Landarzt will kaum mehr jemand werden, in einigen Gebieten kommt es zur Unterversorgung.
Landarzt will kaum mehr jemand werden, in einigen Gebieten kommt es zur Unterversorgung. | Foto: dpa

Tochter übernimmt von Vater

Praxis von Landarzt in Forbach wird weitergeführt

Anzeige

Hermann Zink hat ein Rezept. Ein Rezept, wie der ärztlichen Unterversorgung auf dem Land beizukommen ist. Der erfahrene Forbacher Allgemeinmediziner (69) und Landarzt ist sich sicher: „Der Hausarztberuf ist aus ärztlicher Sicht das Schönste, was es gibt.“ Genau das werde den angehenden Medizinern an den Universitäten aber nicht vermittelt. Gäbe es hier mehr Praktika oder zumindest mehr Kontakte oder auch Hilfestellungen zu Beginn der Tätigkeit, so Zink, dann würden deutlich mehr junge Ärzte den Sprung in die Selbstständigkeit auf dem Land wagen.

Doch das ist der Konjunktiv, die Realität sieht anders aus. Viele ländliche Regionen sind medizinisch gesehen ausgedünnt, auch das Murgtal gilt als ärztlich unterversorgt. So greift auch hier ein Zuschuss des Landes Baden-Württemberg von bis zu 30.000 Euro, wenn sich Mediziner niederlassen. Eine Teilprämie hat auch Tochter Eva Zink (38) erhalten, die im Juli die Praxis ihres Vaters übernommen und in die Neugestaltung der Räume sowie in Anschaffungen viel Geld investiert hat.

Drei Arztpraxen in Forbach

Forbach hat zwar noch drei Arztpraxen. Mit Blick auf den Altersdurchschnitt der Ärzte in den Praxen gilt die Gemeinde aber als potenziell unterversorgt, weil es heutzutage alles andere als selbstverständlich ist, dass Hausärzte auf dem Land einen Nachfolger für ihre Praxis finden. „Früher war die Übergabe ein Teil der Altersversorgung, aber das ist sie schon lange nicht mehr“, sagt Hermann Zink.

Tochter profitiert von Erfahrungen

Er arbeitet, wenn auch reduziert, weiterhin in der Praxis mit. Formell ist er Angestellter seiner Tochter. „Ich möchte noch mitmachen, mir aber auch Freiräume schaffen für das, was bisher nicht möglich war,“ sagt er. Und die Tochter ist froh, von seiner reichen Erfahrung profitieren zu können.

Ich habe junge Mütter hier, die hab’ ich schon als Babys betreut.

„Wir haben das ganze Spektrum an Patienten, wir lernen die familiären Strukturen kennen. Ich habe junge Mütter hier, die hab’ ich schon als Babys betreut“, schwärmt der Papa von (s)einem „sehr zufrieden machenden Beruf“. Die Dankbarkeit der Menschen entschädige für vieles, betont er und erzählt von zahlreichen Briefen und Karten.

Tochter und Vater gemeinsam am Arbeitsplatz: Eva Zink hat in Forbach die Praxis ihres Vaters Hermann übernommen.
Tochter und Vater gemeinsam am Arbeitsplatz: Eva Zink hat in Forbach die Praxis ihres Vaters Hermann übernommen. | Foto: Bauer

Finanzielles Risiko als Landarzt

Tochter Eva hat Erfahrungen als Weiterbildungsassistentin gesammelt: In einer Praxis bei Bamberg ebenso wie im vergangenen Jahr in der väterlichen Praxis. „Dann wusste ich, dass mir das Spaß macht.“ Sie weiß aber aus zahlreichen Gesprächen, dass viele ihrer jungen Medizinerkollegen „Angst vor dem Einzelkämpfertum“ haben, Angst auch vor dem finanziellen Risiko, das man eingeht, wenn man eine Praxis gründet. Hinzu kommt laut Eva Zink der generelle Trend hin zum Leben in der Stadt, der letztlich zur Unterversorgung auf dem Land führt.

Schlechte Werbung

Dass Ärzte von den Krankenkassen in Regress genommen werden dürfen, sei sicherlich keine Werbung für den Hausarztberuf, kritisiert Hermann Zink. Wer über dem Durchschnitt verschreibt, etwa bei der Krankengymnastik, kann nach einem „Beratungsgespräch“ zur Kasse gebeten werden. Zink weiß, wovon er spricht. Da können mit der Zeit auch mal mehrere tausend Euro als Rückforderung zusammenkommen. „Da hat die Therapiefreiheit des Arztes einen schalen Beigeschmack“, mag er sich mit dieser Regelung im Gesundheitswesen überhaupt nicht anfreunden.

Es macht total Spaß, ich komme jeden Tag gerne.

Die Erfahrung der großen zeitlichen Belastung einer Hausärztin hat Eva Zink schon in kurzer Zeit gemacht: Die regelmäßigen Sprechstunden machen nicht einmal die Hälfte ihrer Arbeitszeit aus. Hinzu kommen Hausbesuche, Reha- und Versicherungsanträge sowie eigene Dokumentationspflichten. Und doch sei ihre Entscheidung richtig gewesen, betont sie: „Es macht total Spaß, ich komme jeden Tag gerne.“