Auf zwei Rädern fuhr der Rotenfelser Manfred Lindner im Herbst durch Spanien. Dabei boten sich dem heute 60-Jährigen immer wieder beeindruckende Ausblicke, wie hier am Cabo de Gata an der Südküste der Iberischen Halbinsel. | Foto: privat

Rotenfelser radelt durch Spanien

Vom Pass bis in den Großstadtdschungel

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4.860 Kilometer und 50.500 Höhenmeter bei Temperaturunterschieden von fast 40 Grad: Drei Monate lang saß Manfred Lindner im Sattel und erkundete Spanien mit dem Fahrrad. Zum Vergleich: Die „Tour de France“, die indes nur drei Wochen dauert, umfasste zuletzt 3.351 Kilometer. Lindner radelte über die höchste Passstraße Europas, durch Millionen-Metropolen und mit Blick auf Afrika. Auf seiner Tour spulte der Bad Rotenfelser mehr als 100 Kilometer täglich ab und erlebte Temperaturunterschiede von fast 40 Grad.

Trainingslager an der Costa Brava

Anlass für das Abenteuer auf zwei Rädern war sein 60. Geburtstag am 12. November. „Ich wollte mir und anderen beweisen, dass man eine solche Tour auch in meinem Alter und ohne langjährige Rad-Erfahrung schaffen kann“, erklärt Lindner. Gemeinsam mit einem Freund absolvierte er zunächst ein dreiwöchiges Trainingslager an der Costa Brava. Als es Anfang September in Girona auf die große Spanien-Rundfahrt ging, war Lindner dann auf sich allein gestellt.

Ich wollte mir beweisen, dass man eine solche Tour auch in meinem Alter  schaffen kann.

Seine Ausrüstung: Ein knallgelbes Tourenrad, zwei Satteltaschen, ein Koffer und ein Rucksack. Über Barcelona und Tarragona fuhr Lindner ins Landesinnere, bis nach Madrid. Von dort aus über Sevilla und Cádiz bis nach Tarifa, dem Windsurfer-Paradies am Südzipfel Spaniens mit Blick auf die nordafrikanische Küste.

Sattel-Klau in Valencia

Weitere bekannte Stationen seiner Reise waren Cordoba, Almería und Murcia, ehe Lindner nach Valencia gelangte, wo ihm sein einziges, nennenswertes Malheur auf der langen Tour widerfuhr. „Dort wurde mir der Sattel geklaut“, erinnert er sich schmunzelnd, „davon abgesehen war mir fast unheimlich, wie glatt alles lief.“ Nachdem er Ersatz beschafft hatte, gelangte er mit der Fähre nach Mallorca. Die Mittelmeer-Insel erkundete er ebenfalls auf dem Fahrrad, um später, abermals mit dem Schiff, nach Barcelona überzusetzen. Dort endete Manfred Lindners Spanien-Abenteuer schließlich nach insgesamt drei Monaten.

 

Über den höchsten Pass Europas

Neben der gewünschten Erkenntnis, dass in einem normal trainierten 60-Jährigen reichlich Ausdauer schlummert, brachte Lindner viele Erinnerungen mit ins Murgtal, das er pünktlich zu seinem Geburtstag erreichte.

Auf dem Gipfel des „Pico del Veleta“ hatte es gerade noch sechs Grad. Dort liegt die höchste Passstraße Europas. | Foto: privat

Am meisten haben ihn die Berge beeindruckt – und einer ganz besonders: Der „Pico del Veleta“ in der Sierra Nevada. Bei gerade einmal sechs Grad überfuhr Lindner die höchste Passstraße Europas (3.400 Höhenmeter).  „Allein der 50 Kilometer lange Anstieg dauerte sieben Stunden“, erzählt Lindner, „aber der Ausblick war es wert.“  Deutlich wärmer war es im Süden. In Almería schwitzte der Rotenfelser bei mehr als 40 Grad. „Ich musste sehr viel trinken, jeden Tag bis zu sieben Liter“, sagt er.

Plötzlich auf der Schnellstraße

Seine Route hatte Lindner mit Bedacht gewählt: „Ich wollte die Natur bewusst erleben und bin deshalb überwiegend auf Feldwegen und entlang von stillgelegten Bahntrassen gefahren.“ Manchmal habe er über Stunden kein Dorf gesehen.  Eine Herausforderung war die Fahrt in Metropolen wie Madrid und Barcelona. „Manchmal stand ich urplötzlich mit dem Rad auf einer Schnellstraße“, erinnert sich Lindner an einige brenzlige Situationen. Letztlich fand er den Weg in alle Städte, auch nach Sevilla, das ihn am meisten faszinierte. „Das pulsierende Leben auf den Straßen hat mir gefallen und, wie sich Einheimische und Touristen vermischten“, sagt Lindner. Auch die malerische Kleinstadt Ronda in Andalusien und der Quellbereich des Tajo-Flusses in der Provinz Teruel hätten es ihm angetan. „Madrid und Barcelona waren mir dagegen zu überlaufen und touristisch“, sagt er.

Unterstützung vom Arbeitgeber

Die Übernachtungen in Pensionen und Jugendherbergen hatte Lindner, der mit dem iPad Kontakt zur Familie in Gaggenau hielt, vorab gebucht. „Manchmal habe ich am Morgen schwere Beine gehabt“, räumt er zwar ein, „aber ich war unheimlich motiviert, das hat mich getragen.“ Unterstützung erfuhr er von seinem Arbeitgeber, dem Büro Kohlbecker. Drei Monate durfte er freinehmen, sein Vorgesetzter fuhr sogar mit ihm ins Trainingslager.

Gaggenau-Rom in Planung

Mittlerweile hat Lindner eine Lieblingsstrecke im Murgtal, die durchaus anspruchsvoll ist: Von Gaggenau über die Rote Lache zur Schwarzenbach-Talsperre, weiter nach Freudenstadt und über die alte Weinstraße sowie die Teufelsmühle zurück. Sie wird der Familienvater in den kommenden Jahren möglicherweise häufiger fahren. Schließlich ist er in Spanien auf den Geschmack gekommen und plant gedanklich bereits die nächste Tour. Vor der Rente, erklärt Manfred Lindner, wolle er die Alpen mit dem Rad überqueren, „einmal Gaggenau-Rom“. Frau und Kinder werden dann wieder für einige Zeit auf ihn verzichten müssen.