Attraktive Stadt: Laut Statistischem Landesamt zählte Gaggenau zum Jahresende 2016 genau 29 315 Einwohner. Wird die 30 000-Einwohner-Hürde genommen, winkt ein großer Imagegewinn – und dem Oberbürgermeister wie auch dem Beigeordneten ein ordentliches Plus bei der Besoldung. | Foto: Bracht

Einwohnerzahl wächst seit 2012

Wann nimmt Gaggenau die 30000-Einwohner-Hürde?

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Von einer „starken Stadt mit deutlich steigenden Bevölkerungszahlen und einer guten Zukunft“ hat Oberbürgermeister Christof Florus in seiner Rede beim Neujahrsempfang gesprochen. Was er öffentlich nicht gesagt hat, auf den Rathausfluren und für ihn persönlich aber ein wichtiges Thema ist: Die 30 000-Einwohner-Grenze rückt näher; sie zu überschreiten hätte gleich mehrere Auswirkungen: Der Imagegewinn für die Stadt und ihre Repräsentanten wäre groß, die Zahl der Gemeinderatssitze würde laut Gemeindeordnung von 26 auf 32 anwachsen. Aber vor allem: Die Besoldung des Oberbürgermeisters wie auch des Beigeordneten würde mit Aufrücken in die Kategorie „30 000 bis 50 000 Einwohner“ kräftig ansteigen – jetzt und später bei den Ruhestandsbezügen.

Nur die Zahlen aus Stuttgart zählen

Geht es nach der Zählung des Gaggenauer Einwohnermeldeamtes, dann hätte die Benz-Stadt die „magische Grenze“ bereits überschritten: Nach dessen Zählung sind es zum 31. Dezember 2017 genau 30 036 Einwohner (mit Nebenwohnsitzen sogar 31 543). Die Krux dabei: Die Zahlen des Einwohnermeldeamt gelten nicht, alleine maßgebend sind die Zahlen des Statistischen Landesamtes (Stala) in Stuttgart – und die Zählweisen sind unterschiedlich.

29315 Einwohner waren es Ende 2016

Ausschließlich die „offiziellen“ Zahlen des Stala bilden die Grundlage für den Finanzausgleich und die wichtigen Schlüsselzuweisungen (das sind regelmäßige Zahlungen des Landes an die Kommunen), ebenso für die Besoldung der kommunalen Spitzenämter. Auch für die Vorjahre fallen die Gaggenauer Zahlen für die eigene Stadt regelmäßig höher als die aus Stuttgart – letztlich aber ohne Bedeutung. Laut Statistischem Landesamt betrug die Einwohnerzahl für Gaggenau zum Stichtag 31. Dezember 2016 genau 29 315, es fehlen also „nur“ noch knapp 700 „amtlich festgestellte“ Einwohner bis zu den 30 000 (die Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor). Aus dem Stala heißt es auf BNN-Nachfrage, dass wahrscheinlich im April zumindest die Zahlen für den Stichtag 30. Juni 2017 aufbereitet sein sollen.

Unterschiedliche Zählweisen

Als Hauptgrund für die offenkundig unterschiedlichen Zählweisen nennt das Stala die Volkszählung aus dem Jahr 2011, damals seien die „amtlichen Zählungen neu justiert“ worden. Auch würden die Kommunen ihre Melderegister „unterschiedlich führen“, heißt es weiter. Eine häufige Fehlerquelle seien die Meldungen bei Zu- und Fortzügen; immerhin gibt es laut Stala jährlich deutlich mehr als eine Million Umzüge im Ländle. So komme es häufig vor, dass Bürger mit Migrationshintergrund zum Renteneintritt in ihr Ursprungsland zurückkehren, sich aber in ihrer Gemeinde nicht abmelden. Das Stala erhält seine Daten aus den Rechenzentren, nimmt aber nach eigenen Angaben noch Bereinigungen und Korrekturen vor.

Ist es 2019 soweit?

Laut der „amtlichen“ Zahlen aus Stuttgart wächst Gaggenau seit 2012 kontinuierlich an: Damals waren es 28 530 Einwohner, es folgte ein Anstieg auf 28 546 (Ende 2013), 28 633 (2014), 29 032 (2015) bis auf 29 315 (Ende 2016). Das Rathaus Gaggenau teilt auf BNN-Nachfrage mit: „Nach der Stala-Statistik für Gaggenau wächst die Bevölkerung momentan um 300 Einwohner je Jahr. Wenn der Trend bleibt, könnte 2019 die 30 000-Marke offiziell erreicht werden. Das ’Knacken’ dieser magischen Grenze ist für Gaggenau deshalb bedeutungsvoll, weil es unterstreicht, dass die Bemühungen von Politik und Verwaltung Erfolg haben und Gaggenau über eine große Anziehungskraft verfügt.“ Neue Baugebiete, aber auch die Zahl der Flüchtlinge (die Menschen in den Sammelunterkünften wie auch in der Anschlussunterbringung werden mitgezählt) dürften das Plus erbringen.

Prozentualer Anstieg im Kreis höher

Allerdings: Die Stala-Vergleichszahlen bremsen den Gaggenauer Anstieg deutlich ab, von einem spezifischen „Gaggenauer Boom“ kann demnach wahrlich nicht die Rede sein: Das Ranking des Landesamtes zeigt, dass die Einwohnerzahl der Benz-Stadt innerhalb von fünf Jahren (Ende 2011 bis Ende 2016) zwar um 765 Personen angestiegen ist, das prozentuale Plus von 2,7 Prozent aber mit 2,7 Prozent noch unter dem Durchschnitt des Landkreises Rastatt mit 3,0 Prozent liegt.

Mehr Geld für OB und Beigeordneten

Bleibt die Besoldungsfrage: Laut Gaggenauer Haushaltsplan ist der Gaggenauer OB aktuell in die Besoldungsgruppe B 5 eingestuft, das sind laut Landesbesoldungsordnung 2017 derzeit 8 839,61 Euro plus Zulage plus diverse Zusatzeinkünfte (vor allem die Verwaltungsratstätigkeit der Bürgermeister in den Sparkassen gilt als überaus lukrativ). Bei 30 000 Einwohnern winkt dem OB ein Aufstieg auf B 7 mit dann 9 817,88 Euro – rund 1000 Euro mehr als jetzt. Der Beigeordnete, derzeit laut Haushaltsplan in B 3 (7 856,78 Euro) plus Zulage eingestuft, würde auf B 5 (8 839, 61) hoch gehen. Die letzte Einstufung in der Laufbahn ist im Übrigen mit entscheidend für die Ruhestandsbezüge: Beide würden also von der Höherstufung auch nach ihrer aktiven Zeit dauerhaft profitieren.