Die markanten Helden Siegfried, Kriemhild & Co aus der Nibelungensage als Tischfiguren stammen aus der Werkstatt den Bühnenbildners Matthias Hänsel.
Die markanten Helden Siegfried, Kriemhild & Co aus der Nibelungensage als Tischfiguren stammen aus der Werkstatt den Bühnenbildners Matthias Hänsel. | Foto: Dürr

Begleitende Ausstellung

Puppentheaterwoche in Gernsbach: Stelldichein der klassischen Figuren

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Seine Puppen waren schon hier. Für Matthias Hänsel ist es der erste Besuch in der Papiermacherstadt. Der studierte Bühnenbildner feilt noch am Aufbau seiner Ensembles für die begleitende Ausstellung „Märchenträume aus Puppen und Bühnenbildern gemacht“, die in der Stadthalle anlässlich der 31. Gernsbacher Puppentheaterwoche gezeigt wird.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Dürr

„Selbst spielen wollte ich nie, zu stressig“, erklärt der in Templin in der Uckermark geborenen Puppenbauer. Die Liebe zu den fantasievollen Wesen hat sein Onkel in ihm geweckt. Thomas Hänsel ist seit 28 Jahren der Leiter des Marotte Figurentheaters in Karlsruhe und Gründer des zweitägigen Hohnsteiner Puppenspielfests, mit dem er quasi groß geworden ist, erzählt Hänsel im BNN-Gespräch.

Familienarbeit

Sein Sohn Paul hat das Plakat für das diesjährige Hohensteiner Puppenspiel entworfen, fügt der stolze Papa hinzu. „Als es ans Studieren ging war ich auf der Suche nach etwas, bei dem ich meine Interessen an der Bildnerischer Darstellung mit der Theaterwelt verbinden konnte.“ Heute lebt und arbeitet er als freischaffender Bühnenbildner in Dresden.

Helden und Gespenster

In der Ausstellung in Gernsbach geben sich viele bekannte, klassische Figuren beliebter Stücke ein Stelldichein. So etwa die quirlige Wicki samt ihrer Mannschaft, die gebeutelten Helden aus der Nibelungensage oder die gruseligen Gespenster aus der Weihnachtgeschichte von Charles Dickes.

Das sind nicht meine Besten.

Zwölf Inszenierungen mit über 70 Puppen hat der Szenograf mitgebracht „Das sind nicht meinen Besten“, bemerkte Hänsel, „sondern die, die gerade verfügbar waren“. Darunter auch eine überdimensionale Klappmaulpuppe mit hohem Wiedererkennungswert. „Er“ hat gerade eine kleine Spielpause vom aktuellen Spielplan im Marotte Figurentheater Programm: „Er ist wieder da“. Etwa einen Woche klebte, schraubte formte, schnitt und nähte er für diese Auftragsarbeit, am Mann mit dem markanten Oberlippenbart. Der Kopf der Figur wurde aus einem Block Schaumgummi herausgearbeitet, der zudem ausgehöhlt wird, damit der Puppenspieler das Haupt mit dem beweglichen Maul führen kann.

Das Stück „Er" (ist wieder da) stammt aus der jüngsten Produktion des Bühnenbildners Matthias Hänsel.
Das Stück „Er“ (ist wieder da) stammt aus der jüngsten Produktion des Bühnenbildners Matthias Hänsel. | Foto: Dürr

Figuren entstehen schrittweise

Dann wird das empfindliche Material mit Stoff bezogen und vernäht. Die kleinen Hand-, Stabpuppen oder Tischfiguren modelliert der 48-Jährige vorzugsweise aus einem knetbaren Holzgemisch, nach dem Vorbild des zuvor gefertigten Tonmodells.

Am liebsten bin ich von Anfang an mit dabei.

„Ob ich die Figuren eines Stücks eher naturalistisch oder abstrakt gestalte, entscheidet sich während der Konzeption des Stücks in der Zusammenarbeit mit Regisseur und Spieler. „Am liebsten bin ich von Anfang an mit dabei, dann wird entschieden welche Figuren für das Stück wichtig sind und wie sie herausgearbeitet werden sollen“. Tatsächlich hat der Ausstatter auch sein Lieblingsstück mit dabei.

Figuren kehren zurück

Das sind die gespenstisch bleich wirkenden Flach-und Tischfiguren aus „Schlafes Bruder“, seiner ersten große Abendproduktion. Unverhofft landete das verunglückte Ensemble mit schweren Brandwunden vor zwei Jahren wieder in seiner Werkstatt und wurde restauriert.

Unfall nach der Puppentheaterwoche

Bei einem Unfall auf dem Rückweg von der Gernsbacher Puppentheaterwoche fing das Fahrzeug der Puppenspieler vom Theatrium Figurentheater aus Dresden Feuer, doch dank der Spendenaktion aus Gernsbach konnte einiges wiederhergestellt werden. In dem heutigen Abendstück „Die Vermessung der Welt“ können die Zuschauer erleben wie seine gigantischen Klappmaulpuppen Alexander Humboldt und Carl Friedrich Gauß in dem Stück „Die Vermessung der Welt“ zum Leben erweckt werden.

Die Ausstellung ist jeweils von 14 bis 16 Uhr sowie eine Stunde vor Beginn einer Vorstellung bei freiem Eintritt geöffnet.