Bunter Sammelplatz: Auf zahlreichen Tischen werden die unterschiedlichsten Gegenstände in der Jahnhalle gelagert. Von Geschirr über Mode bis hin zu Antiquitäten entsteht ein Paradies für Sammler und Jäger. Aber auch für andere Leute ist bestimmt etwas dabei.

Jahnhalle Gaggenau

Murgtalbasar: Sammeltag verbucht großes Interesse

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Klamotten, Geschirr, Kunstwerke und versteckte Schätze: In der Jahnhalle werden sie ausgepackt, inspiziert und sortiert. Etwa 70 Leute bereiten am Mittwoch den achten Murgtalbasar vor, der an diesem Wochenende stattfinden wird. Doch die Schlange der Anlieferer wächst immer weiter an. „Seit 11 Uhr stauen sich die Autos bereits bis in die Eckener Straße“, schildert ein Beobachter gegenüber den BNN. Deshalb habe die Wartezeit mehr als eine Stunde betragen – die Folge: Großer Unmut bei den Anlieferern von Gegenständen für den Basar.

Verärgerte Autofahrer

Der Wartende spricht von wütenden Autofahrern, die verärgert den Rückzug antraten. Des Weiteren habe man Personen, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß kamen, am Eingang direkt abgewiesen. „Es muss mehr Personal am Empfang geben,“ resümiert er. So könne man sich ersparen, die Leute zu vertreiben. Im vergangenen Jahr hat die Veranstaltung etwa 40.000 Euro eingenommen und die positive Bilanz der Vorjahre fortgesetzt.

Gemeinnützige Projekte werden gefördert

Mit dem Gewinn unterstützt der verantwortliche Verein „Im Murgtal – für’s Murgtal“ gemeinnützige Projekte in der Umgebung. Dadurch profitieren unter anderem die Lebenshilfe, das Frauen- und Kinderschutzhaus sowie die DLRG von dem Basartreiben. „Wir verstehen uns als Verein für das gesamte Murgtal, nicht nur für Gaggenau. An den Verkaufstagen haben wir in der Regel einen enormen Andrang,“ betont Vorstandsmitglied Brigitte Schäuble.

Jagd auf Schnäppchen

Dieses Jahr erwarte man wieder einen bunten Mix aus jungen und älteren Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben und Interessen. Was bei dem einen im Müll lande, könne bei dem anderen für Begeisterung sorgen. Holzenten, Gemälde, oder vielleicht doch ein Taucheranzug? Die eine oder andere Kuriosität läuft den Helfern schon einmal über den Weg. „Zu moderaten Preisen ist eigentlich für jeden etwas dabei. Schnäppchenjäger kommen voll und ganz auf ihre Kosten“, schwärmt Schäuble.

Schüler unterstützen die Aktion

Unterstützt wird das Team auch durch eine neunte Klasse der Realschule Gaggenau. Während die Mädchen Klamotten und Bücher sortieren, helfen die Jungen beim Tragen und Ausladen. Die betreuenden Lehrer Dirk Böhmer und Sebastian Knapp zeigen sich begeistert: „Es macht den Schülern nicht nur großen Spaß, aus dem Klassenzimmer zu kommen, sondern wir können damit auch eine gute Sache unterstützen.“ Zur Belohnung gibt es Pizza, danach dürfen die jungen Helfer nach Hause. „Insgesamt sind die Schüler eine tolle Hilfe. Sie ergänzen unser eingespieltes Helferteam. Davon sind schon einige in Rente, aber beteiligen sich immer noch mit großem Interesse,“ so Schäuble.

Helfer spezialisieren sich auf Bereiche

Bereits am Sonntag half die Feuerwehr Lautenbach, die Tische und Stühle aufzubauen. Auch die Bühne musste mit einer speziellen Unterlage abgeklebt werden. Nach der Annahme am Mittwoch von 8 bis 18 Uhr werden auch am Donnerstag und Freitag ganztägig die Gegenstände sortiert. Um die angelieferten Elektrogeräte kümmert sich das Elektrogeschäft Götz aus Ottenau. „Wir überprüfen zunächst, ob alles noch funktionstüchtig ist. Anschließend sortieren wir nach Lampen, Bügeleisen und so weiter“, erläutert Oliver Kohlbecker, der Chef des Betriebs. An den anderen Tischen spezialisieren sich die Helfer ebenfalls auf einzelne Bereiche – je nach Vorlieben oder beruflichen Vorkenntnissen. Überschattet wird „Im Murgtal – für’s Murgtal“ vom Tod der langjährigen Vorsitzenden, Kristine Kohlbecker, die im Februar gestorben ist. „Wir sind sicher, dass sie es so gewollt hätte, deshalb machen wir weiter – auch wenn es uns wirklich nicht leicht fällt“, äußert ihre Tochter Karolin Zebisch, stellvertretende Vorsitzende des Basarvereins. Es sei das Lebenswerk ihrer Mutter gewesen, eine solche Großveranstaltung in Gaggenau zu etablieren.

Öffnungszeiten: Samstag von 9 bis 13 Uhr sowie 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

 

Kommentar
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Früher Vogel

Ein altbekanntes Sprichwort besagt: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ In Bezug auf den Sammeltag für den Murgtalbasar ist das durchaus zutreffend. Bereits um 8 Uhr morgens stauten sich die Autos der Anlieferer über den gesamten Parkplatz. Was im Kontext dieser Großveranstaltung noch relativ normal erschien, nahm mit fortlaufender Uhrzeit prekäre Ausmaße an. Verkehrschaos, abgewiesene Bürger und Wartezeiten von mehr als einer Stunde. Der Unmut wächst, sodass der ein oder andere gar langfristig die Lust verliert, seine Gegenstände für den Murgtalbasar abzugeben. Dieser ist eigentlich ein nachhaltiger und gemeinnütziger Beitrag für das gesamte Murgtal. So schwingt in der Bilanz vom Mittwoch auch etwas Ironie mit: Zum Sammeltag kamen zu viele Leute, es lief zu gut. Dennoch macht die Situation klar, dass die Organisation überdacht werden muss, um im kommenden Jahr nicht erneut überfordert zu sein. Gerade die Entladung muss schneller gehen, sodass es zu keinem Stau kommen kann. Bislang kümmert sich der Verein „Im Murgtal – für’s Murgtal“ um die Planung. Wenn er das Arbeitsaufkommen nicht bewältigt, wäre es naheliegend, dass sich die Stadt Gaggenau mit in die Organisation einbringt. Insgesamt darf diese tolle Veranstaltung nicht von einem solchen Chaos überschattet werden. Das Fazit für den Anlieferer: Der frühe Vogel muss noch vor 8 Uhr da sein. Fraglich ist nicht, ob er wartet, sondern wie lang. Adrian Mahler