Kinder mit Rechenschwäche tun sich im Matheunterricht oftmals schwer.
Kinder mit Rechenschwäche tun sich im Matheunterricht oftmals schwer. | Foto: dpa

Interview mit de Almeida

Was ist Dyskalkulie? Eine Psychologin erklärt die Rechenschwäche

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Psychologin Marianna de Almeida von der Psychologischen Beratungsstelle des Landratsamt Rastatt berät Eltern und Kinder bei Schulproblemen. Im BNN-Interview erklärt de Almeida, was Dyskalkulie ist und welche Ursachen dafür in Frage kommen. Eine Betroffene berichtet in diesem zweiten Artikel über ihr Leben mit der Rechenschwäche.

Was ist Dyskalkulie?

De Almeida: Wenn Menschen trotz intensiver Unterstützung und normaler Intelligenz andauernde Schwierigkeiten mit Rechenaufgaben haben, spricht man von Dyskalkulie oder Rechenschwäche. Sie darf aber nicht von körperlichen Beeinträchtigungen wie etwa einem Sehfehler kommen. Mangelnde Beschulung muss als Grund für die Rechenschwierigkeiten ebenfalls ausgeschlossen sein.

Was ist die Ursache für Dyskalkulie?

De Almeida: Das ist bisher nicht ausreichend geklärt. Während die einen von einem angeborenen Defizit ausgehen, nehmen andere an, dass Dyskalkulie durch Schwierigkeiten in der Verarbeitung visuell-räumlicher Eindrücke entsteht. Versagensängste sind eine häufige Folge von Dyskalkulie.

Ist Dyskalkulie behandelbar?

De Almeida: Ja, ganz fehlerfrei beim Umgang mit Zahlen werden Kinder dadurch vielleicht nicht, sie kommen aber besser mit Rechenaufgaben zurecht. Eine umfangreiche Diagnostik ist notwendig, damit ausgebildete Fachkräfte gezielt mit den Kindern trainieren können. Am sinnvollsten ist es, wenn im Grundschulalter mit der Behandlung begonnen wird. Bei Erwachsenen ist die Behandlung noch nicht ausreichend erforscht.

Wissen Lehrer über Dyskalkulie Bescheid?

De Almeida: Das ist unterschiedlich. In einer Verwaltungsvorschrift für Baden-Württemberg wird benannt, wie Lehrer Schüler mit Dyskalkulie unterstützen können. Außerdem gibt es Weiterbildungen sowie kostenlose Handreichungen, die Lehrern helfen, Kinder mit Dyskalkulie zu erkennen.

Wenn Eltern Rechenprobleme bei ihren Kindern feststellen, sollten sie laut Psychologin Marianna de Almeida zunächst mit dem Klassenlehrer sowie dem Beratungslehrer darüber sprechen. Bei andauernden Problemen können ihr zufolge Fachkräfte wie beispielsweise Psychologen, Ärzte und Ergotherapeuten, die speziell im Bereich Dyskalkulie ausgebildet sind, eine Diagnose stellen und die Betroffenen, auch Erwachsene, behandeln. Bei weiteren Fragen kann auch die Schulpsychologische Beratungsstelle des Schulamts Rastatt weiterhelfen.