Bild vom Testbetrieb in Brandenburg | Foto: Settnik

„eWayBW-Projekt“ auf B462

Oberleitungs-Lkw auch nach 2023 im Murgtal?

Anzeige

Falls das eWayBW-Pilotprojekt mit Oberleitungs-Lastwagen umgesetzt wird, dann ist die B462 die erste elektrifizierte Bundesstraße weltweit. Dies sagte Marcel Zembrot vom baden-württembergischen Verkehrsministerium bei der gut besuchten Bürgerinformationsveranstaltung am Donnerstag im Gaggenauer Bürgersaal. Im Murgtal werde einmal mehr Automobilgeschichte geschrieben, es werde das „Schaufenster für eine neue Mobilität“. Nicht reslos klar ist derweil, ob aus dem Pilot- nicht ein Dauerprojekt wird.

Von Joachim Kocher

Teststrecke auf B462

Zembrot sprach auch die Baumaßnahme und die damit verbundenen Verkehrsbehinderungen an. So sollen Vollsperrungen der B462 im Bereich Ottenau – wenn möglich nur nachts – stattfinden. Uwe Lahl vom Verkehrsministerium ging auf das Pilotprojekt ein. So soll für einen Zeitraum von drei Jahren die 18 Kilometer lange Teststrecke im Murgtal auf der B462 zwischen Kuppenheim und Oberstrot mit einer Oberleitung versehen werden (die BNN berichteten), an der Lastwagen fahren sollen. Lahl betonte, dass die elektrisch betriebenen Hybrid-Lkw leise unterwegs seien. Lahl machte deutlich, dass man der Schiene keine Konkurrenz machen und keine zusätzlichen Güter auf die Straße bringen wolle.

Eine bessere Strecke gibt es nicht

Lahl betonte auch, dass bei dem Pilotprojekt auch Batterie betriebene Lastwagen der Firma Daimler zum Einsatz kommen. „Am Ende des Projekts können wir sagen was funktioniert“, so Lahl. Zembrot machte deutlich, dass man gegensteuern müsse, wenn man das Pariser Zwei-Grad-Ziel erreichen wolle. Oberste Priorität habe die Vermeidung von Verkehr sowie die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene. Die Bahn könne jedoch im besten Fall nur 40 Prozent des Güterverkehrs transportieren, 60 Prozent blieben auf der Straße. 5,6 der rund 18 Kilometer sollen elektrifiziert werden. Im Zuge des Projekts soll geprüft werden, wie ein Schienenverkehr aussehen könne. Daher werde man auch die AVG einschalten. Zembrot sprach von Kosten in Höhe von 17,6 Millionen Euro für die Infrastruktur. Er betonte, dass die B462 als Versuchsstrecke „hochgradig geeignet“ sei: „Eine bessere Strecke gibt es nicht“. Es würden nicht mehr, sondern andere Lastwagen zum Einsatz kommen.

Testbetrieb Ende 2019

Wie zu hören war, werden die Masten für die Oberleitung im Bereich Ottenau auf der Hangseite erstellt. Keinen Baum werde man fällen müssen. Einge Montagearbeiten würden während der Nacht ausgeführt, die keinen Lärm verursachen würden. Eingriffe in den Verkehr seien jedoch nicht vermeidbar. Indes: Alle Anschlussstellen stünden dauerhaft zur Verfügung. Mit größeren Staus rechnet Zembrot nicht. Die Teststrecke soll zwischen April und August 2019 gebaut werden. Nach einen Testbetrieb im vierten Quartal 2019 soll sie 2020 bis 2022 in Betrieb gehen. Der Rückbau soll im ersten Quartal 2023 erfolgen.
Der Ausbau des Autobahnanschlusses Rastatt-Nord zur Verbesserung des Verkehrsflusses soll laut Zembrot kommen („Kleeblatt-Lösung“).

Weiterbetrieb nicht vom Tisch

Die Vertreter des Verkehrsministeriums gaben auf Anfrage aus Reihen der Bevölkerung auch bekannt, dass das Land auf jeden Fall den Rückbau der Infrastruktur nach Abschluss der Pilotphase übernimmt, sofern nicht eine Weiterbetrieb erfolgt. Im Zusammenhang der Einrichtung der Teststrecke sprach Anita Weiler von einer zusätzlichen erheblichen Belastung für den Gaggenauer Stadtteil. Ottenau sei schon heute durch die Firma Hillwood einer großen Belastung ausgesetzt. Die Bürgerin sprach auch von einem massiven Eingriff in die Natur. Forschung um jeden Preis dürfe es nicht geben. Nach den Ausführungen von Weiler ließ OB Christof Florus keine Kommentare mehr zu. Vielmehr gehe es um Sachfragen. „Unser Vorhaben ist kein Zirkus“, wie zuvor ein Bürger meinte, betonte Lahl. Auf Anfrage aus der Bevölkerung betonte Zembrot, dass man für das Pilotprojekt bei den örtlichen Lieferanten grünen Strom beziehen werde.

Anwohner befürchten Beeinträchtigungen

Zur Sprache kam ferner das Thema Planfeststellungsverfahren, außerdem ging Rudolf Krumrey auf eine Graureiher-Population entlang der Murg zwischen Bad Rotenfels und Kuppenheim ein. Ein Bürger wollte wissen, warum Oberndorf bei der Teststrecke nicht dabei sei. In den diesem Zusammenhang wies Zembrot unter anderem auf ein entlang der Murg verlaufenes FFH-Gebiet hin. Außerdem hätten Anwohner auf visuelle Beeinträchtigungen hingewiesen. Zembrot sprach auch die Lärmproblematik an. In Oberstrot verbessere die Situation auf jeden Fall, ferner wies Zembrot auf ein Lärmmonitoring im Rahmen der Begleitforschung hin.