Mit der Staufermedaille des Landes und - gleich zweimal - mit der Ehrenbürgerwürde ist Bürgermeister Erich Steigerwald bei seiner Abschiedsfeier ausgezeichnet worden. | Foto: Wachholz

Loffenauer Rathauschef geht

Steigerwald ist jetzt zweimaliger Ehrenbürger

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Von Ralf Wachholz

Das Schwergewicht der Kommunalpolitik im Murgtal, der „Platzhirsch“ unter den Bürgermeistern im Land Baden-Württemberg, tritt nach 40-jähriger Amtszeit als Rathauschef von Loffenau ab. Erich Steigerwald erhielt minutenlangen Beifall und stehende Ovationen von 200 geladenen Gästen in der „guten Stube“ Gemeindehalle. Bereits vielfach ausgezeichnet, nahm Steigerwald jetzt auch aus den Händen von Landrat Jürgen Bäuerle die Staufermedaille des Landes in Empfang. Seine Heimatgemeinde Loffenau erhob ihn zum bislang einzigen Ehrenbürger, die Urkunde übergab Helmut Möhrmann im Auftrag des Gemeinderates.

Noch eine Ehrenbürgerschaft

Als eine sehr ungewöhnliche Geste, „als Zeichen der tiefen Dankbarkeit und Würdigung der Verdienste um die Gemeindepartnerschaft mit der italienischen Gemeinde Montefelcino“ verlieh deren Bürgermeister Ferdinando Marchetti die Ehrenbürgerschaft an seinen bisherigen Amtskollegen Erich Steigerwald. „Diese Auszeichnung ist einmalig und wurde einstimmig durch den Gemeinderat beschlossen, was etwas Einzigartiges ist“, sagte der Ratshauschef bei der Übergabe der Urkunde.

Dienstältester Bürgermeister im Land

Übereinstimmend sprachen Helmut Möhrmann als Stellvertreter, Landrat Jürgen Bäuerle, Toni Huber als Sprecher der Verwaltungsgemeinschaft und des Verbandes baden-württembergischer Bürgermeister sowie Artur Ostermaier, Vizepräsident des Gemeindetages Baden-Württemberg, von herausragenden kommunalpolitischen Leistungen des scheidenden Rathauschefs, der Loffenau mit Weitsicht zu einer Vorzeigegemeinde gemacht habe und durch eine vorbildliche Infrastruktur attraktiv umgestaltet habe.
Als 26 Jahre alter Schwabe aus Nürtingen habe sich Steigerwald 1977 im ersten Wahlgang klar durchgesetzt, wurde zum jüngsten Bürgermeister des Landes gewählt, fünfmal wieder berufen und trete nun als dienstältester Schultes im Land in den wohl verdienten Ruhestand, so der Weisenbacher Bürgermeister Toni Huber. „Du kannst stolz darauf sein, dass Du Deinem Nachfolger Markus Burger eine Gemeinde übergibst, die, was Finanzen, Infrastruktur und das gesellschaftliche Leben angeht, bestens bestellt ist.“

Landrat: „Loffenau als Leuchtturm im Murgtal“

„Steigerwald hat Loffenau aus dem Dornröschenschlaf erweckt und zu einem Leuchtturm im Murgtal entwickelt“ urteilte der Rastatter Landrat Jürgen Bäuerle. „Erich Steigerwald ist eine charismatische Persönlichkeit mit schwäbischer Cleverness und Gemütsruhe, badischer Genussfreude und Gründlichkeit und mit dem feurigen Blut seiner ungarischen Vorfahren. Erich Steigerwald war ein Bürgermeister mit Ecken und Kanten, schlagfertig, pfiffig, mit spitzbübischem Humor.“

Lob auch aus Sachsen

Achim Grimm dankte im Namen aller Loffenauer Vereine. „Nicht immer verliefen die Gespräche mit ihm zur Zufriedenheit der Beteiligten, wir haben aber stets mit seiner durchaus rauen Art umgehen können“, sagte der Vorsitzende des größten örtlichen Vereins, des TSV. Günther Mungenast sprach die Dankesworte für die evangelische Kirchengemeinde und lobte die vertrauensvolle Zusammenarbeit beim Thema Kindergärten.
Aus der sächsischen Partnergemeinde Kreischa war Bürgermeister Frank Schöning gekommen, um Dank zu sagen für die enorme Hilfe nach der Wende „beim wichtigen Aufbau von kommunalen Fundamenten bei uns durch Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Loffenau“. Die Rathaus-Mitarbeiter Nadine Speranza und Michael Kübler dankten ihrem Chef, „unter dem wir alle gerne gearbeitet haben, der uns immer gut und gefühlvoll motiviert hat“. Remigius Karch aus dem Notariat Gernsbach umschrieb seine Erfahrungen mit Erich Steigerwald, indem er feststellte: „In Ihnen vereinen sich Don Camillo und Peppone als Zweifaltigkeit“.

Spitzbübisch bis zuletzt

Schließlich trat der Noch-Bürgermeister Erich Steigerwald selbst ein letztes Mal ans Mikrofon und übergab die Amtskette seinem Stellvertreter Helmut Möhrmann. Steigerwald, spitzbübisch bis zuletzt,  zitierte Manfred Rommel mit der Aussage: „Die Verabschiedung eines verdienten Kommunalbeamten ist wie eine Beerdigung, bei der am Schluss die Leiche noch einmal das Wort ergreift“. Er ging in einem kurzen Rückblick auf seine Anfangszeit als Rathauschef in Loffenau ein, „die alles andere als einfach war, mit meinem Vorgänger habe ich keine drei Sätze gewechselt, eine Amtsübergabe hat nicht stattgefunden“. Die Abschiedsfeier wurde vom Musikverein Loffenau und der Jagdhornbläsergruppe Murgtal musikalisch begleitet.