Die Rodung der unteren Murginsel in Gaggenau war nach Einschätzung von Experten natur- und artenschutzkonform. | Foto: Dorscheid

Untere Murginsel in Gaggenau

Rodung war rechtmäßig

Die Rodung der unteren Murginsel in Gaggenau verstößt nicht gegen natur- oder artenschutzrechtliche Bestimmungen. Zu diesem Ergebnis kamen der Naturschutzbeauftragte des Landkreises und ein Mitarbeiter der Naturschutzbehörde, die sich vor Ort ein Bild von der Maßnahme machten. Sie hatte in der vergangenen Woche Kritik von Naturschützern hervorgerufen.

Kein Eingriff in Lebensraum

Ein Vorwurf lautete, dass Tieren durch die Rodung wichtiger Lebensraum genommen werde, etwa der Sumpfschildkröte und der Erdkröte. Nach Auskunft von Sebastien Oser, Leiter des Naturschutzamts in Rastatt, ist dies nicht der Fall. Beide Arten kämen in dem betroffenen Bereich nicht vor. „Der Eingriff wurde entsprechend den Absprachen mit dem Naturschutzamt vorgenommen“, bestätigte Oser.

Kritik von Naturschützern

Wando Brünner, ein Gaggenauer Imker und Naturschützer, hatte die Stadtverwaltung in einem offenen Brief deutlich kritisiert. Er ist der Auffassung, „dass eine Insel der Biodiversität, die der Artenvielfalt dient, durch die Rodung einfach kaputt gemacht wurde“. Gegenwind gab es auch vom Grünen-Stadtrat Rudolf Krumney, dem Vorsitzenden des BUND Mittleres Murgtal. Die Maßnahme sei „in dieser Form nicht mit uns abgesprochen“ gewesen.

Rodung dient Hochwasserschutz

Die Stadt Gaggenau hatte argumentiert, die Durchforstung sei aus Gründen des Hochwasserschutzes alternativlos. Der dichte Bewuchs der Murginseln stelle ein Abflusshindernis dar und habe zur Folge, dass die Durchflussfläche reduziert werde.

Paradebeispiel für die Gaggenauer Kahlschlagpolitik

In einer weiteren Stellungnahme legt Brünner nun nach: Er wirft der Gaggenauer Stadtverwaltung „fehlendes Gespür für die Natur“ vor. Für eine Kommune, die sich dem Naturschutz verschrieben habe, solle nicht Gesetzeskonformität der Maßstab für einen Eingriff sein, sondern die tatsächlichen Auswirkungen, die er für die Tiere mit sich bringe. Weiter heißt es: „Die Murginsel ist ein Paradebeispiel für die Gaggenauer Kahlschlagpolitik“.

Bald Teil von FFH-Gebiet

Letztlich bleibt Naturschützern eine Hoffnung: Dass die Hürden für eine Rodung künftig höher liegen. Wie Sebastien Oser gegenüber den BNN erklärte, werden die Murginseln bei einer bevorstehenden Neuordnung der FFH-Gebiete voraussichtlich in eine solche Schutzzone aufgenommen. Eingriffe in ihre Vegetation seien daher künftig nur nach einer Vorprüfung zulässig, deren Ergebnis der Naturschutzbehörde vorgelegt werden müsse.