Eine Honigbiene in ihrem Element: Dieser Anblick wird auch im Murgtal immer seltener. Viele Insekten sind vom Aussterben bedroht. | Foto: Von Erichsen

Initiative „proBiene“

Wachrütteln für Artenschutz

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„Rettet die Bienen!“ So lautet das Motto der gemeinnützigen Einrichtung „proBiene“, die in Baden-Württemberg ein Volksbegehren plant. Auch die Stadt Gernsbach setzt sich in verschiedenen Aspekten für den Umwelt- und Tierschutz ein. Naturschützer vor Ort sorgen sich vor allem um die Insekten in der Region und stehen hinter „proBiene“. Kritisch sehen sie das beschleunigte Bebauungsverfahren des Pfleiderer-Areals.

Im BNN-Gespräch verweist der Naturschutzexperte Stefan Eisenbarth zunächst auf die alarmierende Statistik, dass der Insektenbestand in Deutschland bereits etwa 80 Prozent einbüßen musste. „Grundsätzlich ist die Initiative eine gute Sache. So tritt das Thema verstärkt an die Öffentlichkeit und in die Wahrnehmung der Leute. Es wird Zeit für ein kollektives Wachrütteln“, erklärt Eisenbarth.

Wenig Förderung für Streuobstwiesen

Auch Hugo Götz, Vorsitzender des Bezirksimkervereins Gernsbach, befürwortet das Projekt. Er kritisiert, dass der im Murgtal weit verbreitete Streuobstwiesenbau zu wenig gefördert werde. Viele überalterte, ungeschnittene Bäume stünden einer vorteilhaften Bepflanzung mit jungen Bäumen im Wege. Außerdem zeigten Brachflächen – wie etwa vom Sturm Lothar erzeugt – eine größere Biodiversität als Waldflächen, die der reinen Waldwirtschaft unterliegen. In diesem Zusammenhang – wie die Pressestelle von Gernsbach angibt – verfolge die Stadt eine naturnahe Waldwirtschaft.

Eisenbarth äußert sich zum Pfleiderer-Areal

Eisenbarth meint, dass auch durch rücksichtslose Bebauung wichtiger Lebensraum für Tiere verloren geht. Ein naheliegendes Beispiel ist das Pfleiderer-Areal in Gernsbach. „Das beschleunigte Bebauungsverfahren hat nur streng geschützte Arten in der Voruntersuchung berücksichtigt. Auch für andere Tierarten müssten Ausgleichsflächen geschaffen werden“, klagt der Naturschutzexperte.

 Es ist vor allem auch die Aufgabe der Kommunen, mehr für den Tierschutz zu unternehmen.

Stefan Eisenbarth

Dazu äußert Götz eine klare Vorstellung zur Bepflanzung dieser Fläche. Generell könnte man mit heimischen Blumen, Sträuchern, Hecken und Bäumen etwas Gutes für die Tierwelt tun. Des Weiteren sollten im Uferbereich insektenfreundliche Pflanzen stehen – am besten Salweiden. Insgesamt spüre man im Murgtal die Auswirkungen des Artensterbens noch nicht so stark wie an anderen Orten, so Eisenbarth – trotzdem bestehe Aufholbedarf. „Es ist vor allem auch die Aufgabe der Kommunen, mehr für den Tierschutz zu unternehmen.“

Habitatpflege für Auerhahn

Nach Angaben der städtischen Pressestelle hat Gernsbach vor allen Dingen die Habitatpflege für das Auerhuhn im Programm und arbeitet dabei Seite an Seite mit dem Zweckverband Infozentrum Kaltenbronn. Zudem war bei der Sanierung des Storchenturms darauf geachtet worden, die Einfluglöcher und Brutstätten von Mauerseglern und Fledermäusen zu erhalten und zu verbessern. Zudem unterstützt Gernsbach die Freistellung von Felsbiotopen – ein ähnlicher Aspekt findet sich auch im Maßnahmenkatalog des geplanten Volksbegehrens. In der „Erweiterung des Biotopverbundes“ sieht der Naturschutzexperte Eisenbarth gute Ansätze. Götz konkretisiert seine Vorstellung für die lokale Umsetzung: „Wir brauchen mehr Feuchtbiotope für mehr Artenvielfalt.“

Insekten leisten wichtigen Beitrag

Weitere Ziele des Volksbegehrens sind die Halbierung der Pestizidmenge bis 2025 oder 50 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2035. Insgesamt seien die Ziele realistisch und zeitlich machbar, meint Hugo Götz. „Ein Umdenken in der Bevölkerung ist bemerkbar,“ fügt er hinzu. Im Gegensatz dazu bezweifelt Eisenbarth, dass sich alle Punkte in dieser Zeit umsetzen lassen. Der Naturschutzexperte resümiert: „Insekten sind elementar wichtig für die Natur und damit auch für uns Menschen. Vor allem die Wildbienen leiden unter unserem rücksichtslosen Umgang mit ihrem Lebensraum. Sie können nicht – wie die Honigbienen – mit Zuckersirup gefüttert werden.“

Sensibilität für Natur soll geschult werden

Um die Sensibilität für die Natur zu schärfen, soll die Naturparkschule Hilpertsau unter der Trägerschaft der Stadt Gernsbach Kinder schon im Grundschulalter unterrichten. Die Von-Drais-Schule betreibt Bienenhaltung auf dem Dach zu Lehrzwecken. Die Initiative „proBiene“, das Pendant zum erfolgreichen Volksbegehren in Bayern, will die Artenvielfalt retten.