Vier Tiere führen die Kutsche von Dietmar Soulier beim Gernsbacher Stadtjubiläum an. Damit sie nicht erschrecken, trainiert er regelmäßig mit ihnen.
Ein Eingespieltes Team: Vier Tiere führen die Kutsche von Dietmar Soulier beim Gernsbacher Stadtjubiläum an. Damit sie nicht erschrecken, trainiert er regelmäßig mit ihnen. | Foto: pr

Züchter Soulier berichtet

Seltene Schwarzwälder Kaltblüter trainieren für den Gernsbacher Umzug

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Vier Schwarzwälder Kaltblüter werden sich beim historischen Umzug in Gernsbach ihren Weg durch die Menschenmenge bahnen. Ganz vorne werden sie laufen, direkt hinter Ortsbüttel Rudi Seifried und Bürgermeister Julian Christ sicher durch die Stadt transportieren. Auf dem Bock der blauen Kutsche wird Dietmar Soulier sitzen und die Pferde unter Kontrolle halten.

„Die sind das gewohnt, wir fahren jedes Jahr bei sieben großen und einigen kleinen Umzügen mit“, berichtet Soulier. Egal ob verschiedene Schäferläufe in Baden-Württemberg oder das Peter-und-Paul-Fest in Bretten, Soulier und seine Pferde sind dabei. Auf diese Aufgabe hat er seine Tiere gut vorbereitet.

Soulier lebt in Ölbronn-Dürrn und züchtet hobbymäßig die Rasse Schwarzwälder Kaltblut. „Wir haben zurzeit vier Zuchtstuten und zwei Fohlen“, erzählt er. Insgesamt gebe es aber mal mehr, mal weniger Pferde auf seinem Hof. Je nachdem, wie viele Fohlen gerade geboren wurden. Die Jungpferde werden mit etwa drei Jahren langsam an das Fahren herangeführt. „Anfangs geht es über Flurwege“, so der Züchter. Erst wenn die Pferde auf den Feldwegen sicher sind, fährt Soulier mit der Kutsche im Straßenverkehr.

Soulier führt seine Pferde langsam an das Fahren heran

Von der Kraft her sei das Ziehen für die massigen Kaltblüter kein Problem. Es handele sich dabei eher um eine geistige als eine körperliche Herausforderung für die Pferde. Schließlich sind sie von Natur aus Fluchttiere, laute Geräusche erschrecken sie normalerweise, sie rennen weg.

Bei einem historischen Umzug dabei zu sein, bei dem zahlreiche Menschen am Straßenrand stehen, klatschen und jubeln sowie Musikkapellen spielen, scheint daher für diese Tiere ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Soulier erklärt jedoch, dass es mit geeignetem Training durchaus möglich ist, mit der Kutsche bei dem Umzug mitzufahren. Wichtig sei dabei, auf jedes Tier und seinen Charakter einzugehen. „Dafür braucht es viel Gespür“, erklärt er.

Kaltblüter haben eine höhere Hemmschwelle für Erregung als Warmblüter

Bei seinen Pferden sei hilfreich, dass die Weiden in der Nähe einer Durchgangsstraße liegen. Motorengeräusche sind den Pferden daher bekannt, sie haben sich bereits daran gewöhnt. Aber auch sonst übt Soulier viel mit ihnen. Er lässt im Stall manchmal das Radio laufen oder scheppert mit einem Eimer, sodass die Pferde sich an derartige Geräusche gewöhnen und nicht erschrecken.

Dabei kommt ihm zugute, dass es sich bei seinen Tieren um Kaltblüter handelt. „Kaltblüter haben eine höhere Hemmschwelle für Erregung als Warmblüter“, sagt er. Warmblutpferde, die ein schlankeres Erscheinungsbild und mehr Temperament als Kaltblüter besitzen, bräuchten eine längere Ausbildung, um bei Umzügen mitlaufen zu können und ruhig zu bleiben.

Schwarzwälder Kaltblüter stehen auf der Roten Liste

Kaltblüter wie seine Schwarzwälder lernen diese Aufgabe dagegen relativ schnell. Schließlich sind die kräftigen Pferde früher dafür gezüchtet worden, um auf dem Feld und im Wald schwere Arbeiten zu verrichten. Ein hibbeliges Rennpferd hilft bei derartigen Tätigkeiten wenig weiter.

Da Pferde dafür heute kaum noch gebraucht und gezüchtet werden, steht das Schwarzwälder Kaltblut auf der roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen. Soulier zufolge erholt sich der Bestand aber langsam wieder, da die Rasse mittlerweile als Freizeitpferd geschätzt wird.

In Gernsbach war der Kutscher noch nie, der Umzug wird für ihn und seine Pferde ein Premiere sein. In die badische Stadt fährt er allerdings nicht mit dem Vierspänner. „Im Trab wären wir zwar elf Kilometer pro Stunde schnell, spätestens nach zwei Stunden müssten wir aber eine Pause einlegen“, erklärt er.

Im Schritt halten seine Pferde zwar länger durch, schaffen aber lediglich sieben Kilometer pro Stunde. Für die knapp 70 Kilometer von Ölbronn-Dürrn nach Gernsbach komme er daher lieber mit Fahrzeugen, in denen er Pferde und Kutsche transportiert.