Eingedeckt: Ludwig Großmann vom Gasthaus zur Krone in Weisenbach freut sich, dass er seine Gäste wieder bekochen kann. Es müssen aber Plätze frei bleiben.       | Foto: Reinhold Bauer

Hygiene-Konzepte sind Pflicht

Re-Start am 18. Mai: Gastronomen im Murgtal freuen sich auf ihre Gäste

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Ab 18. Mai darf die Gastronomie im Land wieder öffnen. Zur Freude der Wirte ist eine schrittweise Öffnung (erst Außen-, dann Innenbereich) vom Tisch. Für den Neustart gelten jedoch strenge Regeln für Gästezahl und Öffnungszeiten.

Darauf hat Ludwig Großmann, der Inhaber des Gasthauses zur Krone in Weisenbach, lange gewartet: Nach dem Corona-Lockdown fährt die Gastronomie ab dem 18. Mai wieder hoch. Unter strengen Auflagen zwar, aber sowohl seinen Biergarten als auch die Wirtschaft darf er dann öffnen. Der schrittweise Re-Start, erst draußen, dann drinnen, ist somit vom Tisch. „Das ist auch gut so“, meint der Weisenbacher, und natürlich sei er froh, jetzt bald wieder loslegen zu können.

Gastronomen fehlen seit Wochen die Einnahmen

„Ich bin bereit“, sagt Ludwig Großmann, der als Vorsitzender der Kreisstelle Gernsbach des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Baden-Württemberg auch Ansprechpartner für 72 Mitgliedsbetriebe von Rotenfels bis Hundsbach ist. „Wir haben Kollegen, die zahlen 150.000 Euro Miete und sind seit acht Wochen ohne Einnahmen. Ich hoffe, dass alle da heil raus kommen.“

Ab dem 18. Mai dürfen Biergärten und Gaststätten wieder öffnen. Allerdings sind strenge Hygiene-Regeln einzuhalten.

Platz für 50 Personen bietet der Außenbereich des Gasthaus zur Krone, inklusive Blick auf den gegenüberliegenden Weinberg. Weitere 50 Gäste kann Großmann in seiner Wirtschaft sowie dem Nebenzimmer bekochen. „Wir haben einen großen Saal und können die Leute auseinander setzen. Im Biergarten können wir die Tische umstellen, dann bleibt es bei dieser Kapazität“, sagt der Weisenbacher.

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Re-Start mit begrenzten Öffnungszeiten und Reservierungspflicht

Das dürfte nicht bei allen seinen Kollegen so sein, denn die Gästezahl wird ebenso begrenzt sein wie die Öffnungszeiten. Außerdem gibt es eine Reservierungspflicht, auch müssen die Betriebe das Abstandhalten sicherstellen und ein Hygiene-Konzept ausarbeiten. Das sieht er ebenso als eine Herausforderung wie zu erwartende häufigere Tests. Ludwig Großmann führt den Betrieb mit seiner Frau, als Unterstützung haben sie zehn Aushilfen. „Bevor es losgeht“, so Großmann, „müssen wir mit dem Personal erst einmal eine Hygieneregeln-Checkliste durchgehen.“

Viele sind verunsichert, ich hoffe aber, dass die Gäste uns treu bleiben.

Ludwig Großmann, Inhaber Gasthaus zur Krone Weisenbach

Dass Restaurants und Gaststätten nach der Krise einen Boom erleben werden, davon ist der Krone-Chef nicht unbedingt überzeugt. „Da müssen wir erst einmal abwarten. Viele sind verunsichert, ich hoffe aber, dass die Gäste uns treu bleiben.“ Er rechnet für die nächste Zeit mit einer Auslastung von 50 bis 60 Prozent.

Restaurants versuchen verlorenen Umsatz aufzuholen

„Es wird schwierig sein, die Angst aus den Köpfen zu bekommen, dass die Leute wieder dorthin gehen, wo jemand ist“, vermutet auch Jutta Marko, Betreiberin der Restauration Brüderlin Gernsbach. Froh ist sie, dass sie gleich draußen und drinnen wieder öffnen kann. Sie hat nur einen kleinen Außenbereich mit vier Tischen, im Lokal kann sie ihre Gäste an sieben Tischen bewirten.

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„Ich bin schon dabei, wenn’s losgeht, aber es ist ein wirtschaftliches Rechenexempel.“ Eine kleinere Speisekarte werde sie dann anbieten. Und sie denkt über erweiterte Öffnungszeiten nach. „Für mich ist das doppelt schwierig. Ich bin allein und brauche sofort zwei Leute Personal.“ Bisher hat die Restauration Brüderlin im Herzen der Gernsbacher Altstadt unterhalb des alten Rathauses erst abends geöffnet. „Jetzt mache ich vielleicht schon mittags auf. Damit etwas ’reinkommt“, so Marko.

Die Leute sind noch immer etwas vorsichtig.

Robin Schneider, Mitbetreiber von Schmausers Sportgaststätte Ottenau

Ob der Re-Start die ersehnte Perspektive ist, das sei schwer zu sagen, meint Robin Schneider. Mit Matthias Schmauser betreibt er seit zwei Jahren Schmausers Sportgaststätte in Ottenau. „Die Leute sind noch immer etwas vorsichtig“, so Schneider. Noch wisse man nicht genau, was in puncto Hygiene-Regeln gemacht werden müsse und ob beispielsweise der Außenbereich vergrößert werden könne. Schneider: „Wir haben einen riesen Parkplatz und würden Biertische vom Verein bekommen, um die Kapazität zu erhöhen.“

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Unabhängig von der bevorstehenden Wiedereröffnung läuft der Abholservice Schmausers to go weiter. „Das kommt gut an“, sagt Schneider, „wir brauchen aber viel Zeit zum Vorbereiten und jede Menge Verpackungsmaterial, das auch nicht billig ist.“ Für die Jung-Gastronomen zählt jeder Cent, viele Rücklagen haben sie nicht.

Viele Gastronomen haben Soforthilfe beantragt – aber noch nicht bekommen

Die einmalige Soforthilfe von 9.000 Euro haben sie beantragt, aber wie auch Jutta Marko noch nicht bekommen. Steuer, Strom, Gas, alles ist gestundet, die private Altersvorsorge liege auf Eis und ein Kfw-Kredit müsse noch abbezahlt werden. „Wir können schon noch durchhalten, aber wenn dann ein riesen Schuldenberg anwächst, ist das auch eine extrem psychisch Belastung“, verdeutlicht Schneider.

Zwei hier, zwei da, das wollen die Leute nicht. Die wollen sich zusammensetzen.

Agostino Mimmo, Chef des Ristorante Toni’s Pizzeria Gaggenau

„Die Abstände sind schwer umzusetzen“, sieht Agostino Mimmo, Chef des Ristorante Toni’s Pizzeria in Gaggenau die Lockerungen mit einem lachenden und weinenden Auge. „Von 50 Plätzen innen und 50 außen bleibt nur die Hälfte übrig. Die Leute kommen mittags in Gruppen aus dem Büro. Zwei hier, zwei da, das wollen die nicht, aber ich kann sie nicht zusammensetzen.“ Nein, glücklich sei er damit nicht. „Ich habe große Tische, das Personal muss da sein – der Umsatz aber fehlt.“ Und das mit der Maskenpflicht, meint er, sei im Lokal auch eine komplizierte Sache.

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Kommentar: Ein Lichtblick

Jetzt also haben auch die Gastronomie und Hotellerie im Ländle Klarheit über den Fahrplan aus dem wochenlangen Corona-Stillstand. Restaurants öffnen ab dem 18. Mai wieder, am 29. Mai folgen die Hotels. Dass Außengastronomie und die Innenbereiche der Lokale am gleichen Tag geöffnet werden dürfen ist ein Lichtblick und wird nicht nur vom Hotel- und Gaststättenverband, auch von den Wirten im Murgtal begrüßt. Diese Bündelung erspart ihnen viele Probleme, die sich beim zeitversetzen Re-Start für sie ergeben hätten. Abgesehen davon: Betriebe ohne Biergarten wären schlichtweg benachteiligt gewesen.

Klar ist, wie beim Friseurbesuch wird sich für Mitarbeiter und Restaurantbesucher durch die Corona-Krise einiges ändern. Neben der Einschränkungen von Öffnungszeiten und Begrenzung von Gästezahlen müssen die Betriebe jetzt individuelle Hygiene-Konzepte ausarbeiten. Das könnte so aussehen: Markierungen auf dem Boden, um Mindestabstände beim Gang durchs Lokal einzuhalten. Eingeschweißte Speisekarten (die nach jeder Benutzung desinfiziert werden). Einmal- statt Stoffservietten. Personenbeschränkungen in den Toilettenräumen, Masken für Kellner und Küchenpersonal sowie für Gäste beim Betreten und Verlassen des Lokals.

Doch auch wenn der Relax-Faktor im Stammlokal oder Biergarten ein anderer sein wird, als vor der Pandemie: Die Restaurantbetreiber wollen wieder loslegen. Sie setzen auf ihre Gäste. Gerade jetzt, in dieser schweren Zeit, in der viele von ihnen vom Aus bedroht sind.