SCHRÄG, INTELLIGENT UND WITZIG: Uta Rotermund nimmt kein Blatt vor den Mund und hofft, dass das Publikum davon profitiert. | Foto: pr

Uta Rotermund in Rastatt

„Realität überschreitet täglich die Grenzen der Schonung“

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Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und möchte mit über 50 Jahren noch nicht in den Kreis der Senioren eingeordnet werden. Mit ihrem aktuellen Programm „50 Plus! Seniorenteller?“ gastiert Uta Rotermund am Freitag, 28. September im Theatersaal der Reithalle in Rastatt. Los geht es mit dem Programm, das sich der Frage nach dem Sinn des Lebens und der späten Einsicht widmet. BNN-Mitarbeiterin Meike Paul erkundigte sich bei der Kabarettistin nach Erwartungshaltungen, Lebensweisheiten und einer altersgemäßen Bestellung im Restaurant.

Frau Rotermund, lassen Sie sich den Seniorenteller gerne schmecken oder bestehen Sie auf à la carte?

Rotermund: (lacht) Der Titel meines Programms lautet ja „50plus! Seniorenteller?“ Der „Seniorenteller“ ist mit einem Fragezeichen versehen, was die Einordnung der 50plus Generation zu Senioren in Frage stellt. Sie können also sicher sein, dass ich besagten „Teller“ nicht leere. Wenn ich ein Restaurant besuche, esse ich, was mir schmeckt, ob à la carte oder das aktuelle Tagesmenü – das spielt dabei keine Rolle.

Sie sagen, im Alter kommt die Gelassenheit. Von welchem Alter sprechen wir hier?

Rotermund: Wie gesagt, ich bin über 50 Jahre alt und ich warte immer noch …

Was würde denn Gelassenheit für Sie bedeuten?

Rotermund: Es gibt Menschen, die sind mit 20 Jahren hektisch und mit 60 Jahren sind sie es immer noch. Das ist ein Baustein ihrer Persönlichkeit. Da ändert sich auch nichts. Ich kann sehr unruhig und nervös werden, aber in den meisten Situationen, in denen andere am Rad drehen, bleibe ich ruhig.

Es ist also eine Art Einstellung?

Rotermund: Ich würde sagen, es ist eine Haltung, die ich mir erarbeitet habe. Denn die überwiegende Zahl der Situationen lässt sich klären und es bringt gar nichts, noch zusätzliche Hektik zu verbreiten. Gelassenheit bedeutet also für mich auch einen kühlen Kopf zu behalten und dementsprechend zu handeln.

Das bedeutet also, sich eine eigene Komfortzone zu schaffen?

Rotermund: Na ja, ich schreibe, ich fahre durch Deutschland zu meinen Gastspielen, ich spiele … Ich arbeite vollberuflich, ich nehme am gesellschaftlichen Leben teil, ich reise, ich lese. Ist das für Sie Komfortzone?

Verstehe. Es ist das volle Leben! Wie laden Sie denn ihre Batterien auf? Gibt es im Berufsalltag einen Ort oder eine Situation, auf der Bühne, am Schreibtisch, an dem sie sich rundum wohlfühlen?

Rotermund: Ein Beruf – gleich welcher – hat immer unterschiedliche Aspekte. Ein Architekt, ein Ingenieur, die sitzen am Zeichentisch, arbeiten ihre Modelle aus. Manchmal sie sind auf dem Bau, direkt vor Ort. Mein Beruf beinhaltet ebenfalls verschiedene Arbeitsaspekte. Das Schreiben ist ein Aspekt, die Darstellung auf der Bühne, ist ein anderer. Sie gehören zusammen. Der eine Aspekt ist Baustein für den anderen. Ich unterscheide nicht in angenehm und unangenehm.

Nicht?

Rotermund: Wenn ich nicht auf die Bühne gewollt hätte, wäre ich Journalistin geblieben und hätte nur als Autorin gearbeitet. Ich war Journalistin bei der ARD. Ich habe im Hörfunk gearbeitet. Fernsehen hat mich nicht interessiert.

Was hat ihnen da besonders gut gefallen?

Rotermund: Hörfunk arbeitet inhaltlich, Fernsehen ist meist redundant. Am deutlichsten wird das bei einem Fußballspiel. Wenn Sie die Übertragung eines Matches hören, erfahren Sie etwas über das Spiel, wenn Sie ein Match sehen, erfahren Sie auch noch etwas über die Frisur der Schwiegermutter eines Spielers. Ich habe meinen Fernseher schon vor Jahrzehnten abgeschafft. Das Programm war mir zu blöde.

Was würden Sie ihren jungen Gästen raten?

Rotermund: Das Programm heißt „50plus! Seniorenteller?“! Was sollte eine 25-Jährige in meiner Show ? Sie hat ganz andere Fragen und Erfahrungen und auch einen ganz anderen Wissensstand. Meine Gäste sind besser ab 40 Jahren aufwärts, also nicht mehr jung.

Junge Zuschauer sind also fehl am Platz?

Rotermund: Und ich rate niemandem etwas. Ich gebe keine Kochrezepte für ein gelungenes Leben. Meine Gäste können sich aus dem Programm mitnehmen, was sie für sich verwenden können. Sie können mit dem, was Sie sagen, nur dann ein offenes Ohr, eine Resonanz finden, wenn die Fragestellung oder Erfahrung bei dem Gegenüber vorliegt. Es ist also wie in jedem anderen Gespräch.

Hätten Sie früher denn selbst Ratschläge angenommen?

Rotermund: Immer nur dann, wenn sie mir sinnvoll erschienen. Ich unterscheide mich da nicht von anderen Menschen.

Die Domina des deutschen Kabaretts wird auch in Rastatt schonungslos sein? Wahrheit kann ja wehtun …

Rotermund: Der Titel „Domina des deutschen Kabaretts“ wurde mir von einem übergewichtigen, älteren, plattfüßigen, evangelischen Theologen verliehen. Anders ausgedrückt: Der Mann hat sich vor mir erschrocken, weil so etwas wie ich in seiner Erfahrungswelt nicht vorkam.

Von dieser Meinung halten Sie also nichts?

Rotermund: Es ist nicht ungewöhnlich, dass Männer sich vor Frauen erschrecken, die intelligent sind und wissen, was sie wollen. Ich werde also in Rastatt mit Sicherheit nicht in schwarzem Lack mit Reitpeitsche auf der Bühne stehen. Das wäre dann vielleicht ein Männertraum, aber dann müssten die Eintrittspreise auf 135 Euro pro Nase steigen. Eine Domina-Behandlung kostet.

Verstehe!

Rotermund: Und „schonungslos“? Die Realität überschreitet täglich die Grenzen der Schonung und der Zumutbarkeit. Ich benenne, mehr nicht. Ist das „schonungslos“?

Das darf der Zuschauer dann wohl für sich selbst entscheiden. Glauben Sie, man ist nach ihrem Programm denn etwas schlauer?

Rotermund: Die Gäste in Rastatt dürfen sich auf zwei Stunden gute Unterhaltung freuen. Und ob jemand schlauer aus der Show geht, als er reingegangen ist, das hängt von dem IQ ab, den er mitgebracht hat. Beton und Holz sind nicht lernfähig. Und wenn so ein Kopf damit ausgefüllt ist, dann passt eben nichts anderes rein.