Kein Hindernis stellen der Polizei zufolge Haus- und Wohnungstüren dar, die lediglich zugezogen und nicht abgeschlossen wurden. Einbrecher können sie leicht knacken. Zur zusätzlichen Sicherung von Türen gibt es verschiedene Systeme, etwa Panzerquerriegel. | Foto: Armer/dpa

Infomobil auf dem Marktplatz

Polizei informiert in Gaggenau über Einbruchschutz

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Unübersehbar steht das Informationsfahrzeug des Landeskriminalamts auf dem Marktplatz. Für Uwe Kuhn sind die Polizisten damit genau zur richtigen Zeit in Gaggenau. Kuhn plant gerade seinen Hausbau, jetzt geht es so langsam in die Detailplanung. „Bei mir in der Nachbarschaft ist schon zweimal eingebrochen worden“, berichtet er. Damit ihm in seinem Neubau nicht das Gleiche passiert, fragt er die Polizisten um Rat.

In dem Infomobil erklärt Kriminalhauptkommissar Thomas Wurster geduldig, auf was man achten sollte. „Gekippte oder offene Fenster sind meist nicht das Problem“, sagt er. Schlecht gesicherte Fenster im geschlossenen Zustand können den Bewohnern dagegen ein falsches Gefühl von Sicherheit geben. Auch Türen, die nur zugezogen und nicht abgeschlossen wurden, stellen für Einbrecher kein Hindernis dar. Sie sind leicht zu knacken. Und geschlossene Fenster können geübte Diebe einfach mit einem Schraubenzieher aufhebeln, so Wurster.

Fenster bieten viel Angriffsfläche

Damit dass nicht möglich ist, empfiehlt der Fachberater für Einbruchschutz Ewald Wanyer beispielsweise aufgesetzte Sicherungen. Die lassen sich auch bei bereits montierten Fenstern nachrüsten, betont der Experte vom Polizeipräsidium Offenburg. „Dabei ist es wichtig, auf die Zertifizierung zu achten“, ergänzt Wurster. Zudem sollten Fachfirmen die jeweiligen Bauteile montieren. Es sei schon vorgekommen, dass Einbrecher ins Haus drangen, weil die Sicherung falsch montiert war, erzählt Wanyer.

Ein derartig gesichertes Fenster kann Kriminalhauptkommissar Thomas Wurster mit seinem Schraubenzieher nicht aufhebeln. | Foto: Müller

Staatliche Förderung

Die Nachrüstung wird zum Teil sogar staatlich gefördert. Wichtig sei dabei, den Zuschuss im Vorfeld bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu beantragen, betont Wurster. „Mit der zusätzlichen Sicherung ist es zwar nicht ganz unmöglich, einzubrechen, aber es dauert um einiges länger. So viel Zeit hat ein Einbrecher nicht“, sagt der Fachberater.

Zahl misslungener Einbrüche steigt

Das zeigt sich in den Statistiken. Wurster zufolge steigen die Zahlen der misslungenen Einbrüche, die Verbrecher ziehen öfter unverrichteter Dinge wieder ab. Insgesamt gehen die Einbruchszahlen schon seit Jahren zurück. Woran das liegt, kann Wurster nicht definitiv sagen. Vielleicht werden die Menschen sensibler und sichern ihre Häuser besser. Bei einem weiteren Passanten ist dies der Fall. „Ich habe bereits eine Pilzkopfverriegelung bei meinen Fenstern, was kann ich noch tun, um mich besser abzusichern?“, fragt er. Wanyer stellt die abschließbaren Fenstergriffe vor. „Ich überlege mir, ob ich meine Fenster aufrüsten soll“, meint Michael Markert. Er ist zufällig auf das Infomobil gestoßen und zufrieden mit der Beratung.

Das Info-Fahrzeug des Landeskriminalamts. | Foto: Müller

Info-Fahrzeug kommt regelmäßig

Vor Gaggenau waren die Polizeibeamten mit dem Infofahrzeug in diesem Jahr schon in Lahr und in Bühl. „Wir kommen in regelmäßigen Abständen, um die Leute aufzuklären“, berichtet Wanyer. In ihrem Lastkraftwagen können sie die Schwachstellen eines Hauses allerdings nur bedingt per Ferndiagnose herausfinden. So können neben Fenstern etwa auch Haustüren oder Kellertüren für Einbrecher leicht zu öffnen sein. Aus diesem Grund bietet das Landeskriminalamt kostenfreie Beratungen bei den Menschen zu Hause an. Uwe Kuhn will eine solche Beratung bei seinem geplanten Neubau auf jeden Fall in Anspruch nehmen. „Sicherheit ist wichtig und die Polizei hat Ahnung davon“, betont er.

Kommentar
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Gut gerüstet

Es ist gut und wichtig, dass die Polizei zum Thema Einbruchschutz informiert. Zu viele Türen und Fenster sind schlecht gesichert und laden Verbrecher geradezu dazu ein, ins Haus einzudringen. Panik und Misstrauen zu streuen, nützt hier zwar wenig. Aber detailliert über Sicherungseinrichtungen aufzuklären, erscheint vernünftig. Genau das hat das Landeskriminalamt am Dienstag auf dem Gaggenauer Marktplatz gemacht. Bürger, die sich in den wuchtigen Lkw der Polizei getraut haben, erhielten zahlreiche Tipps zur Vorsorge. Wenn sie die umsetzen, haben sie viel gewonnen. Allein die Sichtbarkeit mancher Sicherungssysteme schreckt Einbrecher ab.
Denn wenn es einmal zu einem derartigen Verbrechen kommt, sind die seelischen Schäden nur schwer wiedergutzumachen. Der materielle Schaden ist bei einem Einbruch nicht das Schlimmste, bestätigt Kriminalhauptkommissar Thomas Wurster. Wenn ein Fremder in den eigenen vier Wänden wütet, ist das Sicherheitsgefühl erst mal weg. Um das zu verhindern, ist die Beratung der Polizei ein sinnvolles Angebot.  Jule Müller