Ein seltener Anblick sind wohnungslose Menschen im Murgtal (Symbolfoto). Häufiger sind Fälle von Obdachlosigkeit, in denen die Stadt aushelfen muss. | Foto: Martin Gerten/dpa

Kommunen bieten Anlaufstellen

Wie viele Obdachlose es im Murgtal gibt – und welche Optionen sie im Winter haben

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Sobald die Winterkälte Einzug hält, wird die Frage nach Menschen laut, die kein Dach über dem Kopf haben. Im Murgtal sind Wohnungslose, die auf der Straße oder in Parks campieren, kein alltäglicher Anblick. Doch auch hier gibt es Menschen, die keine Wohnung mehr haben.

Das sind beispielsweise Menschen, die von ihren Vermietern oder Mitbewohnern hinausgeworfen wurden. Wenn sie sich an Kommunen wenden, stellen diese ihnen vorübergehend Not-Behausungen zur Verfügung. Als Ortspolizeibehörde sind die Städte und Gemeinden dazu verpflichtet.

Gaggenau beherbergt die meisten Obdachlosen

Die gute Nachricht ist: Im Murgtal besteht vergleichsweise wenig Bedarf. In Karlsruhe ist die Zahl der Obdachlosen zwischen 2013 und 2018 von 932 auf 1 401 gestiegen.  Demgegenüber beherbergt die Stadt Gaggenau im Murgtal mit Abstand die meisten Personen: pro Jahr etwa 20 bis 25, Tendenz gleichbleibend.

Freilich leben im Murgtal auch deutlich weniger Menschen als in der 300 000-Einwohner-Stadt Karlsruhe – aber immerhin doch fast 54 000 allein in Gaggenau, Gernsbach, Loffenau, Weisenbach und Forbach (Stand 2018).

Viele Dauergäste in den Unterkünften

Zur Zeit hat die Stadt Gaggenau 21 Obdachlose auf drei Unterkünften verteilt. Zwei der Objekte sind angemietet, eins gehört der Kommune. Die Unterbringung ist im Normalfall auf Kurzfristigkeit angelegt: Die Betroffenen sind gehalten, sich zügig eine neue Wohnung zu suchen.

Wir setzen keinen auf die Straße.

Viele der Bewohner sind jedoch Dauergäste geworden. Laut Judith Feuerer, der Pressesprecherin der Stadt Gaggenau, handelt es sich dabei vor allem um Langzeitarbeitslose. Dazu kommen Menschen mit Behinderungen oder mit einer geringer Rente. Aus verschiedenen Gründen finden sie einfach keine Wohnung.

„Wir setzen keinen auf die Straße“, versichert Feuerer. Doch die Notunterkünfte sind schlicht gehalten. Wer bleibt, muss sich damit bescheiden.

In Weisenbach gab es zuletzt 2016 eine Not-Unterbringung

In umliegenden Gemeinden gibt es deutlich weniger Betroffene. In der Gernsbacher Gemeinschaftsunterkunft sind derzeit laut Stadtsprecherin Nicoletta Arand zwei Obdachlose untergebracht.

In Räumlichkeiten der Gemeinde Loffenau lebt eine Person; insgesamt waren es Bürgermeister Markus Burger zufolge in diesem Jahr drei. Auch in Forbach gibt es Margit Karcher zufolge ein bis zwei Fälle pro Jahr.

Die Gemeinde Weisenbach hingegen musste laut Hauptamtsleiter Walter Wörner zuletzt 2016 eine Person unterbringen.

Anlaufstellen in Baden-Baden und Rastatt

Von Menschen, die auf der Straße leben, ist in allen fünf Kommunen wenig zu spüren. Wenn überhaupt, seien sie nur auf der Durchreise in Richtung größerer Städte, lassen die Verwaltungen wissen. Auch bekannte Orte, an denen Wohnungslose regelmäßig anzutreffen seien, gebe es in kleinen Gemeinden zumeist nicht, sagt etwa die Forbacher Hauptamtsleiterin Margit Karcher.

Es zieht sie eher nach Rastatt und Baden-Baden: Dort befinden sich Anlaufstellen der Caritas mit Tagescafé, Waschgelegenheiten und Beratungsangeboten. Zur Einrichtung in Baden-Baden gehört ein Wohnheim mit 20 Betten. Bei Bedarf auch mehr, sagt der Fachbereitsleiter Christian Frisch. Die Schlafstätten seien rund ums Jahr belegt.

Man zählt sie nicht, sie sind nicht sichtbar.

Ein Problem ist freilich, dass viele Wohnungslose unter dem Radar leben. Sie werden bislang nicht systematisch erfasst. „Man zählt sie nicht, sie sind nicht sichtbar“, sagt Frisch.

Das bestätigt auch Judith Feuerer. Wer nicht im Rathaus vorstellig wird, bleibt unbekannt – und vielleicht auch unerkannt. Nicht allen Wohnungslosen sieht man ihre Lebenssituation an der Nasenspitze an; und nicht jeder ungepflegte Mensch ist automatisch ohne Behausung.