Da ist Kraft gefragt: Bei der Diziplin "Standing Block Chop" schlägt Robert Ebner aus Hörden mit einer Axt auf einen Holzstamm ein. | Foto: Kraufmann

„Treppchen ist Minimalziel“

Interview: Hördener Robert Ebner bei Timbersports-WM

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Am heutigen Freitag wird es ernst für Robert Ebner: Der Sportholzfäller aus Hörden tritt bei der Weltmeisterschaft in Liverpool an. Seine Konkurrenz hat es in sich: Der 33-Jährige misst sich vor mehreren Tausend Zuschauern in der Echo-Arena mit starken Vollprofis aus Übersee. Dennoch gibt sich Ebner, amtierender deutscher Meister und Vize-Weltmeister von 2010, selbstbewusst. Sein Ziel: Ein Platz auf dem Treppchen – mindestens. Im Vorfeld der WM sprach BNN-Redakteur Dominic Körner mit dem Murgtäler Forstwirtsmeister über seine sportlichen Erwartungen, mentales Training – und die Auswirkungen einer Vorbereitung auf die eigene Beziehung.

Herr Ebner, am Freitag und Samstag ist es soweit: Bei der Timbersports-WM in Liverpool fordern Sie die Besten der Welt heraus. Mit Chancen auf den Titel?

Ebner: Mit einem Quäntchen Glück und einer guten Tagesform – ja. Ich bin super drauf und habe viel trainiert. Allerdings wird es schwierig, sich gegen die Topfavoriten durchzusetzen…

…die da wären?

Ebner: Ich habe Jason Wynyard aus Neuseeland auf der Rechnung, der schon neunmal Weltmeister war. Auch der Australier Laurence O’Tool hat eine gute Form.

Im Gegensatz zu Ihnen sind viele Stars der Sportholzfäller-Szene Profis. Sie arbeiten noch immer als Forstwirtschaftsmeister …

Ebner: … und das ist gut so. Als ich mit 20 Jahren mit dem Sportholzfällen begonnen habe, habe ich den großen Sprung zum Profi nicht gewagt. Dafür braucht man zahlungskräftige Sponsoren und bei einer Verletzung kann es schnell vorbei sein. Zudem habe ich einen sicheren Job beim Land und deshalb das finanzielle Risiko gescheut. Typisch Deutsch halt (lacht).

Muss man dann bei einer WM nicht kleinere Brötchen backen?

Ebner: Dazu bin ich zu ehrgeizig. Nach der guten Vorbereitung ist ein Platz auf dem Treppchen mein Minimalziel.

Video: Sportholzfällen mit Robert Ebner

 

Wie lässt sich das überhaupt vereinbaren: Beruf und Training?

Ebner: Ganz einfach: Mein kompletter Jahresurlaub ging für die Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft und die WM drauf. Ohne die Unterstützung meines Arbeitgebers, Forst BW, ginge das nicht. Wenn ich freihabe, trainiere ich täglich von morgens bis abends die verschiedenen Disziplinen und mit einem Personal Trainer im Fitnessstudio. Außerdem arbeite ich mit Physiotherapeuten und einem Mentaltrainer zusammen.

Ein Mentaltrainer zum Holzschlagen?

Ebner: Der Kopf ist unheimlich wichtig. Im Wettbewerb muss man in Sekundenbruchteilen alles richtig machen. In unseren Sitzungen werden auch Rückschläge und Misserfolge durchgespielt, damit ich im Ernstfall weiß, wie ich darauf reagieren kann.

Bei diesem Trainingspensum liegt die Vermutung nahe, dass das Privatleben darunter leidet…

Ebner: Korrekt (lacht). Meine Freundin kam im Mai zu mir und meinte: Bis zur WM hast du nur noch zwei freie Wochenenden. Manchmal ist es schwierig, aber ich versuche, mir so gut es geht Zeit für sie zu nehmen.

Ihre Lebensgefährtin muss auch dann auf sie verzichten, wenn Sie mal wieder in der weiten Welt unterwegs sind…

Ebner: Die meisten Wettkämpfe sind in Europa: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Ungarn oder Skandinavien. Ich war aber auch schon in den USA am Start, in Philadelphia, Oregon und West Virginia. Mein großer Traum ist es, einmal in Australien oder Neuseeland anzutreten.

Fernsehtipp: Stihl-Timbersports-WM: Samstag, 20. Oktober, 17 Uhr (Team-Wettkampf) und 20 Uhr (Einzel) auf Sport1. Weitere Infos online auf www.stihl-timbersports.de