Stefanies Streifzüge
Das Lustschlösschen Favorite in Förch macht gute Laune. Der spätbarocke Bau begeisterte vor 300 Jahren schon Gäste aus aller Welt. Vor allem im ausladenden Garten tummeln sich heute Besucher von fern und nah. | Foto: Stefanie Ender

Stefanies Streifzüge

Von Schloss zu Schloss im Murgtal

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Die gebürtige Oberlausitzerin Stefanie Ender kennt Göttingen, Dresden und Mailand. Dort hat sie studiert. Sie kennt Hamburg, wo sie zuletzt gearbeitet hat. Seit 1. August ist die junge Frau nun Volontärin der BNN. Damit sie auch Baden kennenlernt, haben wir sie auf eine Sommertour geschickt. Vom Kloster Waghäusel zum Karlsruher Grat. Fünfte Etappe: Von Rastatt nach Bad Rotenfels.

Mit touristischer Naivität und Neugier starte ich den fünften Streifzug durch das badische Land. Schnell ziehen mich die prunkvollen Schlösser im Murgtal in ihren Bann. Ich fühle mich auf meiner Wanderung vom Rastatter Schloss bis zum ehemaligen markgräflichen Landsitz in Bad Rotenfels in frühere Zeiten versetzt.

Vormittags verirren sich nur wenige Besucher zum pink leuchtenden Residenzschloss in Rastatt. Eine italienische Familie steht scherzend vor der Erinnerungsstätte für Freiheitsbewegungen, die sich in einem Flügel des Prachtbaus befindet. „Es ist unterschiedlich. Manchmal kommen viele Besucher, manchmal haben wir gar keine“, sagt Martina Schwab, die im Besucherzentrum Karten für Schlossführungen verkauft. Ich reserviere gleich einen geführten Rundgang, den ich mir nach meiner Wanderung gönnen möchte.

Ob die Adligen, die schon früher gern ins barocke Rastatt gekommen sind, auch Führungen bekommen haben? Ich stelle mir die italienische Dame, die im Schlosshof steht, mit zugeschnürter Taille und barockem Ballonkleid vor. Statt sich mit einer Zeitung Frischluft zu wedeln, hat sie einen edlen Fächer. Weiße Handschuhe inklusive. Ein waschechter barocker Hipster eben, der sich ein Festmahl à la Türkenlouis sicher nicht nehmen lassen hätte. Denn wenn der Markgraf einlud, dann gab es rauschende Feste im mit Gold beladenen Festsaal.

Auch ein Besuch ins Lustschlösschen in Förch gehörte für die Vornehmen damals zur Hofmanier. Um zu sehen, ob sich auch der moderne nicht-blaublütige Tourist dorthin verläuft, mache ich mich auf den Weg zum fünf Kilometer entfernten Schloss Favorite. Auf der Strecke nach Förch kommen Wanderer an zahlreichen Restaurants, Eiscafés und Museen vorbei. Für Touristenanstürme ist das Murgtal gewappnet.

Stefanies Streifzüge
Im barocken Schlossgarten Favorite ist an Wochenenden immer viel los. | Foto: Stefanie Ender

Viele Reisende sehe ich allerdings erst, als ich im Schlossgarten ankomme. „An Tagen, an denen die Eremitage geöffnet ist, haben wir sehr viele Besucher“, sagt Kartenverkäuferin Zhijian Hu. Hier im kleinen Schloss, dass der Markgräfin als Vergnügungssitz diente, werden heute viele verschiedene Sprachen gesprochen. So erklärt eine Australierin, dass sie sich gut vorstellen kann, hier zu residieren. Ihrem Reisebegleiter aus Südamerika ist der spätbarocke Bau zu kitschig.

Schon vor 300 Jahren tummelten sich hier im Schatten des ausladenden Gartens internationale Besucher. Denn Sibylla Augusta, die hübsche Frau aus dem Hause Sachsen-Lauenburg, die dem Markgrafen gehörig den Kopf verdrehte und vor den Altar schleppte, nutzte dieses Schloss, um Feiern und Jagden zu veranstalten. Eine aktuelle Ausstellung zeigt, wie der Hof damals hier speiste.

Stefanies Streifzüge
Sogar an den Decken hängt Gold im Rastatter Barockschloss. | Foto: Stefanie Ender

Vorbei an alten Bäumen und einem Liebespärchen, dass dem Namen Lustschloss alle Ehre macht, laufe ich zum Landgut in Bad Rotenfels, das heute als Lehrort für Lehrer, Schüler und Kulturschaffende dient. Kleine Täfelchen auf dem Grundstück erklären, wie hier früher Steinzeug hergestellt wurde. Denn kurz nach Erbauung wurde dieses Schloss als Fabrik umfunktioniert. Die Idee stammte von Luise Caroline, deren Ehemann auch ihr ein Schloss schenkte.

Abgesehen von verschwenderischen Präsenten, schien das Leben damals im Großen und Ganzen nicht viel nobler als heute. Die Reichen aßen sich dick, die Armen hungerten. Mit einem, alle Klassen vereinenden Unterschied: „Damals wusch sich niemand mit Wasser“, erklärt Regina Dem, deren Führung durchs Barockschloss ich folge, als ich schließlich in Rastatt ankomme. Wert auf ein gepflegtes Äußeres hätten die Wohlhabenden gelegt, meint Dem: „Sie benutzten Parfüms und Essenzen. Verständlich bei der miesen Qualität des Wassers, das aus den Brunnen kam.“

Für uns kaum vorstellbar. Acht sprudelnde Brunnen habe ich heute gesichtet und aus einem sogar getrunken. Ohne Nebenwirkungen.