Beliebtes Ausflugsziel: Gernsbachs Bürgermeister sieht im Kaltenbronn – hier das Infozentrum – großes touristisches Potenzial. Deshalb soll er in den kommenden Jahren aufgewertet werden. | Foto: Dorscheid

Mehrere Projekte geschoben

Stadt Gernsbach muss beim Haushalt Prioritäten setzen

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Julian Christ sieht stürmischere Zeiten auf Gernsbach zukommen. In seiner Haushaltsrede vor dem Gemeinderat betonte der Bürgermeister wichtige Ausgaben in die Bildung, die Entwicklung der Altstadt und den Kaltenbronn. Klar wurde aber auch: Die Mittel sitzen nicht mehr so locker wie früher. Bereits der aktuelle Haushalt ist nicht mehr ausgeglichen, in den kommenden Jahren rutscht er immer weiter ins Minus. Investitionen in das Rathaus und die Zehntscheuer sind vorerst nicht zu stemmen. Das Lautenbacher Schwimmbad wird dennoch saniert.

Grundsätzlich gab Christ das Motto aus: „Dringliche Pflichtaufgaben vor freiwilligen Aufgaben.“ Die Stadt Gernsbach leide unter einem erheblichen Investitionsstau und müsse sich auf die Projekte konzentrieren, „die uns stärker und konkurrenzfähig für die kommenden Jahre machen“.

Gernsbach muss Schulden machen

Im Haushaltsplan stehen Einnahmen von 34,93 Millionen Euro Ausgaben von 35,4 Millionen gegenüber. Damit fehlen der Stadt rund 470.000 Euro zu einem ausgeglichenen Haushalt. Noch hat sie Rücklagen in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro. Aber der Trend wird sich in den kommenden Jahren verschärfen: 2023 liegt der Verlust gemäß Planung bei 1,8 Millionen Euro. Bereits 2020 muss die Stadt einen Kredit in Höhe von 1,5 Millionen Euro aufnehmen.

Stadt investiert in Bildung und Tourismus

Seit 2018 investiert die Stadt laut Christ mehr als 5,8 Millionen Euro, um 120 neue Betreuungsplätze für Kinder zu schaffen. Und man wisse schon heute: „Das wird nicht reichen.“

Das Gernsbacher Rathaus wird vorerst nicht saniert. Ein Neubau ist vom Tisch. | Foto: Dürr

Mehrere Millionen fließen darüber hinaus in Sanierungen der Von-Drais-Gemeinschaftsschule, der Realschule und des Albert-Schweitzer-Gymnasiums.

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Großes Potenzial sieht Christ in der Aufwertung der Altstadt und des Kaltenbronns: „Wir dürfen die Chancen nicht verpassen und müssen einem möglichen Abwärtstrend vorbeugen.“

Bei den Investitionen müssen wir uns auf das Notwendigste beschränken.

Gernsbachs Bürgermeister Julian Christ

Er betonte indes auch, dass die Stadt Gernsbach Prioritäten setzen wird: „Bei den Investitionen müssen wir uns auf das Notwendigste beschränken.“ Dringliche Projekte wie die Sanierung oder der Neubau des Rathauses ließen sich „derzeit nicht mehr im Haushalt abbilden“. Auch die Nutzung des Erdgeschosses der Zehntscheuer müsse man mit Blick auf die angespannte Finanzlage zurückstellen.

Christ: Haushalt ohne Luftschlösser

Die Sanierungen des Bauhofes und der Grundschule Gernsbach seien „gerade so noch in der Finanzplanung darstellbar und müssen im schlimmsten Fall zeitlich gegeneinander abgewogen werden.“ Der Haushaltsplan 2020 sei „verantwortungsvoll, transparent und vorausschauend aufgestellt“, sagte Christ: „Er enthält keine Luxusprojekte und keine Luftschlösser.“