Umstrittenes Projekt: Der Einsatz von Lastwagen an Oberleitungen – hier ein Bild von einer Teststrecke in Brandenburg – ist ab 2020 im Murgtal geplant. | Foto: Settnik

Oberleitungs-Lkw im Murgtal

Verkehrsbehinderungen durch „eWayBW“ sollen im Rahmen bleiben

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Das baden-württembergische Verkehrsministerium hat im Zusammenhang mit dem geplanten „eWayBW“-Projekt im Murgtal zugesichert, die Verkehrsbehinderungen möglichst gering halten zu wollen. Man werde eng mit den betroffenen Kommunen zusammenarbeiten. Beim Gedankenaustausch am Dienstag in Stuttgart, dem Regierungspräsidentin Nicolette Kressl, Gaggenaus OB Christof Florus, Gemeinderäte der Benz-Stadt und Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Rastatt teilnahmen, brachten Ministerialvertreter eine Baustellenkommission ins Gespräch, in die kommunale Vertreter ihre Anliegen einbringen können.

Ministerium sichert Unterstützung zu

Für eine Entlastung der Verkehrssituation auf der B462 will sich das Ministerium nach eigenen Angaben für einen baldigen Ausbau des Autobahnanschlusses Rastatt-Nord einsetzen. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Gaggenauer Stadtverwaltung hervor. Für den Wunsch nach einem geeigneten größeren Lkw-Rastplatz an der B462 wurde demnach Unterstützung für eine Standortsondierung zugesagt. Der Gaggenauer Gemeinderat will sich nun intern mit den Eindrücken aus dem Gespräch mit dem Verkehrsministerium befassen und sich über das weitere Vorgehen abstimmen.

Nicolette Kressl erläuterte den aktuellen Stand des Verfahrens. Am 18. September wurde seitens des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe der Verzicht auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung erklärt. Nach Ablauf der Veröffentlichungsfrist kann ab 18. Oktober der vom Verkehrsministerium angestrebte Absehensentscheid erteilt werden, der den Verzicht auf ein förmliches Planfeststellungsverfahren beinhaltet.

Geteiltes Echo auf „eWayBW“

In einer laut der Stadt Gaggenau „sehr sachlichen und guten Gesprächsatmosphäre“ wurden das Für und Wider des Projekts, das – wie berichtet – einen Testbetrieb von Oberleitungs-Lkw zwischen Kuppenheim und Obertsrot vorsieht, nochmals eingehend erörtert. Angeführt wurde seitens der Gaggenauer Delegation die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Erprobung im Murgtal, wo man bereits zu Beginn von einer Unwirtschaftlichkeit ausgehe. Des Weiteren wurde vor allem auf die verkehrlichen Belastungen in der Errichtungsphase ohne große Ausweichmöglichkeiten sowie die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes hingewiesen. Auch deshalb hatte sich der Gaggenauer Gemeinderat gegen eine Realisierung des Projekts ausgesprochen, das im Murgtal auf ein geteiltes Echo gestoßen ist.

SPD bewertet Gespräche als Erfolg

Auch Jonas Weber, SPD-Landtagsabgeordneter aus dem Landkreis Rastatt, nahm an den Gesprächen im Verkehrsministerium teil. Im Anschluss daran betonte er in einer Stellungnahme, „dass vor der Kür die Pflicht steht.“ Zwar könne er verstehen, dass das Land an einem Pilotprojekt für moderne Mobilität interessiert sei. Jedoch könne ein solches „Prestigeprojekt nicht vor die drängenden Hausaufgaben gestellt“ werden. Für die SPD sei wichtig, dass die Anschlussstelle an die A5 „Rastatt-Nord“ und ein Lkw-Rasthof eine höhere Priorität als die Teststrecke genössen.

Über Oberleitungen können Lastwagen Strom beziehen. Gleichzeitig lädt eine Batterie, die dem Lkw eine emissionsfreie Weiterfahrt nach Ende der Leitungen ermöglicht. | Foto: Settnik

Zuspruch erntet Weber von den SPD-Stadträten Stefan Schwaab und Gerd Pfrommer, die Teil der Gaggenauer Delegation waren. In Anbetracht der Zugeständnisse des Verkehrsministeriums bewerten die Sozialdemokraten den Termin in Stuttgart als „Erfolg“.

Testbetrieb beginnt 2020

Auf der 18 Kilometer langen Pilotstrecke zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot werden ab 2019 drei Abschnitte mit einer Länge von insgesamt knapp sechs Kilometern elektrifiziert. Lastwagen können über die Oberleitungen Strom beziehen. Gleichzeitig lädt eine Batterie, die dem Lkw eine emissionsfreie Weiterfahrt nach Beenden der Oberleitung ermöglicht. Die Testphase soll 2020 beginnen.