Unfälle
Ablenkung am Steuer: Unverändert viele Verkehrsteilnehmer nutzen ihr Handy am Steuer. Die Polizei appelliert deshalb an die Vernunft der Fahrer. | Foto: Hollemann

Murgtäler Verkehrsstatistik

Viele Autofahrer greifen zum Handy

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Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Gaggenau hat 2016 ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht. 1 387 Fälle gingen bei der Polizei ein, was einem Anstieg von 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Allerdings gab Karl Heck, stellvertretender Leiter des Polizeireviers, bei der Präsentation der Verkehrsstatistik zugleich Entwarnung: „Bei der deutlichen Mehrzahl der Unfälle ist niemand verletzt worden“.

Zahl der Unfälle auf Zehn-Jahres-Hoch

Mit Abstand am häufigsten kracht es beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren (26 Prozent) und nach Vorfahrtsverletzungen (24 Prozent). 1 170 Mal kam es lediglich zu Sachschaden, auch dieser Wert ist der höchste seit 2007. Gestiegen ist derweil ebenfalls die Zahl der Unfälle mit Personenschaden (von 202 auf 217). Drei Menschen wurden dabei getötet, einer weniger als im Jahr 2015. Besonders tragisch war der Fall eines neunjährigen Radfahrers. Wie Heck berichtete, verkeilte sich das Rad des Jungens bei der Fahrt in ein Verkehrsschild, weshalb das Kind stürzte und sich tödliche Verletzungen zuzog.

Begleitetes Fahren hat sich bewährt

Keine Sorgen bereitet den Beamten das Begleitete Fahren Minderjähriger, bei dem sich „sehr wenige Unfälle“ ereigneten. „Das Modell hat sich bewährt“, betont Heck. Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren waren 2016 in 129 Verkehrsunfälle verwickelt (-1,5 Prozent), in 83 Fällen waren sie Hauptverursacher.

Viele Kinder werden nicht angeschnallt

151 Mal waren Senioren ab 65 Jahren beteiligt (+23 Prozent), darunter 106 Mal als Verursacher. „Sie fahren zwar meist defensiv, allerdings lässt die Reaktionsschnelligkeit im Alter nach“, erklärt Heck.  Bei sieben Schulwegunfällen gab es im vergangenen Jahr zwei Schwerverletzte. Hauptursache: Das Fahren ohne Gurt. „Viel zu viele Kinder werden von ihren Eltern nach wie vor nicht angeschnallt“, moniert Heck.

E-Bikes bergen Gefahrenpotenzial

Angestiegen ist die Zahl der Unfälle mit Fahrradfahrern (+18,4 Prozent). Dies liege oft an den Radlern selbst, erklärt der stellvertretende Revierleiter. In vielen Fällen missachteten sie Verkehrsregeln, führen auf Gehwegen oder ignorierten rote Ampeln. Die Konsequenz: Bei 41 von insgesamt 58 Unfällen waren sie Hauptverursacher. Problematisch seien ferner die immer beliebter werdenden E-Bikes. „Ihr Fahrverhalten ist anders als bei gewöhnlichen Rädern“, sagt Heck, „außerdem können sie sehr schnell sein“.

Rückgang bei Motorradunfällen

Erfreulicher gestaltet sich das Zahlenwerk bei den Motorradfahrern. Hier gab es einen Rückgang von 87 auf 74 Unfällen. Dieser positive Trend sei allerdings auch auf das nasskalte Frühjahr zurückzuführen, so Heck, in dem viele Motorräder in der Garage geblieben seien. Ein Mann verlor im Juni zwischen Schönmünzach und Raumünzach die Kontrolle über seine Maschine, stürzte schwer und starb noch an der Unfallstelle.

Alkoholsünder meist Ü-30

Weitestgehend konstant geblieben ist die Zahl der Alkoholunfälle (24/2015: 25). Schwerpunkte seien die Vorweihnachts- und Fastnachtszeit, erklärte Heck. Ihm falle auf, „dass junge Fahrer im Umgang mit Alkohol meist vernünftig sind“. Die überwiegende Mehrzahl der Sünder sei älter als 30 Jahre.

Handynutzung bleibt großes Problem

In Sachen Handynutzung am Steuer appelliert die Polizei offenbar vergeblich an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer. Sie sei unverändert ein „großes Problem“, sagte Heck: „Bei Kontrollen gehen uns reihenweise Fahrer ins Netz, die ihr Handy nutzen“.