Kein Durchkommen: Ein ums andere Mal scheitert BNN-Redakteur Dominic Körner an der Deckung von Boxtrainer Zijad Poljo. Der Profi lässt den blutigen Anfänger eine Weile gewähren, dann schlägt er selbst zu. | Foto: Collet

Redakteur am Limit: Boxen

Schmerzhaftes Debüt im Boxring

Anzeige

Raus dem Alltag, auf ins Abenteuer lautet die Losung bei „Redakteur am Limit“. Für einen Tag, einige Stunden oder nur wenige Minuten schlüpft BNN-Redakteur Dominic Körner in für ihn ungewohnte Rollen. Am Boden, zu Wasser und in der Luft geht er bis an seine Grenzen. Heute: Boxen bei „Fair Fight Sports“ in Ottenau.

Harter Schlag in den Bauch

Eine Sekunde nicht aufgepasst, schon ist es zu spät: Ein harter Faustschlag trifft mich am Bauch. Noch während ich zu Boden sacke, bleibt mir die Luft weg. Der Schmerz übermannt mich. Der Mann, der mich auf die Bretter geschickt hat, steht leicht tänzelnd über mir und hat sichtlich Freude an meiner Pein: „Aufstehen!“, ruft Zijad „Zijo“ Poljo. Und wer will schon einem Boxer widersprechen, der 75 seiner 98 Profikämpfe durch K.o. gewonnen hat?

Mit schmerzverzerrtem Gesicht ziehe ich mich an den Ringseilen hoch und frage mich, warum ich nicht zu Hause geblieben bin. Selten umschrieb der Rubrikname „Redakteur am Limit“ so treffend (Achtung: Wortspiel) mein Leiden. Als Sparringspartner von Bodyguard und Boxtrainer Zijo stehe ich, ein mittelprächtig trainierter Lulatsch ohne Muckis, beim Kampfsportverein „Fair Fight Sports“ in Ottenau im Ring. „Die Reichweite hast du mir voraus“, sagt der einen Kopf kleinere Zijo zu Beginn. Schnell wird klar: Das ist auch schon alles.

Fliegende Fäuste an den Pratzen

Bevor die Fäuste fliegen, machen wir uns ausgiebig warm. Dehnen, Hüpfen, Sit-ups – schon ohne Boxhandschuhe komme ich mächtig ins Schwitzen. Und doch: Beim Pratzentraining fühle ich mich wie Rocky Balboa. Mit Wucht prügele ich auf die beiden Schlagpolster an Zijos Händen ein.

Jedoch bleibt dabei die Deckung auf der Strecke, woran mich mein Trainer unsanft mit „leichten“ Schlägen gegen Kopf und Körper erinnert. Nach wenigen Minuten hänge ich in den Ringseilen und schnappe nach Luft. Zijo hat kein Erbarmen: „Weiter geht’s!“ Schlag um Schlag – mit Jabs, Geraden und Haken – arbeite ich mich an den Pratzen ab, bis ich vor Erschöpfung wankend um eine Pause bitte.

Boxen ohne Deckung: Keine gute Idee

Dann wird es ernst: Sparring. Zijo zieht seine Boxhandschuhe über und erlaubt mir feixend, ihn zu verprügeln. Schon da schwant mir: Ich kann den Mann gar nicht treffen. Und tatsächlich werde ich beim Trainingskampf vorgeführt wie ein Pony im Zirkus.

Volle Power: Beim Pratzentraining will der Neuling beeindrucken. Allerdings fehlt deshalb viel Kraft für das anschließende Sparring. | Foto: Collet

Nach übermütigem Beginn („Ich treibe ihn vor mir her“) und einigen wilden Luftschlägen wird es Zijo zu bunt. Als ich ihn fragen will, wie lange der Spaß noch geht, lasse ich – mal wieder – die Deckung schleifen. Mit einem schmerzhaften Schlag auf den Solar Plexus zwingt Zijo mich in die Knie. „Wenn ich ernst gemacht hätte, wären mindestens zwei Rippen gebrochen“, meint er später trocken.

Die Jugend ist unser höchstes Gut.

Den Gegner verletzen – das kann vorkommen, ist aber nicht das Ziel. „Unsere Werte sind Respekt und Disziplin“, betont Vereinspräsident Steffen Beck. „Fair Fight Sports“, im November 2017 gegründet, legt einen großen Wert auf die Nachwuchsarbeit: „Die Jugend ist unser höchstes Gut.“ 280 Mitglieder hat der Verein mittlerweile, vom blutigen Anfänger bis zum Profi, der vor seinen Kämpfen dreimal täglich trainiert. Eine Einheit, erzählt Steffen, kann gut und gerne 2 000 Kalorien kosten.

Beim Sparring rast der Puls

Für mich kommt heute jedes Training zu spät. Nachdem ich mich wieder aufgerichtet habe, kämpfe ich mit dem Mut der Verzweiflung weiter – allerdings wieder ohne Deckung. Als ich nochmal heftig einstecke, brechen wir ab. Minuten nach dem Sparring – Steffen hat mich zwischenzeitlich augenzwinkernd zum Sieger erklärt – rast mein Puls noch immer. Von Zijo, dem mehrfachen Weltmeister und Bodyguard-Ausbilder, gibt es zum Abschied versöhnliche Worte: „Für den Anfang war’s gut“, sagt er, „aber du musst noch viel lernen“. Auf der Heimfahrt nehme ich mir vor, mal wieder joggen zu gehen.