Die Stauwärter in Aktion: Roland Hatz (links) und Michael Schiel kümmern sich um das Rückhaltebecken am Börbach. Es schützt den Gaggenauer Ortsteil Selbach vor Hochwasser.
Die Stauwärter in Aktion: Roland Hatz (links) und Michael Schiel kümmern sich um das Rückhaltebecken am Börbach. Es schützt den Gaggenauer Ortsteil Selbach vor Hochwasser. | Foto: Christiane Widmann

Damm schützt Wohngebiete

Selbacher Stauwärter sorgen in Handarbeit für Hochwasserschutz

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Sie sind ein kleines Rädchen im Getriebe, aber ein wichtiges: Der Selbacher Ortsarbeiter Roland Hatz und Ortsvorsteher Michael Schiel stellen sicher, dass das Rückhaltebecken am Börbach das Dorf vor Hochwasser schützt. Der acht Meter hohe Damm verhindert, dass das Wasser bei Starkregen ungebremst von den Hügeln in die Ortsmitte drängt. Dieser Schutz gewinne an Bedeutung, sagt Hatz: „Die Unwetter werden ja immer schlimmer durch den Klimawandel.“

Das Problem sind Regengüsse mit 30 Litern pro Stunde oder mehr. Dann schießt in kurzer Zeit sehr viel Wasser von den Hängen herab und sammelt sich in Bächen und Senken.

Die Folgen bekommen besonders die Anwohner zwischen der Grundstraße und der Straße „In den Dorfwiesen“ zu spüren. „Da hatten wir schon öfter mal die Keller voll“, berichtet Michael Schiel. 1998, 2012, 2013 und 2016 zum Beispiel: „Da war mehrfach Land unter.“

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Das Rückhaltebecken hält zumindest einen Teil der Wassermassen ab

Das Problem ist, dass kurz vor dem Areal der Börbach und der Hinterbach in den Selbach münden. Wenn aus allen dreien Wasser heranschießt, lässt sich der Effekt leicht ausmalen.

Die Anlage sorgt seit 1989 dafür, dass das Wasser zumindest am Börbach eingedämmt wird. Keller können zwar noch immer geflutet werden, aber immerhin weniger stark.

Das Gebiet um die Straße "In den Dorfwiesen" ist bei Hochwasser besonders betroffen.
Das Gebiet um die Straße „In den Dorfwiesen“ ist bei Hochwasser besonders betroffen. | Foto: BNN / Quelle: Stadt Gaggenau

Die Anlage ist für ein 100-jährliches Hochwasser ausgelegt

Es ist das einzige Rückhaltebecken auf Gaggenauer Gemarkung. Es fasst 20.000 Kubikmeter Wasser. Die Anlage ist für ein 100-jährliches Hochwasser ausgelegt, sprich: einen statistisch so seltenen Fall, dass das Becken den üblichen Starkregen locker wegsteckt.

Entsprechend ist es auch noch nie übergelaufen, sagt Schiel. 1998, nach zwei Tagen Starkregen, sei es fast soweit gewesen. Aber selbst wenn Wasser über die 21 Meter breite Dammscharte flösse, würde es konstruktionsbedingt in den Börbach strömen – ein kalkuliertes Risiko.

Bei Wind und Wetter behalten die Stauwärter die Lage im Auge

Die beiden Männer sehen rund ums Jahr nach dem Rechten. Roland Hatz ist durch seine Anstellung seit neun Jahren der Haupt-Zuständige, Michael Schiel ist als Ortsvorsteher sein Stellvertreter.

„Ich weiß nicht, wie viele Tage und Stunden wir hier verbracht haben“, sagt Schiel. Wenn es schüttet, müssen die Stauwärter den Wasserpegel überwachen und dokumentieren, auch mitten in der Nacht. Beide standen schon schlotternd und triefend im strömenden Regen, um die Lage im Auge zu behalten.

Neuer Wasserstandspegel soll die Arbeit erleichtern

Im Notfall müssen sie über den städtischen Betriebsbeauftragten Christian Gaida bei der Stadt und dem Landratsamt in Rastatt Alarm schlagen.

Die beiden Männer sind froh über eine neue Holzhütte inklusive Strom und Schweinwerfer. „Vorher sind wir mit der Funzel hergefahren“, sagt Schiel.

Bald können sie am Computer verfolgen, wie stark sich das Becken füllt, bevor sie hinausgehen. Die Stadt plant, einen Wasserstandspegel einzubauen, der die Messwerte digital überträgt. Es steht allerdings noch nicht fest, wann.

Kleine Aufgaben, große Wirkung

Solange es kein Hochwasser gibt, hält vor allem Hatz die Anlage in Schuss. Die Aufgaben mögen auf den ersten Blick unscheinbar wirken, doch wie heißt es so schön: Kleinvieh macht auch Mist. Und Mühe, darf man hier ergänzen. „Ich fahre fast jeden Tag her“, sagt Hatz.

Er befreit die Fanggitter von Ästen und Geröll. Den Sandfang lässt er mit Vermittlung von Christian Gaida ausbaggern, wenn sich zuviel Sediment ansammelt.

Der Durchlauf muss frei sein

Von Zeit zu Zeit staut er Wasser und spült damit das Rohr, das den Niederschlag in den Börbach entlässt. Schließlich sollte es im entscheidenden Moment nicht verstopft sein. Ein zusätzlicher Durchlauf ist im Gespräch.

Das Rohr hat einen Durchmesser von einem Meter. Ein Schieber regelt jedoch, dass das Wasser kontrolliert durch einen 14 Zentimeter hohen Spalt austritt. Hatz prüft die zugehörige Mechanik und lässt sie von einem Schlosser warten.

Schutz  vor tierischer Buddelei und jugendlichem Übermut

Er kontrolliert auch den Damm auf Schäden. Er lässt ihn mähen, um Löcher von Wühlmäusen sehen zu können, und kontrolliert den Elektrozaun, der Wildschweine abhalten soll. Denn wenn sie die Grasnabe umpflügen, könnte Wasser in das lehmige Erdreich eindringen und den Betonbau darunter beschädigen.

Auch vor jugendlichem Übermut ist die Anlage mittlerweile geschützt, berichtet Schiel schmunzelnd: Kinder hatten sich einmal am Schieber vergriffen und einen Badesee gestaut. Zum Glück ohne größere Folgen – abgesehen von einer ordentlichen Strafpredigt.