Feierstunde für die Belegschaft: Matthias Jurytko, Standortverantwortlicher des Mercedes-Benz-Werks Gaggenau (am Mikro), rief die Erfolgsgeschichte des Wandlers in Erinnerung, der seit 1978 im Werk produziert wird. | Foto: Daimler

Feierstunde im Benz-Werk

Wandlerfertigung am Standort Gaggenau wird ausgebaut

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Der Standortverantwortliche fand sogar den jahreszeitlichen Schwenk und der Applaus der Belegschaft war ihm wenig später sicher: „Das ist ja wie Weihnachten – ein vorgezogenes Weihnachtsfest“, frohlockte Matthias Jurytko. Die Wandler-Mitarbeiter – insgesamt sind es aktuell 530 im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau – hatten sich versammelt, um die Inbetriebnahme der neuen Fertigungslinie in Bau 4 zu feiern.

4 Wandler-Produktionsorte innerhalb des Werkes

Damit wird das für Automatik-Pkw der Marke Mercedes-Benz unentbehrliche Bauteil Wandler nunmehr an vier Orten innerhalb des Mercedes-Benz-Werks Gaggenau produziert. Was zum einen die Erfolgsstory unterstreicht, denn die Stückzahlen sind über die Jahre deutlich angestiegen. Zum zweiten zeigt dies aber auch die räumliche Enge des Werkes, wegen der innerstädtischen Lage und Umgebungsbebauung ist eine Erweiterung „auf der grünen Wiese“ nicht möglich. Deshalb ging die expandierende Wandler-Produktion meist in die „Lücken“ wegfallender Produkte; größere Freiflächen gab es am Standort ab dem Jahr 2001, als die Verlagerung der Unimog-Produktion nach Wörth beschlossen wurde.

Weiterer Ausbau bereits in Planung

Im Bau 4, in dem früher die Kleinteilefertigung war und jetzt mit den ersten 10 000 Stück die zusätzliche Wandler-Fertigung am Standort begonnen hat, sind bereits die Vorarbeiten (und Maschinenbestellungen) für eine nächste Ausbaustufe mit Beginn Oktober 2018 angelaufen. Das Bauteil Wandler wird bei Daimler im Übrigen ausschließlich am Standort Gaggenau produziert.

60 Mitarbeiter kommen hinzu

Jurytko rief in seiner Rede die Standortstrategie 2013/2014 in Erinnerung, die derzeit weiter umgesetzt werde und in der der Wandler ein fester Bestandteil sei („mit dem Potenzial, sich weiterzuentwickeln“). Zu den jetzt 530 Mitarbeitern kämen im neuen Jahr weitere 60 hinzu. Jurytko hatte ebenso wie zuvor Yaris Pürsün (Leiter Produktionsverbund Daimler Trucks) ein dickes Kompliment für die Wandler-Belegschaft parat; er lobte, dass bei ihr „Qualifikation und Identifikation zusammenkommen“.

„Erfolgsgeschichte des Wandlers“

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Udo Roth sprach von einer „Erfolgsgeschichte des Wandlers am Standort seit 1978“ – die sei aber nicht immer linear, nicht immer ohne Diskussionen verlaufen. Ende der 80er-Jahre bis Mitte der 90er sei sogar eine Fremdvergabe an Fichtel & Sachs ernsthaft im Gespräch gewesen. Die Lage sei damals „bedrohlich, ja sogar existenzbedrohend für den Standort gewesen“, rief Roth auch diese Phase in Erinnerung. Die Unimog-Verlagerung 2001, die mit einer umfangreichen Betriebsvereinbarung einherging, habe dann der Möglichkeit zur Erweiterung der Wandler-Fertigung einen großen Schub gegeben – waren es vor dieser Zeit rund 700 000 Teile, so sei man bei nunmehr rund zwei Millionen jährlich angelangt. Roth wie zuvor Jurytko äußerten sich positiv zur Umsetzung der Standortstrategie, die zwar Fremdvergaben beinhalte, gleichzeitig aber auch Freiflächen schaffe. „Mit ist vor der Zukunft nicht bange“, so Betriebsrat Roth, „auch nicht mit Blick auf die Elektromobilität“.

Große Vorsicht nach der Finanzkrise

Matthias Schneider leitet die Wandler-Produktion in Gaggenau, er rief in der Feierstunde in Erinnerung, dass es die letzte große Steigerung im Jahr 2005 gegeben habe. Die nachfolgende, bereits geplante Ausweitung sei der Finanzkrise zum Opfer gefallen; danach sei man sehr lange sehr vorsichtig geblieben, habe lieber Sonderschichten den Vorzug gegeben, ehe man erst 2014 in die nächste Phase der Kapazitätssteigerung eingetreten sei. Dann hieß es: „Wir wussten, was wir brauchen, aber wir hatten keine Flächen.“ Letztlich sei man mit Bau 4 fündig geworden; dem Problem, dass man nun im ersten Obergeschoss statt wie bisher immer im Erdgeschoss angesiedelt sei, sei man mit dem Einbau von zwei Senkrechtförderern begegnet; jeder Aufzug könne pro Stunde 60 große Behälter befördern.

Große Arbeitsbelastung

Matthias Schneider ging auch auf die sehr große Arbeitsbelastung ein: „Wir hatten die letzten drei Jahre nicht die Maschinen, nicht die Kapazität, um allen Kundenwünschen zu genügen …Für alle, die drin waren, war es eine absolut große Belastung, keine Frage. Unglaublich, was wir da zusammengekriegt haben.“