Eine lange Leitung darf man beim Rollstuhl-Rugby nicht haben. Spielsituationen ändern sich schnell. Hier sucht BNN-Redakteur Dominic Körner (Mitte) einen Mitspieler. | Foto: Collet

Sport-Aktionstag in Gaggenau

Redakteur im Selbstversuch: Rollstuhl-Rugby

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Der Redakteur als Rollstuhl-Rugbyspieler: Beim Aktionstag „Sport ohne Grenzen“ in Gaggenau komme ich, ein mittelprächtig trainierter Hobbysportler, schnell ins Schwitzen. 30 Grad, die Frühsommersonne knallt unerbittlich auf den Marktplatz. Passanten werfen neugierige Blicke auf das Sportfeld vor dem Rathaus. Im Rollstuhl trete ich mit drei jungen Mitstreitern gegen die Regionalligaspieler der Heidelberg Lions an.

Nichts für Weicheier

Und die kämpfen tatsächlich wie die Löwen: Immer wieder werde ich kräftig von der Seite gerammt, lange Arme greifen nach dem Ball auf meinem Schoß. Mein Weg zum Punkten in die gegnerische Endzone wird unsanft blockiert. Das Spiel mit Ball, es ist anspruchsvoll genug, wird im Rollstuhl umso schwerer, weil man seine beiden Räder perfekt im Griff haben muss.

Im Griff habe ich plötzlich meinen Gegner. Da Anfassen aber tabu ist, muss ich eine Minute aussetzen. Zeitstrafe. Keuchend rolle ich vom Feld, als Initiator Heiko Striehl mir lachend zuruft: „Ein Sport für echte Männer!“. Recht hat er. Besonders schwer haben es die Querschnittsgelähmten, die nicht schwitzen können, wie ich erfahre. Sie müssen sich in Pausen mit Wasser aus Sprühflaschen abkühlen.

Wildes Löwenrudel: Die Spieler der Heidelberg Lions umzingeln BNN-Redakteur Dominic Körner (Mitte). Gleich ist der Ball weg.

Finaler Höhepunkt beim Rollstuhl-Rugby

Nach einer Minute, die ich zur Erholung nutze, darf ich wieder aufs Feld. Und schließlich, mein Glaube an ein Erfolgserlebnis war schon geschwunden, tanke ich mich bis in die Endzone der Lions durch. Der Pass kommt – gefangen – Punkt. Mit dem Glanzlicht meiner kurzen Laufbahn als Rollstuhl-Rugbyspieler trete ich ab. Nicht ohne Respekt vor denen, die diesen Sport beherrschen – mit Behinderung.

Diesen Pass kann der Redakteur trotz reichlich Körpereinsatz nicht mehr abblocken. | Foto: Collet

„Sport ohne Grenzen“
Die Stadt Gaggenau und die Lebenshilfe Rastatt/Murgtal hatten zum gemeinsamen Aktionstag unter dem Motto „Sport ohne Grenzen“ eingeladen. Auf einem Rollstuhl-Parcour oder beim Blind-Schießen bot Passanten die Gelegenheit, sich in die Situation von Menschen mit Behinderungen hinein zu versetzen. Ziel war es, Berührungsängste abzubauen und den Sinn für Barrierefreiheit zu erkennen.