Feierstunde im Gemeindehaus St. Laurentius: Karl Heck (am Rednerpult) sparte in seiner Rede vor den zahlreichen Polizeikollegen kritische Töne an den Polizeireformen nicht aus. | Foto: Mandic

Karl Heck geht in Ruhestand

Polizeirevier Gaggenau: Stellvertreter verabschiedet

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Der Leiter der Führungsgruppe beim Polizeirevier Gaggenau, Karl Heck (62), gleichzeitig stellvertretender Revierleiter, ist in einer Feierstunde im katholischen Gemeindehaus St. Laurentius Bad Rotenfels im Beisein zahlreicher Polizeikollegen in den Ruhestand verabschiedet worden. Die ursprünglich vorgesehene gleichzeitige Einführung des Nachfolgers in sein Amt fand am Donnerstag aber nicht statt; hier gebe es aufgrund formeller Anforderungen eine Verzögerung, sagte Karl-Heinz Ploß, Leiter der Direktion Polizeireviere im Polizeipräsidium Offenburg. Voraussichtlich Mitte April soll die Nachfolgeregelung bekanntgegeben werden.

Fast 44 Jahre bei der Polizei tätig

Ploß ging auf den Werdegang von Karl Heck ein, der nach seiner Bundeswehrzeit fast 44 Jahre in Diensten der Polizei gestanden ist. „Nun geht ein Gaggenauer Urgestein in den wohlverdienten Ruhestand“, so Ploß, der Heck eine „durchaus kritische Art einer ehrlichen Beratung im Führungskreis“ attestierte.
Diese Eigenschaft stellte der viel gelobte stellvertretende Revierleiter auch in seiner persönlichen Abschiedsrede unter Beweis. Heck, der nach eigenen Angaben fünf Polizeireformen erleben durfte: „Das Ergebnis der Reformen halte ich allerdings für ernüchternd, die Personalsituation ist total angespannt und eine Besserung auf absehbare Zeit kann ich leider nicht erkennen.“

Ich hoffe ebenfalls, dass die Reformwut endlich ein Ende oder zumindest eine große Pause nimmt und die Polizei sich dafür um ihre eigentlichen Aufgaben mit mehr Personal kümmern kann.

Karl Heck

Immer neue Aufgaben

Zusätzlich sei Fakt, dass immer neue Aufgaben auf die Polizei zukommen und die bestehenden Aufgaben zugleich komplizierter und formal anspruchsvoller würden. Die Polizei sei aber immer in der Lage gewesen, einen Ausgleich durch Improvisation, Motivation und Engagement zu schaffen und durch inneren Zusammenhalt und Kollegialität Defizite auszugleichen. Bei aller Kritik gebe es aber auch positive Entwicklungen; Heck stellte hier die jetzigen Streifenwagen („Sie sind gut motorisiert, haben ein ausreichendes Platzangebot und eine aktuelle Sicherheitsausrüstung“), den Polizeifunk und die persönliche Ausrüstung ebenso heraus wie die räumliche Situation im Revier Gaggenau.

Lob und Kritik in Abschiedsrede

Dorthin kam Heck übrigens im Jahr 2005; zuvor war er an mehreren andere Stationen, wobei er die meisten Dienstjahre (20) in Baden-Baden verbrachte – eine Zeit, auf die er auch sehr gerne zurückschaue.
Nach Worten des Dankes an viele Wegbegleiter wollte sich Karl Heck abschließend diesen „Wunsch“ nicht verkneifen: „Ich hoffe ebenfalls, dass die Reformwut endlich ein Ende oder zumindest eine große Pause nimmt und die Polizei sich dafür um ihre eigentlichen Aufgaben mit mehr Personal kümmern kann.“

Würdigung von Jörn Hinrichsen

Zuvor hatte Revierleiter Jörn Hinrichsen in seiner Rede Karl Heck als „engagierten, äußert erfahrenen und allseits geschätzten Kollegen und Stellvertreter“ gewürdigt. Nach drei Jahren „Büroehe“ werde er, so Hinrichsen mit Blick auf Heck, „deine ehrliche Art, deinen Wortwitz, deinen Fleiß und dein Engagement vermissen“. Der Revierleiter sprach von einem „äußerst kollegialen und loyalen Mitarbeiter und Vertrauten, der als Vorbild das Wesen des gesamten Reviers mitgestaltet und entwickelt hat“.