Die Motorradsaison lockt Biker zur Schwarzwald-Hochstraße und zur Schwarzenbach-Talsperre. Doch nicht alle fahren rücksichtsvoll.
Die Motorradsaison lockt Biker zur Schwarzwald-Hochstraße und zur Schwarzenbach-Talsperre. Doch nicht alle fahren rücksichtsvoll. | Foto: Seeger/dpa

Gemeinderat ist für Beitritt

Stärkere Kontrollen, höhere Bußgelder: Forbach unterstützt Initiative Motorradlärm

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Die landesweite Initiative Motorradlärm bekommt einen weiteren Unterstützer: die Gemeinde Forbach. Das hat der Gemeinderat am Dienstag mit acht zu fünf Stimmen beschlossen. Bislang haben sich 85 Städte, Gemeinden und Landkreise der Initiative angeschlossen, darunter Gaggenau, Gernsbach, Loffenau und Baden-Baden.

Der Zusammenschluss geht auf den Landes-Lärmschutzbeauftragten Thomas Marwein und die Bürgermeisterin von Sasbachwalden, Sonja Schuchter, zurück. Die Initiative fordert unter anderem überarbeitete Lärmgrenzwerte, stärkere Kontrollen und höhere Bußgelder für frisierte Maschinen und vorsätzliches Röhren.

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Sie setzt sich auch für die Produktion und den Verkauf leiserer Motorräder sowie ein rücksichtsvolleres Fahrverhalten ein. Ihre Forderungen hat sie im Februar vorgestellt. Sie wurden unter Federführung des Verkehrsministeriums erarbeitet und an Vertreter von Bund und EU herangetragen.

SPD war geschlossen gegen den Beitritt

Die Forbacher Gemeinderäte waren geteilter Meinung über die Initiative. Werner Schoch (CDU), Barbara Ruckenbrod (FWG) und Margrit Haller-Reif (Grüne) sprachen sich für den Beitritt aus. Forbach sollte „als Anrainer-Kommune zur Schwarzwald-Hochstraße dabei sein“, sagte Schoch. Je mehr Kommunen dabei sind, desto besser, befand Haller-Reif. Sie lobte die konkreten Vorschläge der Initiative. Hans-Jörg Wiederrecht (FWG) hielt es für sinnvoll, diejenigen zur Raison zu bringen, „die über die Stränge schlagen“.

Die SPD hingegen stimmte geschlossen gegen den Beitritt. Nur Jörg Bauer enthielt sich. Harald Mungenast (SPD) kritisierte insbesondere Forderungen nach höheren Bußgeldern. Es sei ausreichend, auf das Thema Lärm aufmerksam zu machen. „Die vernünftigen Fahrer bleiben vernünftig. Die Raser werden weiter rasen.“

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Er wies ferner auf Motorrad-Touristen hin, die in Forbach einkehren. Diese sollen nicht vergrault werden. Sabine Reichl (CDU) und Frank Mayer (CDU) beklagten einen „Generalverdacht“ gegenüber Motorradfahrern.
Dass lärmende und zu schnelle Motorräder besonders in Herrenwies ein Problem sind, ist indes nicht zu leugnen.

Hintergrund
Der Ortsteil Herrenwies ist am stärksten von Raserei und Motorradlärm betroffen. „Natürlich gibt es immer wieder auch an anderen Stellen Beschwerden, aber nirgends sind die Probleme so deutlich wie in Herrenwies“, sagt der Forbacher Ordnungamtsleiter Thomas Hudeczek.
Die Verwaltung plant, weitere Geschwindigkeits-Messanlagen anzuschaffen. Die Daten sollen Aufschluss über weitere Problemstellen im Straßenverkehr geben. Klar ist schon jetzt: Die Landstraße auf Höhe des Rathauses gehört nicht dazu. Laut Thomas Hudeczek gehen immer wieder Beschwerden ein, Verkehrsteilnehmer seien dort zu schnell. „Die Messungen haben dies nicht bestätigt. Bis auf einen kleinen Prozentsatz wird die vorgegebene Geschwindigkeit eingehalten oder nur minimal überschritten.“

 

Messungen bestätigten die Beschwerden der Anwohner, berichtet Ordnungsamtsleiter Thomas Hudeczek auf Nachfrage hin. Der Ortsteil liegt an einer beliebten Motorradstrecke: der L83, die zur Schwarzwald-Hochstraße und zur Schwarzenbach-Talsperre führt. Die Durchfahrt ist breit und in der Ortsmitte dreispurig. Manche Fahrer rauschen entsprechend schnell hindurch.

„Es geht uns nicht darum, das Motorradfahren grundsätzlich zu verdammen, sondern es für die betroffenen Anwohner verträglich zu gestalten“, betont Hudeczek. Die Maßnahmen, die das Landratsamt Rastatt und die Gemeinde Forbach 2019 ergriffen haben, wirkten „spürbar, aber nicht ausreichend“.

Gespräche über Maßnamen laufen

Das Landratsamt hat im dreispurigen Bereich die Abbiegespuren verkürzt und die Straße durch neue Markierungen optisch verengt. Auch die Zufahrt zum Ort hat es entschleunigt: ein Tempo-70-Schild ist in Richtung Schwarzwaldhochstraße versetzt worden, ein neues wurde zwischen der Schwarzenbach-Talsperre und Herrenwies angebracht. Die Gemeinde hat außerdem ein Geschwindigkeitsdisplay angeschafft.

Die Gespräche über weitere Maßnahmen laufen bereits. Eine Option sind Leitschwellen entlang der neuen Markierungen. „Auch der vollständige Verzicht auf Abbiegespuren sollte nochmals geprüft werden, wenn nicht die gewünschte Wirkung eintritt.“

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Doch alle Maßnahmen bleiben provisorisch. Der Grund: Im denkmalgeschützten Rosstall in Herrenwies soll voraussichtlich bis 2021 ein Info-Haus des Nationalparks Schwarzwald entstehen. „Dafür sind Anpassungen in der verkehrlichen Anbindung erforderlich. Insbesondere die barrierefreie Anbindung an den ÖPNV ist ein Thema“, sagt Hudeczek. Das Verkehrskonzept des Parks sieht zudem geeignete Stellplätze vor. In Herrenwies und an neun weiteren Knotenpunkten im Park-Gebiet sind Kreisverkehre im Gespräch. „Eine verkehrsberuhigende Neugestaltung muss gelingen.“ Doch noch liegen der Gemeinde keine Details zum Zeitplan vor.