Jahrelanger Kampf: Iris Wagner erwartet von der Stadt Gernsbach die Sanierung des Fußweges zu ihrem Haus. Im Rathaus ist man anderer Meinung.
Jahrelanger Kampf: Iris Wagner erwartet von der Stadt Gernsbach die Sanierung des Fußweges zu ihrem Haus. Im Rathaus ist man anderer Meinung. | Foto: Körner

Wegsanierung in Gernsbach

Streit um Zuständigkeiten

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Steil, verwuchert, marode: Der Fußweg zum Grundstück von Iris und Martin Wagner in Staufenberg ist abenteuerlich. Eine lange Treppe mit bröckelnden Stufen führt hoch zur Haustür. Seit 2011 wohnen die Wagners in der Staufenberger Straße 85. Die schmale Zugangstreppe liegt versteckt zwischen der Hausnummer 83 und dem Anwesen Friedhofstraße 1. Da Postbote und Rettungsdienst zum Haus gelangen müssen, schlägt das Ehepaar Alarm: „Es muss sich dringend etwas tun“, sagt Iris Wagner. Für eine Sanierung der außerhalb ihres Grundstücks verlaufenden Treppe fühlt sie sich nicht zuständig – die Stadt Gernsbach allerdings auch nicht.

Zwar lässt sich das Haus auch über die Mühlgrabengasse auch von oben erreichen. Der Weg ist allerdings ziemlich steil, laut Iris Wagner bis zu 35 Prozent. „Der Rettungsdienst hat deshalb schon abgewinkt“, erzählt sie. Mit dem Einsatzfahrzeug sei der Weg nicht zu befahren, habe man ihr mitgeteilt, zumal bei winterlicher Witterung Schneeketten nötig sind.

Marode Stufen in der Staufenberger Straße

„Für Sanitäter mit Trage ist auch der untere Zugang über die Treppe völlig ungeeignet“, betont Iris Wagner. Im Sommer sei er regelrecht verwuchert. Weil das Grundstück per Adresse in der Staufenberger Straße liegt, muss sich auch der Postbote die maroden Stufen hinaufquälen. Das Ehepaar Wagner sieht die Stadt Gernsbach in der Pflicht, die Treppe zu sanieren und hat mittlerweile eine Rechtsanwältin eingeschaltet.

BNN-Grafik zum Zugang zur Staufenberger Straße 85.
BNN-Grafik zum Zugang zur Staufenberger Straße 85. | Foto: BNN

Im Rathaus weist man die Zuständigkeit dagegen von sich: „Eine Sanierung ist nicht die Aufgabe der Stadt, da es sich um einen privaten Interessenten-Weg handelt, der nicht einem allgemeinen (Fahr-)Verkehr eröffnet war, sondern nur einem ganz bestimmten Kreis von Personen beziehungsweise dem Zugang zu bestimmten Grundstücken dient“, heißt es in einem städtischen Schreiben an die Anwältin vom 4. Dezember, das den BNN vorliegt.

Öffentliches Interesse fehlt

Und weiter: „Selbst wenn es sich bei der Zufahrt um einen (beschränkt) öffentlichen Weg handeln sollte, bestünde kein Anspruch gegenüber der Stadt auf Instandsetzung des Weges.“ Nach Auskunft von Albert Betting, Sachgebietsleiter im Baurechtsamt, müsste die Stadt den Weg nur dann sanieren, wenn dem ein öffentliches Interesse zugrunde läge. In Staufenberg sei dies nicht der Fall, da nur ein Haushalt von einer Instandsetzung profitierte.

Bröckelnde Stufen: Die Treppe zum Haus in der Staufenberger Straße 85 befindet sich in einem maroden Zustand.
Bröckelnde Stufen: Die Treppe zum Haus in der Staufenberger Straße 85 befindet sich in einem maroden Zustand. | Foto: Körner

Oberer Bereich ist zugewachsen

Die Mühlgrabengasse verband ursprünglich den Ortskern mit der Feldflur. Wanderer nutzten sie als Abkürzung ins Dorf. Seit einigen Jahren ist der obere Bereich am Haus der Wagners zugewachsen. „Hier standen schon Spaziergänger im Hof und haben sich beschwert, dass es nicht mehr weitergeht“, ärgert sich Iris Wagner, „dabei sind wir für die Freihaltung überhaupt nicht zuständig.“

Die Treppe liegt auf städtischem Boden.

Der Vorbesitzer des Grundstückes hatte laut Betting den Weg nach oben ausbauen und die Treppe im unteren Abschnitt errichten lassen – mit entsprechender Genehmigung der Stadt. „Richtig ist: Die Treppe liegt auf städtischem Boden“, räumt Betting ein, „eine Sanierungsverantwortung ergibt sich daraus alleine aber nicht.“