Buntes Booklet: Material über das Pilotprojekt „eWayBW“ zur Erprobung von Oberleitungs-Lkw auf der B462 steckt in mehr als 24.000 Murgtal-Briefkästen. Am 25. Mai gibt’s auch eine Online-Infoveranstaltung.   | Foto: Manfred Spitz

Post vom Minister

Oberleitungs-Projekt eWayBW im Murgtal: Starten Hauptarbeiten am 15. Juni?

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Post von Verkehrsminister Hermann haben bereits – oder werden in den nächsten Tagen – viele Murgtäler bekommen. Denn mit einer Postwurfsendung informiert das Ministerium jetzt auf diesem Weg über das Pilotprojekt „eWayBW“ zur Erprobung von Oberleitungs-Lkw auf der B462.

In den Briefkästen von mehr als 24.000 Haushalten in Bischweier, Gaggenau, Gernsbach, Kuppenheim und Rastatt steckt dann eine bunte Broschüre mit „Fragen und Antworten“ zu dem Landes-Vorhaben, das Kommunen, Bürger und Politiker polarisiert.

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Reflektiert werden in dem Booklet, das auch auf der Homepage der Stadt Gaggenau heruntergeladen werden kann, die Oberleitungstechnologie, die geplante Strecke, der Verlauf der stromführenden Drähte, der Planungsstand und der Bauablauf vor Ort.

Online-Informationsveranstaltung am 25. Mai

Darüber hinaus gibt es am 25. Mai eine Online-Informationsveranstaltung. Allerdings: „Das ist kein guter Termin, weil an dem Abend eine Gemeinderatssitzung stattfindet“, sagt Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler. Da hätte sich das Ministerium erst mal erkundigen können, meint er und fügt hinzu: „Ich bin auch schon gespannt, wie das mit der Video-Schalte klappt, wenn viele Bürger Fragen haben“ – und davon ist auszugehen.

Das Murgtal sei ein besonderer Partner für das Land zur Erprobung dieser klimaneutralen Antriebstechnologie, heißt es in einer Pressemitteilung des Verkehrsministeriums. Und weiter: Die Information der Bürger vor Ort ist wichtig und mir ein großes Anliegen. Nicht zuletzt tragen ihre Fragen zum Gelingen dieses innovativen Forschungsvorhabens bei, dessen Erkenntnisse bundesweit bedeutsam sind“, wird Minister Hermann zitiert. Ob er damit die Murgtäler überzeugen kann?

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Das Pilotrojekt mit einem Auftragsvolumen von 21,2 Millionen Euro hatte, wie mehrfach berichtet, im Murgtal eine heftige Diskussion über die Sinnhaftigkeit sowie massive Kritik ausgelöst. Unter anderem auch weil die Bauzeit mit 33 Wochen erheblich länger ausfallen sollte, als ursprünglich geplant.

Wir sind mit unseren Optimierungsvorschlägen auch auf offene Ohren gestoßen

Christof Florus (Oberbürgermeister Gaggenau), Karsten Mußler (Bürgermeister Kuppenheim), Robert Wein (Bürgermeister Bischweier)

Nach einer Telefonkonferenz von Verkehrsministerium, Regierungspräsidium, kommunalen Vertreten und Abgeordneten Ende März gab es erste Kompromisse. Das Verkehrsministerium ließ unter Federführung des Regierungspräsidiums Karlsruhe Möglichkeiten prüfen, die Bauzeit zu verkürzen.

„Wir waren mit der Konferenz zufrieden. Wir konnten ein sachliches Gespräch führen und sind mit unseren Optimierungsvorschlägen auch auf offene Ohren gestoßen“, so Gaggenaus Oberbürgermeister Christof Florus, Bürgermeister Karsten Mußler (Kuppenheim) und Bürgermeister Robert Wein (Bischweier) in einer gemeinsamen Erklärung gegenüber den BNN.

Verkehrsbeschränkungen von 35 auf 29 Wochen reduziert

Was heißt das konkret? „Auf Anfrage wurde uns mitgeteilt, dass die Dauer der Verkehrsbeschränkung auf der B462 durch die Optimierung von Bauabläufen von ursprünglich 35 auf rund 29 Wochen reduziert werden konnte. Weitere darüber hinaus von uns geforderte Beschleunigungsmaßnahmen sind wohl nicht zu realisieren.“

Hauptarbeiten sollen am 15. Juni beginnen

Beginnen sollen die Hauptarbeiten am 15. Juni und am 26. Februar 2021 enden. Für die Erstellung der Mittelstreifenüberfahrten werden im Vorfeld etwa sieben Tage veranschlagt. Die Arbeiten am Elektrifizierungsbereich eins „Kuppenheim“ (2.600 Meter inklusive 600 Meter Verlängerungsoption) sollen in beiden Fahrtrichtungen am 31. Oktober abgeschlossen sein. Direkt im Anschluss geht es am Abschnitt zwei „Oberndorf“ (750 Meter) weiter.

Von Mitte Dezember bis Mitte Januar ruhen die Arbeiten und es gibt keine Verkehrsbeschränkungen. Außerdem gibt es inzwischen, wie von den Bürgermeistern in die Waagschale geworfen, für die Kommunen einen Ansprechpartner für Verkehrsfragen beim Regierungspräsidium.

Petition gegen das Projekt „eWayBW“ ging am 27. März im Verkehrsministerium ein

Lokale CDU-Verbände und ein Gaggenauer FWG-Stadtrat haben 1.000 Unterschriften gesammelt und bei der Landesregierung eine Petition gegen das Projekt „eWayBW“ eingereicht.

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„Die Petition ging am 27. März im Verkehrsministerium ein“, sagt Pressesprecherin Kathleen Bärs. „Der Petitionsausschuss hat um Stellungnahme gebeten mit der üblichen Fristsetzung von zwei Monaten. Die Bearbeitung im Ministerium erfolgt in der Regel innerhalb dieser Frist, in besonders gelagerten Fällen oder bei anderweitig auftretenden Verzögerungen ist gegebenenfalls eine längere Bearbeitung erforderlich.“ Wann sich der Petitionsausschuss mit einem Anliegen befasse, das bestimme der Ausschuss. „Dies dürfte abhängig vom Sitzungskalender und der Anzahl anhängiger Verfahren sein“, so Bärs.

Zwei Oberleitungsabschnitte zwischen Kuppenheim und Rotenfels vorgesehen

Vorgesehen ist auf der B462 zwischen Kuppenheim und Rotenfels der Bau von zwei Elektrifizierungsbereichen, auf denen Hybrid-Oberleitungs-Lastkraftwagen eingesetzt werden. Der ursprünglich vorgesehene dritte Abschnitt „Ottenau“ wird aus technischen Gründen bedingt durch die engen Kurvenradien nicht weiter verfolgt.

Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, warum der Betrieb von Oberleitungs-Lastwagen überhaupt im Murgtal getestet werden muss. Zwar gebe es in Deutschland bereits zwei Pilotprojekte in Hessen und Schleswig-Holstein, die beschäftigen sich aber mit dem Güterverkehr, heißt es aus dem Stuttgarter Ministerium.

Mit Strom aus der Oberleitung fährt schon vor einigen Jahren ein LKW auf einer Teststrecke in Brandenburg. | Foto: dpa

Bei „eWayBW“ hingegen werde der Nah- und Regionalverkehr untersucht. Mit seinen engen Kurven, unterschiedlichen Straßenradien und mehreren Kreuzungsbereichen gebe es im Murgtal besondere Voraussetzungen, um die Oberleitungstechnik auch in schwierigem Gelände zu erproben. Dadurch besitze das Projekt ein Alleinstellungsmerkmal. Die Wissenschaft erhoffe sich wertvolle Erkenntnisse darüber, wie die Oberleitungstechnik auch in bergigen und kurvigen Regionen Deutschlands angewendet werden kann.

Infos zur Online-Informationsveranstaltung: Am Montag, 25. Mai, findet ab 19 Uhr eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Pilotprojekt „eWayBW“ auf der B462 im Murgtal statt. Aufgrund der aktuellen Gesundheitslage wird diese Veranstaltung in digitaler Form durchgeführt. Sie ist über die Projekt-Website www.eWayBW.de zu erreichen. Die Bürger haben dann auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen.