Sylvia Felder.
Sylvia Felder. | Foto: Archiv/pr

BNN-Interview

Sylvia Felder: „Ich will nicht als Quotenfrau durchgehen“

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Die Kommunalpolitik ist männlich: Im Landkreis Rastatt amtieren gerade zwei Bürgermeisterinnen, in den Gemeinderäten sitzen wenige Frauen. Zu ihnen zählt Sylvia Felder. Die CDU-Landtagsabgeordnete und künftige Regierungspräsidentin engagiert sich im Ratsgremium ihrer Heimatstadt Gernsbach.

Mit BNN-Redakteur Dominic Körner sprach die 52-Jährige anlässlich des Internationalen Frauentags über die Stärken der Frauen in der Politik, weibliche Selbstzweifel und das männliche Ego.

 

Frau Felder, nicht einmal jeder dritte Stadtrat im Landkreis ist weiblich. Warum sind Frauen in der Kommunalpolitik noch immer derart unterrepräsentiert?

Felder: Einige schrecken vor einer Kandidatur zurück, weil viele Fraktionen eben männerlastig sind. Oft fragen Frauen: Wer tritt denn noch für euch an? Und wenn ich dann lauter Männer aufzähle, dann winken sie ab. Oder es heißt: Wenn ich nicht gewählt werde, empfinde ich das als Niederlage, dazu besteht aber kein Anlass.

Sind Männer also selbstbewusster?

Felder: Sie haben bisweilen weniger Selbstzweifel, aber auch das größere Ego frei nach dem Motto: Es wurde zwar alles schon gesagt, nur noch nicht von mir. Frauen sind in Debatten oft pragmatischer, zielorientierter, klarer. Sie sind dann selbstsicher, wenn sie sich geschätzt fühlen. Männer brauchen das weniger, die bluffen bisweilen besser.

Wie haben Sie sich unter Männern behauptet?

Felder: Ich kenne es ja nicht anders, schon als Jugendliche in der Jungen Union war ich eine der wenigen Frauen. In der Politik ist es auch relevant, wie man sich verkauft, auftritt, überzeugt, und das musste ich erst lernen. Als 1999 ein neuer CDU-Kreisvorsitzender gesucht wurde, sagte ich, ich könne mir das vorstellen. Der damalige Vorsitzende, Staatssekretär a.D. Roland Gerstner, nahm mich vor der entscheidenden Vorstandssitzung zur Seite und gab mir den bis heute guten Rat: „Einverstanden. Aber wenn Sie da reingehen, dann sagen Sie: Ich will das, ich kann das, ich mache das.‘“ Kandidieren kann man nicht im Konjunktiv. Wer nicht überzeugt ist, kann andere nicht überzeugen.

Offenbar haben Sie den Vorstand von sich überzeugt, schließlich waren Sie insgesamt 14 Jahre lang Kreisvorsitzende. Fühlten Sie sich von den männlichen Politikern von Beginn an ernstgenommen?

Sylvia Felder 2013 mit Alexander Becker beim Kreisparteitag in der Badner Halle Rastatt.
Sylvia Felder 2013 mit Alexander Becker beim Kreisparteitag in der Badner Halle Rastatt. | Foto: Collet

Felder: Ich hatte immer den Eindruck, dass meine Arbeit wertgeschätzt und akzeptiert wurde, wobei das ja keine Einbahnstraße ist. Das trifft aber sicher nicht auf alle Politikerinnen zu. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Frauen interessieren sich weniger für Kommunalpolitik als Männer.

Tatsächlich?

Felder: Ja. Und das obwohl viele kommunale Themen Frauen noch stärker als Männer betreffen. Sie sind viel unmittelbarer in ihrem direkten Lebensumfeld verankert und haben einen Blick für relevante Faktoren wie das Kita- und Schulangebot; sie organisieren Kindergartenfeste und schmeißen den Elternabend und bringen sich in die Vereine ein. Es muss doch gelingen, aus Ehrenämtern dann auch in politische Mandate zu kommen.

Gibt es Ansatzpunkte?

Felder: Man muss ihr Interesse wecken, aber auch passendere, familienfreundlichere Strukturen schaffen. Als junge Mutter habe ich auch deshalb für den Kreistag kandidiert, weil die Sitzungen nachmittags stattfinden und ich anschließend die Kinder ins Bett bringen konnte. Der Gemeinderat tagt noch immer am Abend, vielleicht muss man das überdenken. Immerhin haben die meisten Kommunen eine Babysitter-Pauschale für die Sitzungszeit verabschiedet – im Gernsbacher Gemeinderat gab schon das Diskussionen. Aber auch das ist nur ein Anfang, da braucht es noch mehr.

Stichwort Frauenquote: Können Gremien und Parlamente dadurch weiblicher werden?

Felder: Ich bin von einer Quote nicht begeistert. Ich will nicht als Quotenfrau durchgehen, sondern etwas erreichen, weil ich gut bin. Leidenschaft und Augenmaß. Liebe Frauen, habt Vertrauen in euer Können, es gibt 365 Frauentage.

Sie sind Landtagsabgeordnete und designierte Regierungspräsidentin. Ihr Mann ist Personalchef eines Maschinenbaukonzerns. Wer gibt zu Hause den Ton an?

Felder: Sagen wir es so: Wir ergänzen uns gut. Und wissen Sie was? Ich bin tatsächlich für einige klassische Männeraufgaben zuständig, zum Beispiel Handwerksarbeiten. Mein Mann macht lieber den Garten, da halte ich mich gerne raus.