Trauer am Straßenrand nach tödlichem Unfall.
Mit Blumen, Kerzen und Kuscheltieren an der Unfallstelle haben viele Gaggenauer ihre Betroffenheit ausgedrückt. | Foto: Haendle

Tödlicher Unfall in Gaggenau

Verdächtiger schweigt weiter

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Zu dem tragischen Unfall in Gaggenau am Freitagabend, bei dem eine 54-Jährige und ihr Enkel von einem Auto getötet wurden, schweigt der mutmaßliche 47-jährige Fahrer nach wie vor. Der Mann wurde am Dienstagvormittag erneut befragt.

Das berichten das Polizeipräsidium Offenburg und die Staatsanwaltschaft Baden-Baden in einer gemeinsamen Erklärung.

Während die Untersuchungen am Unfallort abgeschlossen sind, dauern die am Unfallfahrzeug noch an. Zu klären ist, ob möglicherweise ein technischer Fehler am Wagen zu dem tragischen Unfall geführt haben könnte. Ein Sachverständiger für Unfallursachenforschung soll den Renault Mégane auf mögliche Mängel untersuchen. Die Untersuchung sei bei derart schweren Unfällen Standard, erklärt Patrick Bergmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg. Einen konkreten Hinweis auf einen solchen technischen Mangel gebe es nicht.

Wer hat das Fahrzeug gelenkt?

Auch, ob die kriminaltechnisch erhobenen Spuren an und im Fahrzeug beweisen können, wer zum Unfallzeitpunkt am Steuer saß, ist noch offen. Die Untersuchungen der sichergestellten Gegenstände stehen noch aus.

Rund ein Dutzend Zeugen hatte sich nach Bekanntwerden des Unfalls durch die Medien bei der Polizei gemeldet. Unklar sei jedoch noch, ob die Aussagen der Zeugen eine Rekonstruktion der folgenschweren Unfallfahrt ermöglichen. Die Polizei spricht von einem „Mosaik“, das es für die Ermittler zu vervollständigen gelte.

Eine Frau zündet am Unfallort in Gaggenau eine Kerze an. | Foto: Mandic | Foto: Mandic

Keine Gründe für U-Haft

Der mutmaßliche Unfallfahrer musste nicht in Untersuchungshaft. „Die Voraussetzungen dafür liegen nicht vor“, erklärt der Erste Staatsanwalt Michael Klose von der Staatsanwaltschaft Baden-Baden. Gründe wären etwa dringender Tatverdacht oder Fluchtgefahr.

Sollten sich die derzeit angenommenen Umstände der Tat als wahr erweisen, würde die Anklage gegen den mutmaßlichen Fahrer fahrlässige Tötung in zwei Fällen sowie Fahrerflucht lauten. Erweisen sich die Bluttests als positiv, käme noch Trunkenheit am Steuer hinzu.

Bewährungsstrafe wahrscheinlich

Unterschieden werde müsse bei der fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr zwischen Delikten wie dem Nehmen der Vorfahrt und groben Verkehrsverstößen, bei denen eventuell noch Drogen im Spiel waren, so Klose weiter. Hinzu komme die Sozialprognose des Angeklagten, also Faktoren wie Arbeitsplatz und Familie und das Vorstrafenregister.

Im Falle einer guten Sozialprognose könne der Unfallfahrer aus Gaggenau mit einer Bewährungsstrafe rechnen und müsse nicht ins Gefängnis, sagt Staatsanwalt Klose.

Für fahrlässige Tötung und Trunkenheit am Steuer sieht das deutsche Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe zwischen einem Monat und fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Auf Fahrerflucht steht eine Freiheitsstrafe zwischen einem Monat und drei Jahren oder eine Geldstrafe. Freiheitsstrafen bis zu einer Dauer von zwei Jahren können zur Bewährung ausgesetzt werden.