Noch im Rennen ist Oliwia Czerniec (rechts) in der aktuellen Staffel von „The Voice Kids“. Am 8. April ist die junge Gernsbacherin wieder im Fernsehen zu sehen. | Foto: Sat 1/Andre Kowalski

Umfrage im Murgtal

Taugt „The Voice“ als Karriererampe?

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Von Philip Romeo
Für die Fans von Oliwia Czerniec wird es am 8. April spannend. Um 20.15 Uhr strahlt SAT.1 das Halbfinale der Castingshow „The Voice Kids“ (TVK) aus. Mit dabei: Die 13-Jährige aus Gernsbach. Bühnenerfahrung bei „The Voice“ konnte auch schon der Murgtäler Sänger Mario Götz sammeln, der 2017 in der ersten Runde ausgeschieden ist. Doch welche Chancen und Risiken bringen Auftritte in Castingshows mit sich – gerade für Kinder? Die Meinungen darüber gehen unter Musikkennern im Murgtal auseinander.

Warnung vor zu großem Druck

Götz hält Castingshows für weitgehend unbedenklich: „Solange man alles nur als einen großen Spaß sieht, geht das in Ordnung“. Grundsätzlich komme es auf die Einstellung jedes Teilnehmers an. Man solle sich nicht zu viel Druck machen, zu gewinnen. Auch die Sichtweise der Eltern auf die Show sei wichtig, betont der Gernsbacher: „Sie dürfen ihrem Kind nicht zu große Hoffnung machen.“

Zum Gewinnen sei nicht nur Talent und gutes Aussehen wichtig, sondern auch viel Glück. Er warnt vor falschen Erwartungen, die das Fernsehen von der Musikbranche vermittele. Als Sprungbrett für eine musikalische Karriere eigne sich „The Voice“ nicht, ist Götz überzeugt.

Sender trägt Verantwortung

Auch Heidrun Haendle, Kulturamtsleiterin in Gaggenau, findet, dass der Sieg in der Show nicht direkt den musikalischen Durchbruch bedeutet. Viel Erfahrung sei nötig, um dem Druck während der Sendung standzuhalten. Auch bei Erfolg sei die musikalische Ausbildung noch nicht beendet. Außerdem sollten die schulischen Leistungen nicht unter der Teilnahme leiden.

Der große Wurf gelang Mario Götz bei „The Voice“ nicht. Im Murgtal ist der Sänger bekannt wie ein bunter Hund. | Foto: Keller

Man dürfe sich nicht auf den „Hype“ verlassen. „Am besten ist es, wenn man die Show als Spiel sieht“, sagt Haendle. Ansonsten sei die Enttäuschung nach dem Ausscheiden zu groß. Hier trage der Sender große Verantwortung den Kindern gegenüber. Ausschlaggebend für Sieg oder Niederlage sind für sie vor allem die Ausstrahlung auf der Bühne und das Können eines Kandidaten.

Das Showbusiness kann sehr kurzlebig sein.

Ein starker Wille und vor allem eine dicke Haut ist laut Gerald Sänger, Lehrer an der Musikschule Gaggenau, entscheidend. Auch wenn es möglich sei, sich durch „The Voice Kids“ eine Musikerkarriere aufzubauen, sei dies für Kinder zu früh. Sänger teilt Haendles Ansicht, dass die Bildung nicht vernachlässigt werden dürfe, „das Showbusiness kann sehr kurzlebig sein.“ Von Musik-Castingshows, hält er generell nichts: „Wenn man gegeneinander Musik macht, ist das schlecht.“

Kalkuliertes Risiko bei „The Voice“

Der Leiter der Musikschule Murgtal, Werner Roth, ist anderer Meinung: Wettbewerbe seien von großer Bedeutung, unter anderem, um Bühnenerfahrung zu sammeln. Dies sei aber auch bei kleineren Veranstaltungen wie Schulfesten möglich. Die Teilnahme an „The Voice“ sei ein „kalkuliertes Risiko“, jeder Kandidat müsse damit rechnen „rauszufliegen“. Für Roth ist der Sieg von Oliwia denkbar. Man solle aber ihre bisherige Leistung bereits als Erfolg ansehen, da die Konkurrenz sehr hart sei.

Musikerkollege drückt die Daumen

Auch Corsin Wörner wünscht Oliwia Glück. Der Keyboarder der Band Endeffekt rät dazu, unabhängig vom Abschneiden nach der Show weiterhin Musik zu machen und sich einer lokalen Band anzuschließen. Man dürfe sich wegen der Kritik eines Prominenten nicht verunsichern lassen. Auch Kritik in Sozialen Medien sollten einen nicht von der Musik abbringen. Durch die gesammelte Erfahrung sei es möglich, größere Bekanntheit zu erlangen und sich eine Karriere als Musiker aufzubauen.