Im Höhengebiet des Murgtals ist dieser Wolf im Juni in eine Fotofalle getappt. Möglicherweise hat ihn nun ein Spaziergänger in Loffenau beim Abendmahl gestört. | Foto: FVA Baden-Württemberg

Fund in Loffenau

Totes Rehkitz im Murgtal: War es der Wolf?

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Am Freitagabend hat ein Spaziergänger in Loffenau den übel zugerichteten Körper eines toten Rehkitzes entdeckt. Der erste Gedanke liegt nahe: War es der Wolf, der schon seit längerem durch das Murgtal streift? 

Es klingt spannend, was der Spaziergänger aus Gernsbach erzählt: Der Mann, der angesichts der Brisanz des Themas lieber anonym bleiben möchte, berichtet, dass er am Freitagabend mit seiner Lebensgefährtin auf der Anhöhe westlich von Loffenau ein totes Reh entdeckt hat. „Ich habe gerade noch gesehen, wie der Wolf sich über die Böschung davongemacht hat„, erzählt der Mann im Gespräch mit den BNN. Die Knochen des Rehs seien sauber durchgebissen gewesen, das Tier geradezu ausgeweidet: „Das Reh war komplett leer“ – ein grausamer Anblick, von dem der Mann auch kein Foto veröffentlichen möchte: „Das sieht grausig aus, das kann man nicht zeigen“, sagt der Spaziergänger aus Gernsbach. Er ist sich sicher, was er gesehen hat: „Es war dämmerig, aber ich habe den Wolf als solchen erkannt.“

Wildtierbeauftragter ist informiert

Der Spaziergänger tat genau das Richtige: Er sorgte dafür, dass Martin Hauser, Wildtierbeauftragter des Landkreises Rastatt, über den Fund informiert wird. „Der Spaziergänger hat sich nach dem Handlungsleitfaden Wolf absolut korrekt verhalten“ sagt Hauser: Der besagt, dass gerissene Wildtiere dem Wildtierbeauftragten gemeldet werden sollen, der dann im Zweifelsfall anhand von DNA-Proben am toten Tier untersuchen lässt, ob da eventuell ein Wolf am Werk war. Diese Untersuchung könnte im aktuellen Fall aber nicht ganz einfach werden, meint Hauser. „Ob an dem toten Rehkitz überhaupt verwertbare DNA gefunden wird, muss zuerst überprüft werden“, sagt er. Außerdem sei so eine Untersuchung, um die sich das Institut Senckenberg mit Hauptsitz in Görlitz (Sachsen) kümmert, auch sehr teuer. Ob sie sich am Ende dann überhaupt rentiert, stehe noch nicht fest.

Schwaches Rehkitz starb im Zaun

Allgemein beschwichtigt der Wildtierbeauftragte: Das etwa einjährige, tote Rehkitz sei sehr schwach gewesen, wog nur etwa sechs Kilo. Ob tatsächlich ein Wolf an dem Kadaver gefressen hat, stünde noch nicht fest. Klar ist aber wohl, dass zumindest die Todesursache des jungen Tieres kein Angriff irgendeines Raubtieres war. Stattdessen hatte es sich wohl in dem Zaun verfangen und war dort gestorben. „Das belegen die Würgemale am Hals des Rehs. Eindeutige Bissspuren wurden bisher nicht entdeckt“, sagt Hauser.

Zudem habe das tote Reh einen „abgenagten“ Eindruck gemacht – ein Wolf allerdings würde seine Opfer eher „mit Haut und Haaren“ fressen. „Das typische Wolfsbild ist nicht zu erkennen“, sagt der Experte, der aber dennoch alle Möglichkeiten offenlässt: „Wir haben einen Wolf in der Gegend, das wissen wir, deshalb können wir das nicht ausschließen.“