Die Kollegen gratulieren: Bürgermeister Toni Huber nach seiner vierten Wahl im September 2017.
Die Kollegen gratulieren: Bürgermeister Toni Huber nach seiner vierten Wahl im September 2017. | Foto: Keller (Archiv)

Vom Bürgermeister zum Landrat

Toni Huber: „Da wird Wehmut dabei sein“

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Nach über 25 Jahren als Bürgermeister verlässt Toni Huber am Monatsende das Rathaus Weisenbach, um am 1. Mai sein Amt als frisch gewählter Landrat des Landkreises Rastatt anzutreten. Erstmals gewählt im Jahr 1993, als er sich gegen vier Mitbewerber durchsetzte, prägte Bürgermeister Huber nachfolgend mehr als drei Amtszeiten lang mit seiner unaufgeregten und sachlichen Art die Geschicke der 2500 Einwohner zählenden Gemeinde.

Bei seiner jüngsten Bürgermeisterwahl – im September 2017 – entfielen auf Alleinkandidat Huber 97,4 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 75 Prozent – beides überragende Werte. Im Interview mit BNN-Redakteur Thomas Dorscheid sagt Toni Huber, was der große Wurf für die Gemeinde gewesen ist, mit welchem Gefühl er sein Dienstzimmer Ende April in Weisenbach verlassen wird und was er im Ort gerne noch angepackt hätte.

Ich erhalte jede Unterstützung bei der Amtsübergabe.

Das Dienstzimmer des Landrates in Rastatt, das Sie Anfang Mai beziehen werden, dürften Sie bereits gut kennen, weil es jetzt schon viele Gespräche mit Landrat Jürgen Bäuerle mit Blick auf die Übergabe der Amtsgeschäfte gibt…

Huber: Ja, das ist richtig. Ich erhalte jede Unterstützung bei der Amtsübergabe. Das Dienstzimmer kenne ich aber schon seit dem Neubau des Landratsamtes durch viele Besprechungen, an denen ich in meiner Funktion als CDU-Fraktionsvorsitzender teilgenommen habe.

Sie haben sich bereits im März 1994, nach gerade mal 100 Tagen im Amt, für eine Stadtbahn ins Murgtal stark gemacht und in diesem Sinne ausgesprochen früh an ihre Bürgermeisterkollegen appelliert. Heute hat Weisenbach sogar zwei Haltepunkte, die Eilzüge halten im Ort und die Stadtbahn ist nicht mehr wegzudenken…

Huber: Das stimmt. Ich sage immer, es gibt drei große Infrastrukturmaßnahmen, die Weisenbach weitergebracht und gefühlt im Tal nach vorne geschoben haben: Das sind der vierspurige Ausbau der B 462 bis Gaggenau, der Gernsbacher Tunnel und eben der Bau der Stadtbahn.

25 Jahre Dienstzeit kann man nicht so einfach an der Garderobe abgeben.

Mit welchem Gefühl werden Sie Ihr Dienstzimmer im Rathaus zum Monatsende verlassen?

Huber: Da wird schon Wehmut dabei sein. 25 Jahre Dienstzeit kann man nicht so einfach an der Garderobe abgeben. Ich habe in und mit der Gemeinde gelebt und nahezu die Hälfte meines Lebens hier verbracht. Es stimmt mich positiv, dass jetzt schon für das Bürgermeisteramt zwei Bewerbungen mit Verwaltungserfahrung vorliegen. Es ist mir ganz sicher nicht egal, was aus Weisenbach wird.

Nach seiner ersten Wahl in Weisenbach wird Toni Huber im Dezember 1993 vom zweiten Bürgermeisterstellvertreter Anton Miles verpflichtet.
Nach seiner ersten Wahl in Weisenbach wird Toni Huber im Dezember 1993 vom zweiten Bürgermeisterstellvertreter Anton Miles verpflichtet. | Foto: Götz

Gibt es das eine schöne Erlebnis in über 25 Jahren Amtszeit als Bürgermeister von Weisenbach, an das Sie sich spontan erinnern?

Huber: Es gab viele schöne Gelegenheiten, die die unschönen bei Weitem überwogen haben. Da will ich auch gar nichts herausgreifen. Und wenn etwas negativ war, habe ich es vergessen oder verdrängt.

Ein Wunsch von mir war immer die Sanierung der Festhalle.

Was hätten Sie gerne noch in Weisenbach angepackt oder zu Ende geführt?

Huber: Ein Wunsch von mir war immer die Sanierung der Festhalle, die 1923 gebaut wurde. Sie könnte ein Schmuckstück werden, aber die Maßnahme war aus finanziellen Gründen nicht möglich. Es hat zum jeweiligen Zeitpunkt immer eine gemeinsame Abwägung gegeben, was wichtiger war – das waren etwa die Themen Sporthalle oder Weinbergstraße.

Das 2500 Einwohner zählende Weisenbach hat das Einkaufs- und Dienstleistungszentrum am Zimmerplatz. Um ein solches Zentrum dürften Sie viele Bürgermeisterkollegen anderer kleiner Gemeinden beneiden…

Huber: Das Zentrum war und ist in der Tat der große Wurf für Weisenbach. In Bürgergesprächen wird regelmäßig die gute Infrastruktur im Ort gelobt. Wir haben ein Lebensmittelgeschäft, drei Ärztinnen und einen Zahnarzt, eine Apotheke, Praxen für Physiotherapie und Ergotherapie, und zwei Banken im Ort sind auch keine Selbstverständlichkeit. Eine meiner größten Sorgen war der Fortbestand der medizinischen Versorgung in Weisenbach und ich bin froh, dass es gelungen ist, diese sicherzustellen. Mit drei Ärztinnen ist Weisenbach hervorragend versorgt, und das ist für die Gemeinde extrem wichtig. Eine wichtige Erkenntnis hierbei: Man darf nicht darauf warten, dass jemand kommt, sondern man muss von sich aus aktiv werden. Für den unternehmerischen Mut von Dr. Gerlach bin ich sehr dankbar.

Ob etwas anders hätte laufen sollen, müssen letztlich andere beurteilen.

Gibt es etwas, das Sie – im Nachhinein betrachtet – anders oder besser hätten machen sollen?

Huber: Ich bin eigentlich mit dem, was ich in all den Jahren gemacht habe, zufrieden. Ich habe es in einer Form gemacht, von der ich überzeugt war, dass es so richtig ist. Es konnte auch immer im guten Konsens der Verwaltung mit dem Gemeinderat gehandelt werden, wobei mir die Bürgerbeteiligung immer wichtig gewesen ist. Aber ob etwas anders hätte laufen sollen, müssen letztlich andere beurteilen.

Können Sie sich noch erinnern, welche zwei wichtigen Themen im Januar 1994 bei der ersten Gemeinderatssitzung in Weisenbach unter Ihrem Vorsitz im Mittelpunkt standen?

Huber: Ich könnte mir vorstellen, dass der Bau der Sportanlage Thema war wie auch die Kindergärten. Letzteres war auch Thema im Bürgermeisterwahlkampf (beides ist richtig, Anmerkung der Redaktion).

Letzte Frage: Wie würden Sie einem Außenstehenden, der nicht aus der Region kommt, die Gemeinde Weisenbach in einem Satz vorstellen?

Huber: Weisenbach ist eine liebens- und lebenswerte Gemeinde im Herzen des Murgtals.