Bei ihr laufen die Fäden zusammen: Claudia Peter, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, bereitet mit ihrem Team die Warnstreiks vor. Auftakt ist in der Woche ab Montag, 8. Januar. | Foto: Dorscheid

Vor den ersten Warnstreiks

Nicht nur Regenponchos und Trillerpfeifen müssen organisiert werden

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Der Sitzungssaal der IG Metall-Verwaltungsstelle in der Gaggenauer Hauptstraße gleicht aktuell eher einem Materiallager. Stapel- und kistenweise Regenponchos, rote Baseball-Kappen mit IG Metall-Logo, Trillerpfeifen und einiges andere mehr. „Wenn die heiße Phase losgeht, räumen wir auch die Stühle weg. Dann brauchen wir hier noch mehr Platz“, blickt die Erste Bevollmächtigte Claudia Peter voraus. Die heiße Phase? „Unsere Warnstreiks hier in der Region beginnen in der kommenden Woche“, sagt Claudia Peter im BNN-Gespräch.

Vorbereitungen laufen schon länger

Bei den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch nach Runde zwei der Gespräche nicht angenähert; mit Warnstreiks – siehe am Donnerstag der Auftakt bei Porsche in Stuttgart – will die Gewerkschaft ihren Forderungen Nachdruck verleihen.
Entsprechende Vorbereitungen sind auch in der IG Metall-Verwaltungsstelle Gaggenau längst angelaufen. „Mit den Vertrauensleuten in den Betrieben haben wir schon vor Weihnachten ein Gerüst erstellt“, sagt Peter. Dann wird, nur ein Beispiel, auch über die technische Ausrüstung gesprochen, welche die Gewerkschaft den Betrieben zur Verfügung stellt („Was braucht Ihr an Unterstützung?“). Sehr beliebt sind im Übrigen die kleinen Notizblöckchen mit Slogans wie „Ich bin mein Geld wert“ oder „Mach mit, wenn es um Dich geht“.

Zuerst ein Tarifergebnis, weil keine der beiden Seiten eine Bittstellerin gegenüber der jeweils anderen ist. Es ist vielmehr eine Verhandlung auf Augenhöhe.

Die IG Metall-Bevollmächtigte Claudia Peter auf die BNN-Frage: Was kommt zuerst – eine neue Bundesregierung oder ein Tarifabschluss im Südwesten?

Ein ganzes Maßnahmenbündel ist abzuarbeiten: Wer kümmert sich um die zu mietenden Lkw und Bühnen, wer um das technische Equipment? Wie ist es organisatorisch zu schaffen, dass für 1 000 Beschäftigte im Freien ein wärmender Kaffee bereitsteht (bei einem Warnstreik gehen die Mitarbeiter in ihrer Arbeitskleidung aus den warmen Hallen ins Freie, und bei winterlichen Temperaturen ist das nicht das reine Vergnügen)? Und reichen die bisher georderten 2 000 einfachen Regenponchos aus für den Fall, dass es während der Kundgebungen schüttet? Für jede einzelne von der Gewerkschaft geplante Maßnahme findet sich eine übersichtliche Checkliste („Wo brauche ich was?“) auf einer größeren Pinnwand.

Singt Mario Götz wieder?

Und vielleicht wird ja wieder, wie in der Vergangenheit schon geschehen, die Murgtäler Rockröhre Mario Götz (bekannt aus „The Voice Of Germany“) wieder im Blaumann auf der Bühne am Benz-Werk Gaggenau stehen und vor sowie nach den Reden bei der Kundgebung die Belegschaft mit seiner Sangeskunst unterhalten. Falls ja, muss auch dies vorbereitet werden.

Das „1 x 1 der Warnstreiks“

Kurzer Blick in den Organisationskalender der vergangenen Tage: Am Mittwoch stand die „Kaffee-Frage“ im Mittelpunkt, am Donnerstag ist das Faltblatt „Kleines 1 x 1 der Warnstreiks“, das anschaulich viele Fragen beantwortet (Können Vorgesetzte die Teilnahme am Warnstreik verhindern? Abstempeln oder nicht?) und an die Vertrauensleute und Betriebsräte verteilt wird, fertig geworden.

Schaltzentrale und Materiallager für die Warnstreiks in der Region Rastatt/Murgtal ist die IG Metall-Verwaltungsstelle in Gaggenau. | Foto: Dorscheid

Und am Freitag trifft sich Claudia Peter mit der Polizei; dann geht es um verkehrliche Sicherheitsfragen, wenn etwa bei einer großen Kundgebung vor den Werkstoren des Benz-Werks Gaggenau Beschäftigte den öffentlichen Straßenraum der Hauptstraße nutzen (müssen).

„Wir sind vorbereitet“

Wird es bei diesem Tarifstreit erstmals in der Region die vom Gewerkschaftstag 2015 beschlossenen 24-Stunden-Warnstreiks mit entsprechend großen Produktionsausfällen geben? Peter: „Ich hoffe, dass ’normale’ Warnstreiks ausreichen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Sollten diese nicht ausreichen, dann sind wir vorbereitet.“ Frage an die Gewerkschaftsführerin: Wird die IG Metall bereit sein, zugunsten eines Einstiegs in das Thema selbst bestimmte Arbeitszeit beim Entgelt deutliche Abstriche hinzunehmen? Claudia Peter verneint: „Bei beiden Themenblöcken – Arbeitszeit und Geld – braucht man einen Kompromiss.“