr auf. Ringsum lachende Gesichter, wenn eben Glückshormone auf Moninger treffen. Am Schluss war klar: Das war etwas Historisches, was man auch 25 Jahre danach noch gerne aus der Erinnerung kramt. Leider sind solche Ereignisse selten, zumal beim KSC. Immer wenn ich seither den Namen Valencia irgendwo gelesen habe, kamen mir nicht Orangen in den Sinn, sondern die Zahl Sieben und die Mundwinkel gehen leicht nach oben mit einem Grinsen: Kinners, ich war dabei.“