In die Jahre gekommen ist das Gernsbacher Rathaus. Anstatt einer teuren Sanierung denkt die Verwaltung nun laut über einen Neubau nach. | Foto: Dürr

Rathaus-Neubau im Gespräch

Zieht die Gernsbacher Stadtverwaltung auf das Pfleiderer-Areal?

Anzeige

Die Pläne zur Neugestaltung des Pfleiderer-Areal in Gernsbach reifen. Mit Blick auf die richtungsweisende Gemeinderatssitzung am kommenden Montag hat Bürgermeister Julian Christ die Presse über den aktuellen Planungsstand informiert und dabei neue Visualisierungen präsentiert. Der Gemeinderat befasst sich in seiner Sitzung am 17. Dezember um 17 Uhr in der Stadthalle mit dem Bebauungsplan „Im Wörthgarten“ (Pfleiderer-Areal), der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts und, einmal mehr, mit der Causa Brückenmühle. Christ betonte, dass unverändert zwei Unternehmen an der Realisierung eines Vollsortimenters auf dem Pfleiderer-Areal interessiert seien – und er brachte einen Umzug des Rathauses ins Gespräch.

Beschlüsse liegen vor

Nachdem der Gemeinderat in seiner Oktobersitzung mit der Mehrheit von SPD und Freien Bürgern den Weg für die Entwicklung des Pfleiderer-Areal freigemacht hat, liegt am Montag der Beschluss zur Billigung des Planentwurfs und zur Bürgerbeteiligung zur Abstimmung vor. Wie Christ am Dienstag informierte, sind die artenschutzrechtlichen Untersuchungen auf dem Grundstück abgeschlossen. Auf dem Pfleiderer-Areal seien demnach „in begrenztem Umfang Brutvögel, Reptilien, Fledermäuse und Totholzkäfer erfasst“ worden.

Artenschutz auf dem Gelände

Artenschutzrechtliche Maßnahmen, etwa das Anbringen von Nistkästen oder die Schaffung eines Ersatzhabitats für vereinzelte Zauneidechsen – würden empfohlen. Die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens sowie die Resultate der Überprüfung der Hochwassersituation stünden noch aus. Sie sollen im weiteren Verlauf des Verfahrens Berücksichtigung finden. Zunächst entscheidet der Rat über das Bebauungsplanverfahren einschließlich der Beteiligung der Bürger, die dabei ihre Anregungen und Einwendungen einbringen können.

Quecksilber „fast nicht messbar“

Darüber hinaus wurden weitere Untersuchungen und Bohrungen auf dem mit Chemikalien belasteten Gelände vorgenommen. Hierzu teilt die Stadt mit: „Dabei wurde deutlich, dass die Proben der Geländeoberfläche Prüfwerte für Quecksilber ergaben, die fast nicht messbar sind und damit unter den für Kinderspielflächen als unbedenklich klassifizierten Werten liegen.“ Das auf Altlasten spezialisierte Planungsbüro Kom-Pakt GmbH kommt nach Aussage der Stadtverwaltung zum Schluss, dass durch die vollständige Entfernung der Altlasten im Bereich der ehemaligen Cyan-Becken, wo die Belastung am stärksten ist, „die bisherige Grundwasserreinigung obsolet wird.“

Nutzung des Pfleiderer-Areals

Der Investor Krause-Gruppe strebe eine „Sanierung der Schadenszentren bis auf den Felsgrund“ an, betonte Christ – im Kostenrahmen von bis zu 4,5 Millionen Euro. Mit „Deckel drauf“, wie einige kritisieren, habe dies „nichts zu tun“, so Christ. Die Stadt wolle den „Schandfleck Pfleiderer-Areal“ nun einer sinnvollen Nutzung zuführen. In den kommenden Monaten soll der Gemeinderat darüber entscheiden, ob dazu auch eine Ansiedlung der Stadtverwaltung auf dem Pfleiderer-Areal zählt.

Zum Hintergrund: Das Gernsbacher Rathaus ist nach Aussage von Christ stark sanierungsbedürftig, auch die Raumkapazitäten seien „nicht mehr ausreichend“. Zuletzt galt die Brückenmühle als Option für den Verwaltungssitz, ein Kauf des Gebäudes durch die Stadt hatte sich allerdings unlängst zerschlagen.

Ich hoffe, dass der Gemeinderat diese Chance erkennt.

Nun rückt das Pfleiderer-Areal in den Fokus: Am Montag befindet der Gemeinderat darüber, ob der Standort auf die Möglichkeit eines Rathaus-Neubaus überprüft werden soll. Christ: „Ich hoffe, dass der Gemeinderat diese Chance erkennt und nutzt.“ Unterdessen hat sich am Interesse von Edeka und Rewe, auf dem Pfleiderer-Aral einen Vollsortimenter zu errichten, nach Christs Aussage nichts geändert. Dabei hatte die Rewe-Group gegenüber den BNN betont, dass der Standort für sie „nur bei einer vollständigen Dekontaminierung in Frage kommt.“

Einzelhandelskonzept im Blick

Abgeschlossen ist mittlerweile die öffentliche Auslegung des fortgeschriebenen Einzelhandelskonzepts. Laut der Stadtverwaltung liegen drei Stellungnahmen vor: Vom Gewerbeverein, von der Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach (BiGG) und von Stefan Freundel. Demnach habe sich der Gewerbeverein für das Konzept ausgesprochen, das eine Erweiterung von Aldi und Rewe in der Schwarzwaldstraße sowie die Ansiedlung eines Vollsortimenters auf dem Pfleiderer-Areal vorsieht. Auch hier hat der Gemeinderat das letzte Wort: Er entscheidet über die Fortschreibung des Einzelhandelskonzept.

Rückenwind von SPD

Ein positives Signal sendete die SPD-Fraktion bereits in einer Pressemitteilung aus. Darin heißt es, man sehe in einem neuen Einkaufsangebot auf dem Pfleiderer-Areal die „Chance, dem erwiesenen Kaufkraftabfluss entgegenzuwirken.“ Auch inhabergeführte Geschäfte könnten davon profitieren, wenn mehr Menschen zum Einkauf nach Gernsbach kommen.