Dieses Tier fotografierte Lorenzo Chimenti aus Stuttgart am 23. April am Wildsee auf dem Kaltenbronn. Nun steht ziemlich sicher fest, um welche Art es sich handelt. | Foto: Chimenti

BNN waren mit Experte vor Ort

Rätsel gelöst: Dieses Tier zeigen die ungewöhnlichen Fotos vom Kaltenbronn

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Die Aufregung war groß: Vor zwei Wochen fotografierte ein Wanderer aus Stuttgart ein rätselhaftes Tier am Kaltenbronn. Es hat ein goldbraunes Fell und schleicht auf den Bildern durch die Vegetation am Wildsee-Ufer. Viele BNN-Leser meldeten sich und gaben ihre Tipps ab. Sie reichten vom Marderhund über den Nasenbär bis zum Puma. Nun war Redakteur Dominic Körner mit einem Wildtierexperten vor Ort. Das Ergebnis ihres Ausflugs überrascht.

Mit Kamera, Funkgeräten und Fernglas stehen wir am Wildsee. Unseren Hauptdarsteller trägt Martin Hauser, Wildtierbeauftragter des Landkreises Rastatt, unter dem Arm: eine Wolfsattrappe aus Pappe.

Sie ist 80 Zentimeter hoch – und damit genauso groß, wie Fotograf Lorenzo Chimenti das mysteriöse Tier beschrieben hatte.

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Das rätselhafte Tier vom Kaltenbronn. | Foto: Chimenti

Der Familienvater aus Stuttgart hatte „Ähnlichkeiten mit einem Puma“ gesehen. „Es lässt mir keine Ruhe“, sagte Chimenti, „ich will unbedingt wissen, was das für ein Tier war.“

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Die Größe des unbekannten Tiers gibt Rätsel auf

Weil die Größenverhältnisse auf den Bildern unklar bleiben, rätselte auch eine Expertenrunde über die Sichtung. War das Tier tatsächlich so groß wie ein Wolf? Diese Frage wollen wir beantworten. Dazu suchen wir zunächst die Stelle am gegenüberliegenden Seeufer, an der das Tier gesehen wurde.

Immer wieder vergleichen wir Chimentis Aufnahmen mit dem Blick durch das Fernglas. Die Ausflügler, die am Wildsee rasten, schauen gespannt zu. „Was machen Sie denn da?“, wollen einige wissen.

Wildtierbeauftragter Martin Hauser mit der Wolfsfigur aus Pappe | Foto: Körner

Geduldig beantworten wir ihre Fragen. Dann sind wir uns einig: 100 Meter über den See, zwischen drei kahlen Bäumen und einem kleinen Busch – dort ist es.

Wolfsfigur soll Rätsel lösen

Jetzt kommt der Pappwolf ins Spiel. „Ich bin gespannt“, sagt Hauser und läuft mit der Figur um den See. Ich bleibe, wo ich bin. Auf der anderen Seite platziert er den Pappkameraden in der Ufer-Vegetation. Schon mit bloßem Auge wird mir klar, dass Chimenti alles fotografiert hat – aber mit Sicherheit keinen Puma.

„Steht er richtig?“, fragt Hauser durch das Funkgerät. „Etwas weiter nach hinten, einen Meter, und dann ein Stück nach rechts“, funke ich zurück. Hauser hebt den Arm. „Passt“, sage ich, die Kamera schon vor dem Gesicht.

Blick über den Wildsee: Am anderen Ufer steht die Wolfsattrappe. | Foto: Körner

Der Experte ist neugierig: „Und?“ Ich fotografiere den Pappwolf von dort, wo auch Chimenti stand. „Kein Puma“, antworte ich. „Kommen Sie rüber“, rauscht es aus meiner Brusttasche.

Der Wildtierexperte ist überrascht

Als ich das Hochmoor umrunde, hole ich mir nasse Füße. Auch egal. Bei unserer Begegnung auf der anderen Seite sind wir beide überrascht. „Die Bäume sind nur so klein?“, entfährt es mir. Auch Hauser ist perplex, als er meine Bilder sieht: „Das gibt es ja gar nicht!“

Wahnsinn, wie die Perspektive täuscht.

Martin Hauser, Wildtierbeauftragter

Während das rätselhafte Tier zur Hälfte vom Ufergras bedeckt ist, ragt unser Fake-Wolf an derselben Stelle deutlich darüber hinaus. Die kahlen Bäume nebenan wirken auf Chimentis Bildern mächtig – in Wirklichkeit sind sie mickrig. „Wahnsinn, wie die Perspektive täuscht“, meint Hauser staunend.

Im Vergleich: Die Wolfsfigur ist deutlich größer als das Tier auf dem oberen Bild. | Foto: Chimenti/Körner

Marder bedrohen das Auerhuhn

Einen Fuchs, an den er ursprünglich gedacht hatte, kann der Wildtierexperte jetzt ausschließen. Auch der ist zu groß. Aber: Um welches Tier handelt es sich denn nun? „Es spricht sehr viel für einen Baummarder“, sagt Hauser, „mir ist bekannt, dass er hier oben vorkommt“.

Begeistert ist er davon nicht. Zwar sind die geschickten Raubtiere nicht größer als eine Katze. Sie haben es aber auf die Brut des bedrohten Auerhuhns abgesehen. „Mir ist schon ein Marder mit Ei im Maul begegnet“, berichtet Hauser.

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Wolf und Luchs streifen durch das Murgtal

Der 60-Jährige wertet regelmäßig Spuren von Wolf „GW852m“ und Luchs „Toni“ aus, die durch das Murgtal streifen. Beide Tiere sind bereits in Fotofallen getappt. Jetzt ist klar: Ein Puma kommt vorerst nicht dazu.