Selbst erstellt: Systemprogrammierer Ivica Stjepanovic braucht je nach Visier bis zu dreieinhalb Stunden pro Druck. | Foto: Krause-Dimmock

Schutz gegen Corona

Systemprogrammierer erstellt Gesichtsvisiere

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Systemprogrammierer Ivica Stjepanovic arbeitet aktuell in Kurzarbeit. In seiner freien Zeit stellt er Gesichtsvisiere für Arztpraxen her. Auch eine Kieferorthopädie-Praxis aus Baden-Baden fertigt ihren Schutz mit zwei 3D-Druckern selbst.

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock

Systemprogrammierer ist Ivica Stjepanovic im Berufsleben. Weil er von seinem Arbeitgeber in Kurzarbeit geschickt wurde, hat sich der Vater von drei kleinen Kindern Gedanken gemacht, wie er in der gegenwärtigen Situation etwas Nützliches für die Gesellschaft leisten kann. Lange brauchte er nicht zu suchen. Er schaute sich im Internet um und gehört seit kurzem zu den Menschen, die sich daran machen, Gesichtsvisiere herzustellen. Und zwar im 3D-Druckverfahren.

Ganz alleine macht er das nicht. „Mein Kollege Andreas Albiez aus Steinbach hat auch ein solches Gerät und macht mit.“ Dabei sei der eigentliche Zusammenbau noch das Einfachste, erklärt Ivica Stjepanovic. „Das dauert vielleicht eine Minute.“ Weitaus zeitintensiver sei der Druck der Teile. Dafür benötige er – je nach Ausführung – bis zu dreieinhalb Stunden pro Stück.

Die Nachfrage bei den Arztpraxen ist hoch

Die Nachfrage ist immens, erzählt er von seinem Angebot, das er via Facebook auf der Gaggenau-Seite platziert hatte. Mit ein paar Anfragen hatte er lediglich gerechnet, nicht aber mit der großen Flut an Bestellwünschen, die ihn sofort erreichte. „Deshalb habe ich mich erst einmal aufs Murgtal beschränkt.“

Haus- und Zahnärzte in Gernsbach, Gaggenau, Hörden und Forbach hat er bereits beliefert. Doch der Bedarf reißt nicht ab. Noch kommt er mit der Beschaffung des Rohmaterials nach. Das alles finanziere er aus eigener Tasche und ist in den Zeiten der akuten Not ein willkommener Helfer.

Aber bringen denn diese hausgefertigten Masken etwas? Antworten darauf gibt es in vielfältiger Weise, nämlich von den Praxen, die er bereits beliefert. Der Aufwand sei zwar erheblich. Doch der Vorteil der von ihm gewählten Masken liege in der Wiederverwendbarkeit. So ließen sich etwa die Folien, welche das Gesicht schützen, problemlos austauschen, erklärt er.

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Baden-Badener Kieferorthopädin schreitet zur Selbsthilfe

Der gleiche Denkansatz, den auch Ivica Stjepanovic hatte, wird auch an anderer Stelle in die Tat umgesetzt. Verschiedene befreundete Unternehmen schlossen sich der Kieferorthopädin Claudia Obijou-Kohlhas an, die aus der Not heraus zur Selbsthilfe schritt. Auch diese Gruppe stellt entsprechende Visiere mit 3D-Druckern her.

„Wir bekommen im Augenblick einfach nichts“, sagt Obijou-Kohlhas. Sie und ihr Ehemann Peter, mit dem sie die Praxis betreibt, haben keine andere Möglichkeit gesehen, um das dringend benötigte Material zu bekommen. In ihrer Praxis wird ohnehin mit zwei 3D-Druckern gearbeitet. Da lag die Idee quasi auf der Hand. Es wurde bereits vor Wochen begonnen gemeinsam zu tüfteln und zu planen. Und jetzt sind die 3D-Drucker ganz auf die Maskenproduktion eingestellt.

Das Gute ist, dass sie gleichermaßen den Arzt und die Patienten schützen.

Claudia Obijou-Kohlhas, Kieferorthopädin aus Baden-Baden

„Gerade für Zahnärzte sind diese Schutzvisiere eine vergleichsweise schnelle und preisgünstige Lösung.“ Denn sie seien so konstruiert, dass darunter eine sogenannte Lupenbrille getragen werden kann. Sinn machen sie jedoch auch in anderen medizinischen Fachrichtungen. Obijou-Kohlhas berichtet von anderen Zahnmedizinern, von Hausärzten und Gynäkologen, die sie mit den fertigen 3D-gedruckten Visierbrillen beliefern. „Das Gute ist, dass sie gleichermaßen den Arzt und die Patienten schützen“, sagt Obijou-Kohlhas.

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Gummibänder werden knapp

Ein Problem sieht sie allerdings schon: „Wir haben Not, an das erforderliche Material zu kommen.“ Sie habe schon ihren gesamtem Bekanntenkreis um Gummibänder aus deren privaten Beständen gebeten. „Wer so etwas noch zu Hause hat, der darf uns herzlich gerne damit bedenken. Wir nehmen alles, was wir bekommen können“, sagt Obijou-Kohlhas.

Sie verbringt im Augenblick viel Zeit am Telefon, um Liefermöglichkeiten auszuloten. Vor allem aber ruft die Gruppe ganz allgemein Besitzer von 3D-Druckern dazu auf, sich anzuschließen, um gemeinsam noch effizienter produzieren zu können.

Materialspenden wie beispielsweise 15 Millimeter breites Gummiband oder 200 Mikron-Folien können unter reiner.hiss@hissit.de angemeldet werden.