Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen steigt stetig. Die Städte Gaggenau und Gernsbach investieren Millionen in den Ausbau ihres Angebots. Doch noch ist es auf Kante genäht. | Foto: Jens Büttner/ZB/dpa

Wie viele Plätze gibt es?

Situation in der Kinderbetreuung im Murgtal bleibt angespannt

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Kita-Plätze sind nach wie vor heiß begehrt. Die Kommunen im Murgtal versuchen, den Betreuungsanspruch der Eltern zu erfüllen. Nichtsdestotrotz sind immer wieder Klagen über Wartelisten oder Fragen nach den Vergabekriterien zu hören. Die BNN haben den aktuellen Stand abgefragt: Wie viele Plätze stehen in Gaggenau und Gernsbach zur Verfügung? Welche Kriterien gelten? Und welche Alternativen können die Städte anbieten, wenn Kita-Plätze fehlen?

In Gaggenau stehen rund 1235 Betreuungsplätze zur Verfügung. Etwa 980 Plätze sind Kindern im Kindergartenalter (Ü3) zugedacht. Hinzu kommen knapp 50 U3-Plätze sowie fast 160 Krippenplätze. Stadtsprecherin Judith Feuerer zufolge werden alle im Lauf des Kindergartenjahrs belegt sein.

Wir versuchen, Eltern den bestmöglichen Platz zukommen zu lassen.

Liliana Erbesdobler, Stadt Gaggenau

Wartelisten gibt es nur bei Wunscheinrichtungen. Denn Eltern haben zwar keinen Anspruch auf eine bestimmte Einrichtung, können aber im Vormerk-Programm drei Wünsche angeben. Zumeist liegen diese nah am Wohnort oder gehören zu den Häusern, die eine Krippen- und eine Ü3-Ganztagesbetreuung anbieten. Dieses Angebot gibt es nur in der Kernstadt, in Ottenau und Selbach, ab Februar auch in Bad Rotenfels.

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„Wir versuchen immer, den Eltern den bestmöglichen Betreuungsplatz zukommen zu lassen“, betont die zuständige Amtsleiterin Liliana Erbesdobler. „Für die überwiegende Mehrheit gelingt uns das. Bei kurzfristigen Bedarfen nicht immer.“ Eltern, die eine bestimmte Einrichtung favorisieren, seien bereit, ihre Elternzeit entsprechend zu planen.

In Gernsbach fehlen derzeit 56 Betreuungsplätze

In Gernsbach stehen etwa 570 Plätze in Kindergärten, Kinderkrippen und bei Tageseltern zur Verfügung. In Kindergärten fehlen laut Pressesprecherin Nicoletta Arand derzeit 21 Plätze, im Krippen- und Tageselternbereich 35.

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Plätze sind für ortsansässige Kinder reserviert

In Gaggenau kommen Vergleichskriterien zum Einsatz, sobald es nur noch Restplätze und mehrere Interessenten gibt. Besonderes Gewicht haben drei Aspekte.

Erstens, ob die Familie ihren Erstwohnsitz in Gaggenau hat, denn alle Plätze sind für ortsansässige Kinder reserviert. Zweitens, ob Alleinerziehende berufstätig, Azubis oder Studenten sind. Drittens, ob soziale Aspekte zu beachten sind, also beispielsweise ein Familienmitglied pflegebedürftig ist.

Wir versuchen, möglichst allen eine Chance auf Betreuung zu verschaffen.

Nicoletta Arand, Stadt Gernsbach

Dazu kommen weitere Kriterien wie das Alter – Kinder, die kurz vor dem Schuleintritt stehen, haben Priorität – oder ein erhöhter Förderbedarf. In dringenden Fällen sind Ausnahmen möglich.

In Gernsbach gibt es keine festen Kriterien. „Wir versuchen, möglichst allen eine Chance auf Betreuung zu verschaffen“, teilt Nicoletta Arand mit. Geschwister werden nach Möglichkeit in derselben Einrichtung untergebracht.

Zuschuss für Tageseltern

Die Stadt Gaggenau fördert die Anwerbung, Qualifizierung und Unterbringung von Tageseltern. Sie bezuschusst deren Vergütung mit 1,50 Euro pro U3-Betreuungsstunde.

Die Stadt Gernsbach bezuschusst Tageseltern ebenfalls mit 1,50 Euro. Ferner unterstützt sie Eltern, die keinen Betreuungsplatz bekommen haben, bei der Suche nach Alternativen.

„Wie führen viele persönliche Gespräche“, sagt Sachgebietsleiterin Katja Weißhaar. „Wir stehen in engem Kontakt mit dem Landratsamt, um beispielsweise Tagesmütter zu vermitteln oder Plätze in anderen Gemeinden. Teilweise organisieren die Eltern sich auch selbst.“

Neue Plätze zu schaffen ist eine Herausforderung für die Kommunen

„Durch den Rechtsanspruch sind auf einen Schlag Berechtigte hinzugekommen“, sagt die Gaggenauer Sprecherin Judith Feuerer. Weiterer Bedarf ist bereits abzusehen. „Wir kommen, auch durch die derzeit sehr ausgelastete Baukonjunktur, nicht so schnell mit der Errichtung der Betreuungsräumlichkeiten nach, wie wir es gerne würden.“

Die Nachfrage nach diesem Beruf ist rückläufig.

Judith Feuerer, Stadt Gaggenau

Dabei investiert die Stadt bereits kräftig: 2019 und 2020 investiert sie 6,36 Millionen Euro in die Erweiterung von vier Kindergärten (St. Antonius, St. Marien, St. Laurentius, Waldkindergarten) sowie den Neubau einer Kita im Wiesenweg.

Eine weitere Herausforderung ist es, die nötigen Fachkräfte bereitzustellen. „Aus Erfahrung können wir sagen, dass die Nachfrage nach diesem Beruf zumindest in Gaggenau etwas rückläufig ist“, sagt Judith Feuerer. Es herrsche keine Personalnot, doch es gebe auch keine große Auswahl.

Investitionen in Millionenhöhe

Auch die Stadt Gernsbach investiert: Nicoletta Arand zufolge beläuft sich der Eigenanteil bei Um- und Neubaumaßnahmen in der Jahnstraße, beim Kindergarten Fliegenpilz und dem Waldkindergarten auf 4,24 Millionen Euro.

Rechtsanspruch

Seit 2013 besteht ein Anspruch auf eine frühkindliche Förderung für Kinder im Alter von ein bis drei Jahren. Sie können in einer Kindertageseinrichtung oder einer Kindertagespflege – sprich: bei Tageseltern – betreut werden.
Ab dem dritten Lebensjahr bis zur Einschulung besteht Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Das gilt in Deutschland seit 1996. Es ist nicht Pflicht, diesen Anspruch einzulösen.