Aus dem "alten" Waldseebad soll bis 2020 eine komplett neue Anlage werden: Mit einem Technik- und Naturbad, mit zusammen sieben Becken und mit Gesamtkosten von rund 13 Millionen Euro. | Foto: Bracht

Gemeinderat stimmt zu

Neues Bad in Gaggenau wird kein Schnäppchen sein

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Die hohen Kosten haben fast alle Redner aus den Reihen des Gemeinderats erwähnt, dennoch steht unter dem Strich eine große Zustimmung zum Planentwurf für das neue Waldseebad: Am Montagabend hat der Gemeinderat Gaggenau in öffentlicher Sitzung und im Beisein einiger interessierter Zuhörer in der Jahnhalle mehrheitlich die Weichen für den Badneubau gestellt.

Zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen

Zwei Gemeinderäte enthielten sich bei der Abstimmung (Christina Palma Diaz, CDU, und Rudolf Krumrey, Grüne). Die beiden CDU-Gemeinderätinnen Ellen Markert und Karolin Zebisch stimmten mit Blick auf die als zu hoch empfundenen Kosten dagegen: Im Mai 2017, so die Begründung, seien die Kosten für Natur- und Technikbad noch auf 6,4 Millionen Euro geschätzt worden, einschließlich eines neuen Technikgebäudes und eines Budgets für Attraktionen – „ein Jahr später liegen die geschätzten Kosten nun sage und schreibe mehr als doppelt so hoch, nämlich bei bis zu 13,6 Millionen Euro“, so Markert.

Auch Extras treiben die Kosten

Vor den Stellungnahmen der Fraktionen hatte der Leiter der Bauverwaltung, Andreas Fritz, zu den Kosten Stellung genommen. Er führte aus, dass zu der ersten Kostenschätzung – im Mai 2017 durch die Deutsche Gesellschaft für das Bäderwesen – inzwischen noch viele Posten hinzugekommen seien: Sei es durch zusätzliche Kosten (Beispiel: getrenntes Sprung- und Schwimmerbecken), sei es durch zusätzliche Infrastruktur (Beispiel: Sanitärgebäude, Gestaltung Freiflächen) oder auch durch Extras (Beispiel: Umbau Kiosk, Parkplatzerweiterung). Manfred Schnaible listete auf, wie sich die jährlichen Betriebskosten von über einer Million Euro zusammensetzen. OB Christof Florus sagte, „dass die Zahlen zwar hoch seien, es aber ein neuwertiges Bad mit großem Angebot“ sei.

„Wir können es uns leisten“

Für die Mehrheit der CDU-Fraktion formulierte Vorsitzender Andreas Paul: „Das neue Bad verspricht eines der attraktivsten Bäder weit und breit zu werden – das hat seinen Preis.“ Die Investitions- und Betriebskosten seien „kein Pappenstiel, aber wir können und wollen es uns leisten.“
Susanne Rodenfels (SPD) meinte, das Waldseebad werde es „nicht zum Schnäppchenpreis geben“. Wichtig sei, dass der Charakter des Bades erhalten bleibe und kombiniert werde mit einem zeitgemäßen Erlebnisbad. Jan Stenger führte aus, dass die Freien Wähler das vorgestellte Konzept sehr positiv beurteilen, man aber kritisch den laufenden Betriebskosten gegenüberstehe. Eric Peplau (Grüne) lobte die „transparente Planung und Umsetzung“; als Grüne habe man zwar für ein Naturbad plädiert, könne aber mit dem jetzigen Planentwurf leben. Für die FDP signalisierte Theo Gehrmann ebenfalls Zustimmung: „Die Planung ist nicht billig, aber zukunftsträchtig, wir stimmen zu.“ So hielt es auch die Gemeinderatsmehrheit.

Betriebskosten schnellen hoch

Hier zusammengefasst die „Rahmendaten“ des zukünftigen Waldseebades, das 2020 als kombiniertes Natur- und Technikbad wieder öffnen soll: Auf der Anlage im Traischbachtal sind sieben Becken beziehungsweise separate Teilbereiche vorgesehen. So finden sich Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken quasi in doppelter Auflage, das heißt es gibt sie sowohl als (chloriertes) Technikbecken wie auch als Naturbad. Auch die Kleinsten dürfen schon wählen: Das Kinderplanschbecken gibt es in Technik- und in Naturbadausführung. Eine Breitrutsche (im Nichtschwimmerbecken des Technikbades) und eine Sprunganlage (in einem separaten Becken) sind als weitere attraktivitätssteigernde Maßnahmen vorgesehen. Die Stadt Gaggenau investiert neben dem kompletten Badneubau zusätzlich in die Neugestaltung des Eingangsbereichs, in die Erweiterung des Kabinengebäudes und in neue Parkplätze. Zuletzt wurde eine Gesamtinvestitionssumme benannt, die sich zwischen 12,3 und 13,6 Millionen Euro bewegt. Die jährlichen Betriebskosten werden auf über eine Million Euro geschätzt – das ist fast doppelt so hoch wie zu Zeiten des Waldseebades als Naturbad.