Aus der Leitung der Seelsorgeeinheit Schwetzingen, wo dieses Bild entstand, wechselt Pfarrer Friedbert Böser nach Gaggenau. Am 14. Juli wird er in Moosbronn offiziell eingeführt.
Aus der Leitung der Seelsorgeeinheit Schwetzingen, wo dieses Bild entstand, wechselt Pfarrer Friedbert Böser nach Gaggenau. Am 14. Juli wird er in Moosbronn offiziell eingeführt. | Foto: Lackner

Geteilte Stelle

Pfarrer Böser will in Gaggenau auch in die Betriebe gehen

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Derzeit ist für Pfarrer Friedbert Böser noch Pendeln angesagt. Zwischen seinem Noch-Wohnsitz in Schwetzingen und seiner neuen Aufgabe in Gaggenau, wo er an den Dienstgesprächen bereits teilnimmt. Das Pfarrhaus in Moosbronn – sein neuer Wohnsitz – ist aktuell noch eine Baustelle, soll aber zum 1. August bezugsfertig sein, erklärt Pfarrer Böser bei einem Besuch der BNN-Redaktion Gaggenau.

Böser wechselt wie berichtet von der Seelsorgeeinheit Schwetzingen/Oftersheim, deren Leiter er sieben Jahre gewesen ist, in die Seelsorgeeinheit Gaggenau. Seine offizielle Einführung als Kooperator und Wallfahrtspfarrer ist am Sonntag, 14. Juli, um 11.15 Uhr im Rahmen einer Pfarr- und Wallfahrtsmesse in Moosbronn. In Schwetzingen ist er am 30. Juni verabschiedet worden.

Seelsorge für Arbeitnehmer

Die Aufgabenteilung steht bereits fest: 50 Prozent seiner Arbeitszeit steht der 61-Jährige als Kooperator der hiesigen Seelsorgeeinheit mit Schwerpunkt Wallfahrtsseelsorge zur Verfügung; die andere Hälfte gilt der Aufgabe als Diözesanpräses der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Die Arbeitnehmerseelsorge liegt Böser seit jeher besonders am Herzen; indes fehlte ihm als Leiter der großen Einheit in Schwetzingen mit etwa 14.000 Katholiken schlichtweg die Zeit hierfür, er suchte das Gespräch mit dem Bischof.

Böser wechselt nach Gaggenau

Das Ergebnis: Böser wechselt nach Gaggenau mit der zweigeteilten Stelle, der Wallfahrtsort Moosbronn erhält damit nach dem Weggang von Pfarrer Ulrich Förderer nach fast zwei Jahren Vakanz wieder einen Geistlichen. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, wenn man so will.

Damit werden in der Region Karlsruhe zwei Personen für die KAB tätig sein: neben Böser noch der Nachfolger des zuletzt in den Ruhestand gegangenen Bernhard Renz, der in Gaggenau noch gut durch die Organisation von KAB-Veranstaltungen bekannt ist.

Kirche in der Arbeitswelt

In der neuen Konstellation sollen auch in Mittelbaden Veranstaltungen in Regie der KAB wie beispielsweise Vorträge oder Besinnungstage wiederbelebt werden. Böser setzt aber auch darauf, die Kirche in der Arbeitswelt präsent zu machen; er kündigt an, in die Betriebe gehen zu wollen und hierfür über die Betriebsräte Kontakte zu knüpfen.

Wir können zuhören und vielleicht auch einen Rat geben.

Diözesanpräses der KAB war Böser bereits während seiner Dienstzeit als Pfarrer in Schutterwald. Sein Anliegen hat er einmal so formuliert: „Wir wollen den Menschen in den Unternehmen zeigen, dass wir uns für ihre Situation am Arbeitsplatz interessieren. Oft geht es um Mobbing, um Sorgen und die Angst vor Entlassung. Wir können zuhören und vielleicht auch einen Rat geben. Es braucht Zeit, um mit den Betrieben in Kontakt zu kommen und Vertrauen aufzubauen.“

In Gaggenau, das kann er nach den bisherigen Gesprächen schon sagen, spürt er „große Erwartungen“, weil eben die Stelle des Wallfahrtsgeistlichen zuletzt nicht mehr besetzt war. Die Dienstgespräche haben ihm nach seinen Angaben auch schon gezeigt, wie groß das kirchliche Engagement hier vor Ort ist.

Was will ich mit meinem Leben eigentlich anfangen?

Sein Werdegang zur Berufung als katholischer Priester verlief nicht gradlinig. Nach dem Studium an der Fachhochschule für Rechtspflege arbeitete Friedbert Böser von 1981 bis 1985 in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim, war dort zuständig für die Aktenpflege der Inhaftierten. „Eine spannende Zeit“, wie er in der Rückschau sagt – nicht nur, weil er zusätzlich zusammen mit einem Sozialarbeiter eine Freizeitgruppe für die Häftlinge, teils Schwerverbrecher, auf die Beine gestellt hatte („Die soziale Ader schlägt halt durch“). Spannend vor allem deshalb, weil er sich in dieser Phase selbst die Frage stellte: „Was will ich mit meinem Leben eigentlich anfangen?“

Pfarrer Böser lässt Beamtenlaufbahn hinter sich

Die Antwort war, dass der aus einem katholischen Elternhaus Kommende entschied, die bisherige und langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirche (Jugendbetreuer) zum Beruf zu machen. Er ließ konsequent die Beamtenlaufbahn hinter sich, studierte Theologie in Freiburg und Wien; im Mai 1992 wurde er in Heidelberg zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Stationen als Vikar arbeitete er als Pfarrer in Schutterwald; es folgten Schwetzingen und nun geht es nach Gaggenau.

Zölibat als Ressourcenverschwendung

Als Mann klarer Worte redet er auch beim Thema Zölibat nicht um den heißen Brei herum: „Die Kirche leistet sich hier eine unglaubliche Ressourcenverschwendung“, meint Böser; so viele gute Priester seien ausgeschieden, weil sie sich zwischen der Kirche und ihrer Partnerin hätten entscheiden müssen. Für ihn ist eindeutig, dass es abseits des Zölibats „auch andere Zugänge zum priesterlichen Dienst braucht“.

Im April 1985 wurde ich zum Beamten auf Lebenszeit ernannt, einen Monat später habe ich gekündigt. Der Personalleiter war entsetzt. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe.

Friedbert Böser im BNN-Gespräch über die Wende in seinem Leben, als er seine sichere Stelle in der Justiz aufgab und sich für das Studium der Theologie entschied