Große Pläne hat der Investor Krause-Gruppe auf dem seit langem brachliegenden Pfleiderer-Areal in Gernsbach. Dort sollen in den kommenden Jahren Wohnbebauung, Naherholung und Nahversorgung vereint werden.

Pfleiderer-Areal in Gernsbach

Einigung mit Investor erzielt

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Die Pläne der Stadt Gernsbach, das Pfleiderer-Areal zu revitalisieren, stehen möglicherweise vor dem Durchbruch. Wie Bürgermeister Julian Christ bei einem Pressegespräch am Mittwoch (17. Oktober) bekanntgab, haben die Stadt und der Investor Krause-Gruppe bei ihren Verhandlungen Einigkeit erzielt.

Demnach soll das 25.000 Quadratmeter umfassende Grundstück möglichst weitgehend entgiftet werden. In den kommenden Jahren sollen dort Wohnbebauung, zwei Lebensmittelmärkte und Naherholungsflächen realisiert werden. Wie berichtet, hatte die Entgiftung des Pfleiderer-Areal in den vergangenen Jahren zu kontroversen Diskussionen im Gemeinderat geführt. Eine Bürgerinitiative setzt sich für die vollständige Entsorgung des unterirdischen Giftmülls ein.

Entgiftung für maximal 4,5 Millionen Euro

„Wir werden ein repräsentatives, grünes Eingangstor zur Stadt schaffen“, kündigte Christ bei dem Termin im Rathaus an. Der Bürgermeister sprach in Zusammenhang mit der Wiederbelebung des Areals vom „größten städtebaulichen Projekt Gernsbachs der kommenden 20 Jahre.“ Nach umfassenden Verhandlungen habe man sich nun mit der Krause-Gruppe auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, so Christ, auch in der Frage der Sanierung, an der es anfangs hakte. In einem Schreiben an den Gernsbacher Rathauschef, das den BNN vorliegt, sichert die Investorengruppe zu, einen „möglichst großen Teil der Altlasten“ zu entfernen.

Sollte der Gemeinderat am Montag einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Im Wörthgarten“ treffen, wolle man weitere Untersuchungen auf dem Grundstück in Auftrag geben, um eine optimale Sanierungsplanung zu erarbeiten. Die Krause-Gruppe will nach eigenen Angaben indes nicht mehr als 4,5 Millionen Euro in die Entgiftung des Areals investieren. Von diesem Kostenrahmen gingen Experten aus, heißt es in dem Schreiben von Krause – und weiter: „Das Ergebnis unserer Verhandlungen ist (…) gerade noch wirtschaftlich realisierbar.“

Bezahlbarer Wohnraum im Fokus

Man wolle seine Zusage in einer neu zu schließenden Sanierungsvereinbarung mit dem Landratsamt rechtssicher festhalten. Auch dem ausdrücklichen Wunsch des Gemeinderats nach einer ganzheitlichen Nutzung des Grundstücks wolle man nachkommen. Gemäß einer ersten städtebaulichen Visualisierung sind dort neben einem Vollsortimenter und einem Discounter rund 10.300 Quadratmeter Flächen für Gewerbe, Büro und Wohnen vorgesehen. „Darauf haben wir in den Verhandlungen großen Wert gelegt“, betont Christ. Die Stadt strebe die Realisierung von bezahlbarem Wohnen „für mindestens 100 Menschen“ an.

Bürgermeister für Discounter-Umzug

Der Bürgermeister befürwortet ferner den Umzug des Discounters Lidl aus dem Gewerbegebiet in der Nordstadt in den Norden des Pfleiderer-Areal. Weil noch unklar sei, welcher Vollsortimenter sich im Zentrum des Grundstücks niederlassen werde, müsse man eine Erweiterung der Verkaufsflächen von Aldi und Rewe in der Schwarzwaldstraße vorerst zurückstellen. Man dürfe im Gesamten nicht die für Kommunen der Gernsbacher Größenordnung übliche Verkaufsfläche überschreiten.

Wir werden ein repräsentatives, grünes Eingangstor zur Stadt schaffen.

Bürgermeister Julian Christ

Geringe Investitionen für Stadt

Supermarkt-Parkplätze, Murgstufen, Parkflächen, ein Kinderspielplatz, betreutes Wohnen und ein Murgsteg zur Altstadt komplettieren die Visionen der Krause-Gruppe. Für Christ liegen die Vorteile für die Stadt auf der Hand: „Wir erhalten eine gute Versorgung und großen Naherholungswert, ohne viel eigenes Geld in die Hand nehmen zu müssen.“ Lediglich die Optimierung vorhandener Verkehrswege – dazu zählt der Bau eines Kreisverkehrs an der Bleichstaße, durch den das Pfleiderer-Areal erschlossen werden soll – finanziert die Stadt mit 40 Prozent der Gesamtkosten.

Gemeinderat hat letztes Wort

Hinzu kommen die Baukosten für den Steg über die Murg, an denen die Stadt 90 Prozent tragen will. Christ sieht mit dem Gesamtkonzept „alle wesentlichen Forderungen des Gemeinderats erfüllt“ und rechnet deshalb laut eigener Aussage bei der Sitzung am kommenden Montag mit einem Votum zugunsten der Bebauungsplan-Aufstellung. Die Zustimmung des Gremiums vorausgesetzt, hält Christ eine „Realisierung des Projekts innerhalb der kommenden fünf Jahre“ für möglich.