Lieferketten funktionieren besser: Die Landes-Zuweisungen an Schutzkleidung und FFP2-Masken kommen inzwischen an. Das bestätigt das Landratsamt sowie der Chef des Pflegebündnis Mittelbaden und Leiter der Altenhilfe Gaggenau, Peter Koch. | Foto: dpa

Lage hat sich entspannt

Nach wochenlangem Mangel: Pflegebündnis Mittelbaden hat jetzt genügend Atemschutzmasken

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Endlich. Peter Koch kann Entwarnung geben. „Die Nachschubwege für Schutzkleidung und Atemschutzmasken funktionieren momentan besser, die Landes-Zuweisungen über das Landratsamt kommen an“, sagt der Vorsitzende des Pflegebündnis Mittelbaden und Geschäftsführer der Gaggenauer Altenhilfe. „Ja“, betont Koch, „die Lage hat sich deutlich entspannt.“ Und auch Gisela Merklinger, die Pressesprecherin des Landkreises Rastatt bestätigt auf BNN-Anfrage: „Die Lieferketten klappen wieder.“

Mit der inzwischen achten Lieferung von Schutzausrüstungen aus dem Sozialministerium sei es mittlerweile gelungen, den dringendsten Bedarf in den Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Behinderteneinrichtungen, Rehakliniken und Zahnarztpraxen vorerst weitgehend zu decken.

Insgesamt wurden bisher 210.000 OP-Masken, 17.700 FFP2-Masken, 2.430 Schutzanzüge, 2.040 Schutzbrillen, 82.650 Handschuhe und 134 Liter Desinfektionsmittel kostenlos vom Land zur Verfügung gestellt.

10.000 FFP2-Masken selbst beschafft

Wie berichtet hatte Peter Koch im Verlauf der Corona-Pandemie die Politik scharf kritisiert. Er fühlte sich angesichts ausbleibender Hilfslieferungen des Landes im Stich gelassen – und handelte selbst. Schließlich war es ihm Mitte April gelungen, 10.000 FFP2-Atemschutzmasken (Filtering-Face-Piece-Masken) für die stationären und ambulanten Einrichtungen der Altenhilfe sowie weitere Bündnispartner zu beschaffen.

Das Pflegebündnis Mittelbaden erhält am 15. April eine Lieferung mit 10.000 FFP2-Schutzmasken. Vorne links: Peter Koch, Vorsitzender des Pflegebündnisses und Leiter der Gaggenauer Altenhilfe). | Foto: DENKwirkstatt

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Laut Koch brauche die Gaggenauer Altenhilfe für ihre drei Einrichtungen und einen ambulanten Dienst 10.000 Masken im Monat, um ihre Pfleger „zumindest halbwegs zu schützen. Selbst dann müssten die Mitarbeiter mit ein bis zwei Masken pro Schicht auskommen“. Heißt das, in zwei Wochen, also Mitte Mai, fehlt es wieder an Schutzmaterial? „Nein, die Gefahr besteht momentan nicht“, sagt er.

Wir können sagen, so ist das Personal flächendeckend gut ausgestattet.

Peter Koch, Vorsitzender Pflegebündnis Mittelbaden und Geschäftsführer der Gaggenauer Altenhilfe

Es sei erfreulich, dass die Bundes- und Landes-Zuweisungen langsam hier ankommen würden. Spärlich zwar, aber immerhin, und in Kombination mit der Selbstbeschaffung stehe man zufriedenstellend da. Koch: „Wir können sagen, so ist das Personal flächendeckend gut ausgestattet.“ Alternative Beschaffungswege halte man sich immer offen.

Landratsamt erwartet weitere Lieferungen vom Land

„Wir erwarten weitere kostenlose Lieferungen vom Land. Auch die vom Landratsamt Rastatt durch Vermittlung des Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer bestellten 300.000 Masken stehen noch aus. Und wir warten noch auf eine Lieferung der Rastatter Fachfirma Dach“, verdeutlicht Gisela Merklinger.

Rastatter Firma Dach startet neue Produktion von Atemschutzmasken im Mai

„Die neue Produktion von Atemschutzmasken Made in Germany startet im Mai“, heißt es auf der Homepage eines der größten deutschen Herstellers und Dach kündigt zudem die unmittelbar bevorstehende Lieferung von drei Millionen solcher Schutzmasken an.

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Auch wenn man Ressourcen schonend umgehe, großes Glück sei gewesen, dass es keine großen Ausbruchsszenarien gegeben habe, meint Peter Koch. „Dann wäre der Material-Verbrauch signifikant höher. So aber sind wir alle, toi, toi, toi, gut durch diese Phase gekommen. Bisher waren unsere Einrichtungen aber auch gut abgeschottet.“

Herausforderung durch Lockerungen

Mit den in der siebten Corona-Verordnung des Landes festgelegten Lockerungen wurde die Ausgangssperre für Heimbewohner aufgehoben. Auch wenn nun besondere Vorgaben zum Infektionsschutz gemacht werden, unter anderem eine vierzehntägige Maskenpflicht in Gemeinschaftsräumen für Bewohner, die die Einrichtung verlassen haben, „jetzt beginnt die Herausforderung so richtig“, sagt Koch. „Das ist ein Ritt auf der Rasierklinge, schwer zu kalkulieren und wir können nur hoffen, dass die Leute weiter Vorsicht walten lassen.“

Brief fordert Respekt für Pfleger
In einem offenen Brief an das Sozialministerium Baden-Württemberg und den BIVA-Pflegeschutzbund beklagt der erste stellvertretende Vorsitzende des Pflegebündnis Mittelbaden, Hansjürgen Schnurr, mangelnde Anerkennung und mangelnden Respekt für die Pflegekräfte. Vielmehr würden sich Pflegeeinrichtungen ständig zwischen den Vorwürfen der Politik, der Öffentlichkeit und der Behörden bewegen, wenn Erkrankungen wie Covid-19 auftreten. Der Gipfel seien die Ausführungen des Sprechers der BIVA, „dass man nicht nur sehen würde, was die zum Schutz der Alten notwendigen Maßnahmen gegen das Virus gebracht haben, sondern auch was sie angerichtet haben“ und dass dies „auch ein juristisches Nachspiel haben könnte, wenn die Angehörigen wieder in die Heime kommen dürfen und sehen, wie es ihren Liebsten wirklich geht“. Sarkastischer und pflegeablehnender könne man dies nicht formulieren, schreibt Schnurr. „Anstatt den Pflegeeinrichtungen mit juristischen Nachspielen zu drohen, sollte eher erkannt werden, dass die Pflegenden die Corona-Krise weder erfunden noch verursacht haben. Sie versuchen, diese mit nahezu übermenschlichem Engagement und Aufopferung zu meistern. Jetzt sind wir gespannt, wie Verbände, Politik und Pflegekassen die Lösung einer wirklich ausreichenden Personalausstattung in den Pflegeeinrichtungen aber auch Ambulanten Diensten anpacken wollen“, so Schnurr in dem Brief.