Am Dienstag zündet eine Frau an der Unfallstelle eine Kerze an. | Foto: Mandic

Zweites Spendenkonto

Tödlicher Unfall in Gaggenau: Kirche spendet Angehörigen Trost

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In Gaggenau ist die Anteilnahme nach dem tödlichen Unfall riesig: Inzwischen wurde die zweite Spendenaktion ins Leben gerufen, die der Familie nach dem Verlust von Großmutter und Enkel helfen soll.

Die Frau und der sieben Monate alte Säugling waren am Freitagabend in der Goethestraße von einem Auto erfasst und getötet worden. Der Unfallfahrer flüchtete. Ein verdächtiger 47-Jähriger schweigt noch immer.

Familie in Kirchengemeinde aktiv

„Es ist sehr, sehr traurig“, sagt Jakob Nass, Pastor bei der Evangelische-Freikirche-Christusgemeinde in Rastatt, die die zweite Spendenaktion ins Leben gerufen hat. Die große Familie aus Gaggenau ist Mitglied in der freien evangelischen Kirche, der größtenteils Russlanddeutsche aus dem Raum Rastatt angehören. Als gut integriert und beteiligt beschreibt der Pastor die Familie, die Großmutter habe im Kirchenchor mitgesungen, alle seien regelmäßig zu den Gottesdiensten gekommen.

Sie finden Trost im Glauben.

So auch am vergangenen Sonntag. Da habe es im Gottesdienst nur ein Thema gegeben: den Hinterbliebenen beizustehen. „Wir haben versucht, das Programm so zu gestalten, dass wir den Angehörigen Trost spenden können“, erzählt Nass. Nun sei man in den Vorbereitungen für die Beerdigung, die noch diese Woche stattfinden wird. „Die Gemeinde übernimmt und gestaltet das größtenteils“, so der Pastor. Die Kirchengemeinde hat auf ihrer Website eine Traueranzeige veröffentlicht.

Langer Weg zurück zur Normalität

Die ganze Kirchengemeinde sei bestürzt. Die Familie versuche, Fassung zu bewahren, sagt Nass, trotzdem werde es noch sehr lange dauern, bis die Wunden verheilt seien. „Sie finden Trost im Glauben, in Gott“, erzählt der Pastor. Das mache es den Angehörigen vielleicht zumindest ein bisschen einfacher, das Geschehene und den Schock zu verarbeiten.

Trauer am Straßenrand nach tödlichem Unfall.
Viele Menschen drücken mit Kerzen, Blumen und Kuscheltieren an der Unfallstelle ihre Bestürzung aus. | Foto: Haendle

Zwei Anlaufstellen für Spenden

Finanziell unterstützen soll die Familie ein von der Kirchengemeinde kürzlich eingerichtetes Spendenkonto. Das soll vor allem den Mitgliedern der Freikirche und Freunden und Bekannten eine Anlaufstelle zum Helfen geben. Auch die Schwestergemeinden der Kirche in ganz Deutschland seien informiert worden. In dem Blumenladen „City-Florist“ in der Gaggenauer Fußgängerzone läuft bereits seit Anfang der Woche eine Spendenaktion. Bis Mittwochnachmittag um 16 Uhr waren hier bereits über 7000 Euro zusammengekommen.

Die Evangelische-Freikirche-Christusgemeinde in Rastatt besteht aus 170 Mitgliedern aus dem Raum Mittelbaden. Zu den Gottesdiensten kommen regelmäßig zwischen 200 und 250 Gläubige, so Pastor Jakob Nass, zu Gemeindefesten um die 500 Menschen. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. „Wir sind ein sehr gutes und eingespieltes Team“, sagt Nass.