Direkt am Eingang kontrolliert Anne Tenzer vom Kulturamt Gaggenau die Tickets der Besucher.
Direkt am Eingang kontrolliert Anne Tenzer vom Kulturamt Gaggenau die Tickets der Besucher. | Foto: Müller

Hinter den Kulissen

Vor dem Konzert auf der klag-Bühne noch einen Salat

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Sie sind klein, groß, altehrwürdig oder modern. Manche mögen es eher laut, bei den anderen werden leisere Töne angeschlagen: Die Konzerthäuser, Hallen und Theater in der Region locken jährlich tausende Besucher an. In der BNN-Serie werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und beleuchten, wer den Künstlern die Bühne bereitet: dieses Mal die klag-Bühne.

In einem unscheinbaren Hinterhof versteckt sie sich, die klag-Bühne. Ein Aufsteller auf dem Gehsteig kündigt den Künstler an, der am Abend spielt. Wer nicht gezielt danach sucht, könnte den Eingang neben den Müllcontainern fast übersehen. Nichts deutet darauf hin, dass hier schon Stars wie Bülent Ceylan und Rosenstolz ein und ausgingen.

Wie in der Eckkneipe

Doch wer am Abend einen Schritt durch die Eingangstür macht, der ahnt, warum die klag-Bühne bei Besuchern und Künstlern gleichermaßen beliebt ist. Vom grellen Sonnenlicht gelangt man mit einem Schritt in einen in schummriges Licht getauchten Saal. Tische, locker im Raum verteilt wie in einer gemütlichen Eckkneipe, werden von roten Samtdecken verhüllt, Kerzen tragen zur heimeligen Stimmung bei. Zu ruhiger Musik mischt sich Stimmengewirr, die ersten Gäste sind bereits eingetroffen.

Bistro mit Kleinkunst

Seit 1987 existiert diese Mischung aus Bistro und Kleinkunstbühne. Unter dem Namen „Klig“, Kleinkunst in Gaggenau, befand sich der Veranstaltungsraum zu diesem Zeitpunkt noch in privater Hand, erzählt Heidrun Haendle, Leiterin des Kulturamts Gaggenau. Trotzdem präsentierte die Stadt schon damals Veranstaltungen auf der Bühne hinter dem Gaggenauer Bahnhof.

70 Veranstaltungen im Jahr

1991 rief das Kulturamt das bis heute bekannte Programm „Kulturrausch“ ins Leben. „2006 wurde die Bühne von der Stadt übernommen“, erklärt Anne Tenzer, Auszubildende Veranstaltungskauffrau beim Kulturamt. Seit 2011 betreibt Rantastic die Bühne. Das Kulturamt der Stadt darf die Bühne aber weiter nutzen. So kommt es, dass Tenzer und ihre Kolleginnen etwa 30 Veranstaltungen pro Jahr im klag organisieren. Zusammen mit Rantastic komme es Tenzer zufolge zu insgesamt rund 70 Veranstaltungen im Jahr.

Gäste kommen frühzeitig

„Die Arbeit abends ist toll, die Leute sind alle gut drauf und man merkt, dass sie richtig Lust auf die Vorstellung haben“, erzählt sie. Die Auszubildende ist schon lange vor Veranstaltungsbeginn im klag, um den Künstler zu empfangen. Ab 18 Uhr steht sie dann am Eingang, begrüßt die Gäste und scannt ihre Tickets. Obwohl der Künstler erst zwei Stunden später auftritt, finden bereits die ersten Besucher ihren Weg in den Saal.

Bier und Salat

Zeit genug, um Abend zu essen. In der Küche hinter dem Saal backen zwei Köche Brezeln auf und bereiten Salate vor. Noch ist es ruhig, der große Ansturm kommt erst noch. Hinter der Theke füllt eine Kellnerin Biergläser, ihre Kollegin eilt von Tisch zu Tisch und nimmt Bestellungen entgegen.

Greifbare Künstler

„Die Leute lieben es, hier essen zu können“, sagt Haendle. Zudem sei die Atmosphäre eine ganz besondere. Der Künstler sei greifbar, egal ob er vor der Vorstellung zwischen den Tischen hindurch schlendert oder nach der Show zum Plaudern an der Theke steht. Dazwischen sitzen die bis zu 180 Besucher direkt vor ihm, ohne sonderlich viel Abstand.

Zwei Meter bis zur Bühne

Ein Tisch möglichst nah am Künstler, das ist ein weiterer Grund, warum viele Gäste bereits zwei Stunden früher kommen. Platzkarten gibt es keine. Wenn es besonders voll ist, wird der etwas erhöhte Bereich am anderen Ende des Saals für Besucher geöffnet, erzählt Tenzer. In der Pause wird sie wieder hinter ihrem Pult stehen und CDs des Künstlers verkaufen. Der Künstler selbst kann sich dann auf dem Sofa in dem Raum hinter der Bühne ausruhen. Viel Platz ist dort allerdings nicht, etwa zwei Meter vom Sofa entfernt hängt der Vorhang, der den Raum von der Bühne abtrennt.

Wir bieten Konzerte, Kabarett und Lesungen an.

Für schnelle Kleidungswechsel während des Auftritts gibt es rechts und links von der Bühne zwei kleine Kammern mit Stuhl und Spiegel. Abgetrennt sind auch sie lediglich durch schwarzen Stoff. Zu stören scheint das die Künstler nicht, Ceylan oder Oropax kamen bereits öfters in die klag-Bühne. Das Programm dort ist bunt gemischt. „Wir bieten Konzerte, Kabarett und Lesungen an“, berichtet Tenzer.

Nach dem Konzert ist vor dem nächsten

Wenn die Künstler nach ihrem Auftritt schließlich von der Bühne gehen und die Gäste den Heimweg antreten, ist die Arbeit für Tenzer noch nicht zu Ende. Sie muss den Aufsteller wegräumen und alles in den Ursprungszustand zurückversetzen. Und am Tag darauf im Büro beginnen schon die Planungen für den nächsten Auftritt.

klag-Bühne

Die klag-Bühne gibt es seit 1987, damals hieß sie allerdings noch klig und gehörte einem privaten Betreiber. Im Jahr 2006 übernahm die Stadt Gaggenau den Veranstaltungsraum, renovierte ihn und öffnete im Herbst 2007 den Saal erneut für das Publikum. 2011 gab es wieder einen Wechsel. Seither gehört die Kleinkunstbühne der Rantastic GmbH. Das Kulturamt Gaggenau organisiert aber immer noch etwa 15 Veranstaltungen pro Saison in dem Saal, berichtet Kulturamtsleiterin Heidrun Haendle. Die erste Saison dauert demnach von Januar bis Mai, die zweite von September bis Dezember. Im Sommer herrscht Spielpause, da es dann in dem Saal zu heiß wird.