Wichtiger Lebensraum: Nach jahrelangem Leerstand hat sich die Natur weite Teile des Pfleiderer-Areals in Gernsbach zurückgeholt. Auf der Industriebrache haben sich mittlerweile zahllose Tiere ausgebreitet, darunter Insekten, Eidechsen und Vogelarten. Auch Vorkommen von Fledermäusen sind nicht auszuschließen. Bei der Neugestaltung des Geländes müssen für die Fauna Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden.
Wichtiger Lebensraum: Nach jahrelangem Leerstand hat sich die Natur weite Teile des Pfleiderer-Areals in Gernsbach zurückgeholt. Auf der Industriebrache haben sich mittlerweile zahllose Tiere ausgebreitet, darunter Insekten, Eidechsen und Vogelarten. Auch Vorkommen von Fledermäusen sind nicht auszuschließen. Bei der Neugestaltung des Geländes müssen für die Fauna Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden. | Foto: BNN

Pfleiderer-Areal in Gernsbach

Naturschutzverbände kritisieren Bebauungsplan

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Naturschützer sehen den Bebauungsplan „Im Wörthgarten“ in Gernsbach kritisch. In einer gemeinsamen Stellungnahme vom 27. Januar, die den BNN vorliegt, monieren der Landesnaturschutzverband (LNV) und der Naturschutzbund (Nabu) die aus ihrer Sicht unzureichenden Fledermaus-Ausgleichsmaßnahmen. Darüber hinaus bemängeln die Verbände in ihrem Schreiben an die Stadt Gernsbach, dass ihnen wesentliche Informationen über eine Dekontaminierung des Pfleiderer-Areals fehlten. Auf der Industriebrache sollen in den kommenden Jahren Wohnbebauung, Lebensmittelmärkte und Naherholungsflächen entstehen. Das Projekt ist in Gernsbach stark umstritten, nicht zuletzt, weil das Areal nachweislich mit Chemikalien belastet ist.

Voraussetzung für Baupläne

Grundsätzlich begrüßen die Naturschutzverbände die Wiederbelebung des Pfleiderer-Areal. Die Sanierung der Altlasten sei dafür allerdings eine „unabdingbare Voraussetzung“. Gemäß dem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss vom vergangenen Oktober ist auf dem Gelände „die Beseitigung wesentlicher Teile des belasteten Bodens“ vorgesehen.

Was bedeutet ,wesentliche Teile‘ des belasteten Bodens?

Diese Formulierung ist nach Ansicht der Naturschützer – wie zuvor bereits der CDU-Gemeinderatsfraktion und der Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach (BiGG) – zu unklar. „Was bedeutet ,wesentliche Teile‘ des belasteten Bodens?“, fragen sie in ihrer Stellungnahme. Und: „Wie wird sichergestellt, dass künftig keine Austritte toxischer Substanzen in die Umwelt erfolgen?“

Verseuchter Boden

Proben hatten ergeben, dass der Boden im Bereich des ehemaligen Tauchbeckens für die Imprägnierung von Telefonmasten und Bahnschwellen durch Teeröle, Quecksilber und Arsen verseucht ist. Eine 2006 installierte Reinigungsanlage bereitet das Grundwasser vor Einleitung in die Murg auf. LNV und Nabu bitten nun darum, deren Funktionstüchtigkeit darzulegen und „zu belegen, inwieweit es gelingt, die Murg vor einer Belastung durch Schadstoffe vollständig zu schützen“.

Fledermäuse womöglich übersehen

Auch beim Schutz der Fledermäuse sehen die Verbände Nachbesserungsbedarf. Zwar konnten Fachleute bei einer Untersuchung dreier Gebäude mit dem höchsten Habitatpotenzial laut eigener Aussage keinen Nachweis für aktuell genutzte Quartiere finden. Allerdings räumen die Gutachter selbst ein, dass die Altbauten schlecht zugänglich seien: „Eine Übersehenswahrscheinlichkeit ist in einem großen Ausmaß zu erwarten.“

Winziger Segler: Die Zwergfledermaus wurde im Bereich des Pfleiderer-Areals mehrfach erfasst. Sie wird gerade einmal 4,5 Zentimeter groß.
Winziger Segler: Die Zwergfledermaus wurde im Bereich des Pfleiderer-Areals mehrfach erfasst. Sie wird gerade einmal 4,5 Zentimeter groß. | Foto: Lumsden

Deshalb halten die Verbände die vorgeschlagenen Maßnahmen zum Fledermausschutz für unzureichend. „Die Integration von Fledermausquartieren in die neuen Gebäude sollte in deutlich größerem Umfang als vom Gutachten vorgeschlagen realisiert werden“, fordern LNV und Nabu.

Quartierkästen als Ersatz

Zur Überbrückung des Quartiermangels nach dem Abriss der bestehenden Gebäude bis zur Wiederbebauung schlagen die Gutachter das Anbringen von sechs Quartierkästen vor. Den Naturschützern geht das nicht weit genug: Angesichts der unklaren Fledermausvorkommen im Gebäudebestand plädieren sie für eine Verzehnfachung der Ersatzquartierzahl.

Angebot nicht realisierbar.

Mit Blick auf die Bestandssicherung der Mauereidechse befürworten die Naturschutzverbände eine Umsiedlung der Tiere in einen neu zu schaffenden Lebensraum. Eine Vergrämung, die im Gutachten als eine Option genannt wird, lehnen sie dagegen ab, da in diesem Fall ein neues Habitat in unmittelbarer Nähe entstehen müsse: „Für die Fläche des Bebauungsplans scheint ein solches Angebot nicht realisierbar.“

LED-Licht für Pfleiderer-Areal

Unter Punkt 3 ihres Schreibens bitten LNV und Nabu zudem um die Verwendung einer warmen LED-Beleuchtung auf dem neu gestalteten Pfleiderer-Areal. So könne man „Auswirkungen auf Fledermäuse und nachtaktive Insekten minimieren“.