Gefahr oder nicht? Die Rückkehr des Wolfes sorgt deutschlandweit für heftige Debatten. Das baden-württembergische Umweltministerium hat allerdings bereits klargestellt, dass der im Nordschwarzwald ansässige „GW852m“ kein „Problemwolf“ ist. Foto: dpa
Gefahr oder nicht? Die Rückkehr des Wolfes sorgt deutschlandweit für heftige Debatten. Das baden-württembergische Umweltministerium hat allerdings bereits klargestellt, dass der im Nordschwarzwald ansässige „GW852m“ kein „Problemwolf“ ist. Foto: dpa | Foto: dpa

GW852m nicht zum Abschuss frei

Nabu-Expertin sieht den Wolf trotz mutmaßlichen Angriffen auf Schafe bislang nicht als Problem

Anzeige

Fragt man die betroffenen Tierhalter in Forbach, ist die Sache klar. Auch in den sozialen Netzwerken wird der Rüde mit der Kennung „GW852m“ als „Problemwolf“ betitelt. Doch Experten widersprechen – auch wenn sie die Angst der Menschen verstehen können.

„Der Wolf verhält sich bislang ganz normal“, erklärt Martin Hauser, Wildtierbeauftragter des Landkreises Rastatt. Ein Abschuss des Tieres sei nur dann erlaubt, wenn es sich Menschen nähere oder mehrfach in wolfssichere Gehege eindringe. „Beides ist bisher nicht der Fall“, betont Hauser gegenüber dieser Zeitung.

Mehr zum Thema: Schafe und Ziegen in Forbach getötet

Wolf benötigt vier Kilo Fleisch am Tag

Ähnlich äußert sich auch Nabu-Wolfsexpertin Felicitas Rechtenwald. Rund vier Kilo Fleisch brauche ein Wolf am Tag. „Er erbeutet, was er am leichtesten bekommt“, erklärt die Referentin für Artenschutz des Naturschutzbundes Baden-Württemberg. Dass die Tiere in Forbach nicht ausreichend geschützt gewesen seien, bezeichnet sie daher als „großen Fehler“. Man müsse zwar noch die Ergebnisse der DNA-Untersuchung abwarten, betont die Nabu-Expertin. „Falls die Angriffe in Forbach aber wirklich auf das Konto des Wolfes gehen, dann wurde er wohl gestört.“ Dafür reichten bereits Hunde oder Wanderer, die der Wolf schon aus weiter Ferne wahrnehmen könne.

Mehr zum Thema: Erstmals Wolf im Bühler Stadtwald nachgewiesen

Tier meidet Menschen

„Wie andere Wildtiere auch, meidet der Wolf den Menschen“, stellt Rechtenwald nochmal klar. Der zweite Angriff – wenn es denn ein Wolf war – sei dann auch nicht im Blutrausch erfolgt. „Sondern weil das Tier noch Hunger hatte.“ Damit widerspricht die Expertin einem der betroffenen Landschaftspfleger. Dieser hatte nach den Angriffen vom Wochenende gesagt: „Das ist nicht üblich für einen Wolf, der gestern vier Schafe getötet hat, dass er weiter jagt.“

DNA-Ergebnis in ein bis zwei Wochen erwartet

Mit einem Ergebnis der DNA-Untersuchung ist Rechtenwald zufolge in ein bis zwei Wochen zu rechnen. Das zuständige Forschungsinstitut Senckenberg wollte sich dazu auf BNN-Anfrage nicht äußern und verwies ans Umweltministerium. Dort spricht man von einer „Eilprobe“.

Deren Bearbeitungsdauer sei allerdings von der Auslastung des Instituts abhängig. Die Angst der Menschen vor dem Wolf kann Rechtenwald zwar grundsätzlich nachvollziehen. „Dennoch ist sie unbegründet“, betont die Expertin.

Die Politik muss handeln.

Martin Hauser

 

Alle bisherigen Risse, etwa am Wochenende in Forbach und im September 2018 in Gernsbach-Reichental, haben Hauser zufolge auf Weiden stattgefunden, die nicht ausreichend gesichert waren. Der Wildtierbeauftragte unterstützt die Forderung vieler Tierhalter nach einer besseren Förderung: „Die Politik muss handeln“, ist Hauser überzeugt. Neben dem Material müsste man Landschaftspflegern auch den Arbeitsaufwand für die Errichtung von wolfssicheren Zäunen erstatten.

Mehr zum Thema: Wolf tappt in Fotofalle

200 Anträge auf Herdenschutzmaßnahmen

Innerhalb der Förderkulisse Wolfsprävention übernimmt das Land eigenen Angaben zufolge derzeit 90 Prozent der Nettokosten, die Schaf-, Ziegen- und Gehegewildhaltenden bei der Anschaffung von Materialien für Herdenschutzmaßnahmen entstehen.

Bisher (Stand September) habe man rund 200 Anträge auf Herdenschutzmaßnahmen mit etwa 600 000 Euro gefördert, sagt ein Sprecher. Da in Forbach in beiden Fällen kein ausreichender Wolfsschutz vorhanden gewesen sei, könnten die Tierbesitzer nicht mit einer Entschädigung rechnen.