Emotional aufgeladen ist die Diskussion um das Wegekonzept des Nationalparks. Tourismus, Naturschützer, Wanderer und Mountainbiker ziehen nicht immer am selben Strang. | Foto: Kamleitner

Zankapfel Wegekonzept

Andrang bei Forbacher Gemeinderatssitzung

Von Georg Keller

Besucherrekord im Forbacher Gemeinderat: Zahlreiche Bürger, vor allem aus den alten Ortsteilen waren zu der Sitzung am Dienstagabend ins Rathaus gekommen, standen doch mit dem Wegekonzept für den Nationalpark und dem geplanten „Black Forest Experience-Festival“ Hundsbacher Themen auf der Tagesordnung. Auch in Sachen DSL-Breitbandversorgung sind Hundsbach, Erbersbronn und Herrenwies derzeit noch abgehängt.

Nationalpark-Leiter zu Gast

„So viele Wege wie nötig und so wenige wie möglich“, benannte Nationalpark-Leiter Thomas Waldenspuhl das Ziel des Wegekonzepts. „Wir sehen den Nationalpark als eine Chance für die Region“, warb er. Allerdings gebe es auch Einschränkungen. „Der Schutzzweck geht vor das Erholungsrecht“. Im gesamten Nationalpark, nicht nur in der Kernzone, gilt ein Wegegebot. Waldenspuhl begründete dies mit dem Verschlechterungsverbot für bereits vor der Einführung des Nationalparks vorhandenen Schutzgebiete wie etwa den Grinden.

Aktuell 1.600 Kilometer Wege

Das Wegekonzept wurde in Bürger-Workshops erarbeitet und bei Führungen vorgestellt. Es berücksichtigt touristische Gesichtspunkte, auch Rettungswege sind vorgesehen. Im Nationalparkgebiet existieren aktuell 1.600 Kilometer Wege. „Bisher ausgewiesene Wanderwege werden größtenteils übernommen“, informierte der Nationalpark-Leiter. Die Zwei-Meter-Regelung für Radfahrer gelte nicht: „Ein Radfahrer kommt in der Regel relativ schnell“, so Waldenspuhl, dadurch habe er eine andere Annäherung an Tiere als ein Wanderer. Dafür sind alle Asphaltwege und Grenzwege als Radwege ausgewiesen. Temporäre Sperrungen sind möglich etwa während der Auerhahn-Balz. An speziell ausgewiesenen Besucherschwerpunkten wird auch das Betreten des Waldes zulässig sein. Das Konzept sieht 315 Kilometer ausgewiesene Wanderwege, 154 Kilometer Radwege und 50 Kilometer Reitwege vor.

Mountainbiker fordern Gleichberechtigung

Auf 180 Kilometern der Wege ist Mehrfachnutzung vorgesehen, hinzu kommen Winterwanderwege mit 97 Kilometern. „In der Diskussion stört mich, dass Konflikte zwischen einzelnen Nutzergruppen herbeigeredet werden“, erklärte der Hundsbacher CDU-Gemeinderat Andreas Wacker. Er sei sowohl als Mountainbiker als auch als Wanderer mit kleinen Kindern im Wald problemlos unterwegs. Sein Fraktionskollege Jörg Roth kritisierte, dass das Wegegebot auf das gesamte Nationalparkgebiet ausgedehnt wurde. Auch forderte er eine Erschließung der Kernzone im Bereich Nägeliskopf.
In der Bürgerfragestunde hatten sich mehrere Hundsbacher Mountainbiker zu Wort gemeldet, die eine Radverbindung von Hundsbach über die Dreikohlplatte nach Herrenwies forderten. Im Nationalpark Harz seien über 90 Prozent der Wege für Mountainbiker freigegeben, betonten sie und sprachen sich für eine Gleichberechtigung aller Interessensgruppen aus. Auch endeten viele Radwege als Sackgasse, etwa auf der Badener Höhe. Dies erklärte Nationalpark-Chef Thomas Waldenspuhl damit, dass dort der Nationalpark ende und der Murgschifferschaftswald beginne. Zudem sei der Weg unter zwei Metern breit.