Gut besucht war die Podiumsdiskussion zum Thema Lärm im Gaggenauer Ratssaal. Zu dieser Veranstaltung hatte der Arbeitskreis „Umwelt und Natur“ eingeladen. Das Podium war besetzt mit Experten, die zum Thema aus ihren Bereichen Auskunft gaben. | Foto: Kocher

Diskussion zum Thema Lärm

Nicht alle Motorradfahrer sind schwarze Schafe

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Von Joachim Kocher 

Das Thema Lärm und insbesondere der Verkehrslärm bewegt die Bürger, und das nicht nur in Gaggenau. Dies wurde während einer Podiumsdiskussion zu der Thematik, die der Arbeitskreis „Umwelt und Natur“ unter der Federführung von Folker Hahn am Donnerstag (18. Oktober) im Bürgersaal veranstaltete, deutlich.

Lärmschutzbeauftragter hält Impulsreferat

Zu der sehr gut besuchten Veranstaltung waren Lärm- Betroffene aus dem gesamten Murgtal gekommen, die ihrem Unmut Luft machten. Hierbei ging es allerdings nicht nur um Motorradfahrer, sondern auch um Pkw-Lenker, sprich um alle, die für unnötigen Lärm sorgen. Zahlreiche kompetente Gesprächspartner, saßen auf dem Podium, die Gesprächsleitung hatte Jutta Walter inne. Das Impulsreferat hielt Thomas Marwein MdL, Lärmschutzbeauftragter der baden-württembergischen Landesregierung. Marwein betonte unter anderem, dass man den Schutz Lärmbetroffener stärken wolle.

Rost kritisiert illegale Motorradrennen

Konstantin Rost Vertreter der Interessengemeinschaft gegen Lärm-613 Michelbach stellte fest, dass er nicht nur für Michelbach, sondern auch für die Betroffenen beispielsweise in Loffenau oder Herrenwies spreche. „Unser Problem sind die Lärmspitzen und das was wir am Wochenende erleben und auf uns hereinbricht“. Rost kritisierte auch die illegalen Motorradrennen auf der L 613 zwischen Michelbach und Freiolsheim. Motorradfahrer würden jedoch nicht erkannt, sagte Rost, die können machen was sie wollen. Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizei Baden-Baden wies auf die starke Zunahme von Motorrädern hin. „Gaggenau ist nicht der Hotspot, da gibt es andere“. Westermann zeigte sich optimistisch, dass man das Problem in Gaggenau in den Griff bekommt. Uwe Knauer, langjähriger Berufspendler wies auf 4,5 Millionen zugelassene Motorräder in Deutschland hin. Knauer machte deutlich, dass nicht „die Motorradfahrer“, sondern einzelne Motorradfahrer, die „schwarzen Schafe“ seien.

Mit bis zu 137 km/h in Tempo-50-Zone

Thomas Hätty vom ADAC wies auf Auspuffanlagen hin, die zu Lärmproblemen führen. Dirk Johae von der Motor-Presse in Stuttgart betonte, dass man gegen illegale Manipulationen und gegen rücksichtsloses Fahren sei. Dieter Spannagel (Amtsleiter Bürgerservice und Ordnungsamt, Stadt Gaggenau) sprach den Gaggenauer Hotspot L 613 zwischen Michelbach und Freiolsheim an. Hier wurden im Bereich der Anzeigetafel auf Höhe des Michelbacher Friedhofs trotz einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Kilometern pro Stunde zwischen Mai und September Höchstgeschwindigkeiten bei Pkw und Motorrädern zwischen 113 -und 137 Stundenkilometern pro Stunde gemessen.

Unfälle auf L 613 gehen deutlich zurück

Die Lärmspitzen betrugen dabei zwischen 97 und 98 Dezibel. Besonders laut waren zu 76 Prozent Motorräder. Spannagel machte deutlich, dass die Geschwindigkeitsüberschreitung seit dem anbringen der Anzeigetafel mit dem Hinweis „leiser“ oder „langsamer“ rückläufig sind. Peter Westermann informierte, dass die Zahl der Unfälle auf der L 613 zwischen Michelbach und Freiolsheim deutlich zurück gingen. So verzeichnete man in diesem Jahr bisher nur einen Motorradunfall. Zur Sprache kamen auch die derzeit gültigen Zulassungs- und Messverfahren zur Einhaltung der Lärmgrenzwerte.

Polizei misst keine Fahrgeräusche

Wie zu hören war, fordert der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) ein neues Lärmmess-Procedere. Die Kritik des Verbands entzündet sich vor allem an der Tatsache, dass Motorradfahrer mit völlig legalen Abgasanlagen mit einer Lautstärke unterwegs sind, die der Akzeptanz des Motorradfahrens abträglich ist. Peter Westermann machte deutlich, dass die Polizei keine Messungen zum Thema Fahrgeräusche durchführen kann. Hier fehle die gesetzliche Grundlage was bei den Anwesenden auf Unverständnis stieß. Oberbürgermeister Christof Florus kündigte für Gaggenau einen Lärmaktionsplan, mehr Lärm- und Geschwindigkeitsmessungen und mehr Geräte an.