ARCHIV - 15.11.2019, Sachsen, Leipzig: Eine Kundin steht in der Obst- und Gemüseabteilung in einem Supermarkt. (Zu dpa "Verbraucherschützer: Zu wenig Infos zu Qualität von Lebensmitteln") Foto: Jan Woitas/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
Große Hilfsbereitschaft ist derzeit zu beobachten. Landauf, landab bieten Menschen ihren Mitbürgern Unterstützung an und schließen sich zu privaten Nachbarschaftshilfen zusammen. | Foto: Jan Woitas / dpa

Viele neue Initiativen

Nachbarschaftshilfe boomt wegen Coronavirus – Gaggenauerin hat viel vor

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Große Hilfsbereitschaft ist derzeit zu beobachten. Landauf, landab bieten Menschen ihren Mitbürgern Unterstützung an und schließen sich zu privaten Nachbarschaftshilfen zusammen. Online sind innerhalb kurzer Zeit viele neue Gruppen entstanden.

Auf Facebook zum Beispiel die „Nachbarschaftshilfe Karlsruhe“, die „Corona-Nachbarschaftshilfe Baden-Baden“ oder die „Nachbarschaftshilfe Gaggenau“. Die letztgenannte Gruppe hat schon am Montag – nur einen Tag nach ihrer Gründung – mehr als 300 Mitglieder.

Die Gaggenauer bieten an, Einkäufe oder Botengänge zu erledigen, Gassi zu gehen oder auf Kinder aufzupassen. Die Initiatorin Anke Fichtler freut sich über den Erfolg. Doch die Facebook-Gruppe ist für sie erst der Anfang.

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Zusätzliche Angebote via Handy und Telefon

Ihr ist besonders wichtig, Senioren zu erreichen. Doch nicht wenige sind weder im Internet noch in sozialen Medien aktiv. Für diejenigen, die zumindest ein Smartphone nutzen, hat Fichtler am Sonntag eine WhatsApp-Gruppe gestartet – Kontakt: (01 74) 3 15 28 09.

Unter der Festnetznummer (072 25) 1 83 80 29 ist seit Dienstag auch ein Anrufbeantworter geschaltet. Hier können Helfer und Hilfsbedürftige ihren Namen, Telefonnummer und ihr Anliegen hinterlassen. Die Initiatorin meldet sich dann innerhalb eines Tages zurück.

Gemeinsam mit einer Freundin bereitet sie Flyer vor, auf denen die Nummer zu finden sein wird. Sie sollen im Lauf der Woche gedruckt und an Haushalte verteilt werden. Außerdem hat Fichtler vor, sie in Geschäften und Arztpraxen auszulegen.

Weitere Idee: Ein Zuhörtelefon für isolierte Menschen

Sie liebäugelt auch damit, ein Zuhör- und Sorgentelefon einzurichten. Ihr schwebt eine Anlaufstelle für Menschen vor, die zuhause isoliert sind und Redebedarf haben. Sie hat bereits Kontakt mit der Psychologischen Beratungsstelle des Landkreises in Gaggenau aufgenommen.

„Es kann sein, dass das nicht nötig ist, weil sie sagen: Wir machen das schon.“ Doch falls es bei professionellen Diensten zu Engpässen kommt, habe sie schon einige Bekannte im Auge, die sich mit Gesprächsführung auskennen und gut zuhören können. „Wir sind keine Profis in dem Sinne“, sagt sie. Aber immerhin: Sie sind da für andere.

Ich denke, der Peak liegt noch vor uns.

Anke Fichtler über die Auswirkungen des Coronavirus

Aktuell sei ein guter Zeitpunkt dafür, neue Hilfsangebote zu schaffen. Strukturen, die jetzt aufgebaut werden, könnten in den kommenden Wochen Engpässe bei Behörden und Einrichtungen abfedern.

„Ich denke, der Peak (deutsch: „Gipfel“) liegt noch vor uns“, meint Fichtler. Gerade bei sozialen Diensten werde „mit Sicherheit in nächster Zeit einiges wegfallen“.

Unterstützung für neue Initiativen

Anderen Menschen, die Nachbarschaftshilfen ins Leben rufen wollen, will Fichtler Vorlagen zur Verfügung stellen. „Um es anderen leichter zu machen.“ Sie selbst habe eine Ausbildung zur Social-Media-Managerin.

„Momentan ist die Welle der Hilfsbereitschaft sehr groß. Das finde ich ganz fantastisch“, sagt Fichtler.

Bei Kinderbetreuung ist Vorsicht geboten

Bedenken hat sie lediglich bei Angeboten für Kinderbetreuung. Diese sind auch online umstritten – Kitas und Schulen sind schließlich nicht grundlos geschlossen worden, sondern um Ansteckungen zu vermeiden.

Wenn wir alle zusammenstehen, kommen wir da gut durch.

Anke Fichtler über Hilfsbereitschaft

„Ich denke, im Kleinen kann man das mal machen. Größere Gruppen halte ich persönlich nicht für sinnvoll“, sagt Fichtler. „Es wird bei allen Angeboten so sein, dass die Eigenverantwortung sehr hoch ist.“

Doch das Positive überwiegt für sie: „Wenn wir alle zusammenstehen, kommen wir da so gut wie möglich durch. Es ist unheimlich schön, wenn man die Menschen so zusammenbringen kann.“

Die Stadt Gaggenau begrüßt die Hilfsangebote. „Es ist schön, dass die Gesellschaft im Notfall zusammenhält und sich gegenseitig Hilfe anbietet. So sollte es sein“, sagt Pressesprecherin Judith Feuerer.
Neben den Hygiene-Regeln sei zu beachten, dass keine großen Betreuungsgruppen für Kinder gebildet werden. „Sonst verfehlt es das Ziel der Eindämmung des Virus.“